Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Leben Michelangelos
Person:
Grimm, Herman Michelangelo
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1040321
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3973514
Größe in die Luft steigt, viereckig und von oben bis unten mit R1arinor bekleidet. So wenigs2lrnolfo 
den Srl1lusz des 1Ingel1euren Donibaues selber erlebte, der noch anderthalb Jahrhunderte nach feinem 
Tode zur Vollendung bedurfte, ebenso wenig war es Giotto vergönnt. feinen wunderbaren Thurm zu 
Ende zu führen. Er hinterliefz wie s2lrnolfo ein Modell, nailJ welil1esn weitergearbeitet wurde, wenn 
man auch daran änderte nnd an1Sd,3luffe des Werkes die gotbisd7e prJran1idale Spix;e fortliesz, weil 
das Ende des Baues in Zeiten fiel, wo der deutsche Stx3l längst wieder aufgegeben nnd in Vers 
ail1tung gefallen war. 
Wie die Kirche, neben der er steht, Alles an Grösse iibertreffen sollte, was auf Erden jemals 
gebaut worden wäre, so erhielt auch Giotto den Auftrag, einen Thurm a11s3i1rithten, der Alles 
iiberragte, was griethische und rön1isehe Kunst hervorgebraiht hatten. Die aus sch1varzen und weißen 
2iiarniottaseln zusanin1engesei;te Oberflaihe ist nur den sihö11stei1 Ornan1enten und Bildhaner1verken 
bedeckt, die bis zur Höhe in betvunderungs1viirdigen: Reiihthuin stiehhalten. Die Gliederung der vers 
sthiedenen Etagen, die kfenster, die SculPturen. wohin n1an blickt und auf1nerksanier die Dingen suchen 
laßt. bilden ein unvergleiihliches Ganzes. Giotto verdiente die Ehre und die Geldbelohnung, die er 
dafür einerntete. Das Biirgerretht. das er erhielt, war damals eine große Sache, und der jahrlithe 
Gehalt von hundert Goldgulden keine Kleinigkeit. 
Er starb l.3.36Vii. Bis zum Ende des Jahrhunderts blieb sein Sitzt die sorinende Gewalt 
in der slorentinisthen Kunst. Die 2iamen seiner Schüler und 2iaihah1ner bieten nichts. das über 
ihn hinausgeht. Es waren unerqt1itklithe Zeiten, in denen keine höhere Gewalt sich geltend macht 
in Italien als trüber kampsbegieriger EgoisInus. Das Land ist der Sihat1plat; unendliiher Streitigi 
keiten, deren verworrenes Wesen durth keine hervotleuthtende 21iaimergestalt edlere Bedeutung 
empfängt. 
O 
Jm Norden safzc11 dir Visc0nti als dir lJrkrcI1 von Mailand, wo sie Kaiser lJcinrjd9 bestätigt 
hatte. DurdJ sie blieb dass glJjl1clli11iskhc nördlidJc Italien mit den Liajscrn und Deutschland in Vers 
bindung. Ihre besten Soldaten warm dcutsdJc Ritter und Las1d5kI1cdJtc. 
Nach Osten hin war Venedig den Visc0ntils zu stark. sie wandten sub starb Süden und 
brachten Genua in ihre Gewalt; damit war die ganze t0scanisebe Küste. Lucca nnd Pisa, einst das 
Ziel der genuesisrl;en 1Vlinsil1e, nun ein Gegenstand der l0mbardisrl1en Bestrebungen geworden. Das 
aber brachte Mailand mit Florenz zusammen, für welches der Besitz der beiden Städte nothwendig 
war. Dazu der Gegensatz der politischen Gesinnung: Mailand der Mittelpunkt des dcutsrlJs 
kaiserlirl,1 gl1ibelli11isdJen D2ldels in Italien, .fl0renz das Nest des papstlidJ nationalen Biirgertbum5 
in engster Verbindung mit dem fraI136sisrlyeii Neapel und mit .frankreiib selber, dessen Könige die 
rönijsrbe lTaiserwlirde an sich zu reißen b0fsten. T0scana lag 3wisil1en dem Norden und dem 
Süden, wie der natiirliebe RanipsplaI3 der semdliiben 2liiiibte, auf dem sie an einander 
mußten. 
kflorenz war ei11e von 1i1iri1hjge11Massen bew0ln1te .fal1rikstadt. Es stellte fiel; bald heraus, 
daß eine 11t1al1häs1gige starke Gewalt die Stadt c1aciJ außen sihiil3en Iniisse. Von den eigenen 
Bürgern konnte und durfte keiner so nIächtjg werden, unt so viel zu vermögen; wir finden .fl0ren3
        

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