Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Leben Michelangelos
Person:
Grimm, Herman Michelangelo
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1040321
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3976461
Unter diesem Propheten, der die Mitte über einer der srhn1äleren Wände der Capelle eins 
nimmt, malte Michelangelo dreißig Jahre später das jüngste Gericht, das die ganze Wand von 
oben bis unten bedeckt, das Hauptwerk seines Alters, wie die Gen1älde der Decke die That seiner 
Jugend sind. Wiirdige Symbole beides der Lebenszeit, in der er sie geschaffen hat. Denn wie es 
natürlich erscheinen muß, daß er in jüngeren Jahren den weit zurückliegenden göttlichen Anfang der 
Dinge ergriff und gestaltete, ebenso angemessen ist es, daß er als Greis den Schluß der unendlichen 
Zukunft 
darzustcllen 
versuchte. 
Von all den übrigen Gen1älden wähle ich nur noch zwei aus, um sie zu beschreiben. In 
den vier Ecken der Capelle bildet die Wölbung vier Dreiecke, auf denen der Tod HamanS, die 
Schlange in der Wüste, der Tod Goliath8, und Judith und Holofernes dargestellt sind. Mit welcher 
Kunst weis; Michelangelo auch das eigentlich historische, hier mökhte man es im Gegensatz zu jenen 
erhabenen Werken fast Genre nennen, aufzufassen. 
Er packt immer den entscheidenden Moment, den, der so vollgesogen von der Handlung ist, 
daß das vorher Geschehene und nachher zu Crwartende gerade in ihm zusammengefafzt zugleich 
zur Erscheinung kommt. Wenig Stoffe aber sind wohl in dem Maße geeignet, diese Kraft, die 
wahre Mitte einer That zu erfassen, offenbar werden zu lassen, als die Sage von der Judith. Dies 
Drama enthält eine Jsiille von Situationen, durch welche die Phantasie herauSgefordert wird, imd 
in der Wahl derjenigen, die hier am einfachsten den ganzen Inhalt giebt, zeigt sich das Genie 
Michelangelots. 
Bette liegen, über das ein weißes Laken gedeckt ist. Der 
stößt mit dem Handgelenk auf den Erdboden, der andere 
nach dem Haupte, das nicht mehr da ist. Das eine Bein 
Wir sehen HoloferneS auf einem 
eine Arm iß schlaff herabgesunken und 
greift über sich in die Luft, als suchte er 
fällt, in1 Knie geknickt, lang über das 1fußende des Bettes hin, als wäre ihm das Bette zu kurz, 
das andere steht mit angezogenen: Knie aufwärts und der Fuß tritt auf das Lager. 
Dieses sehen wir links, etwas zurück im Innern eines Zeltes, zu dem einige Stufen aufs 
führen. Judith steigt sie eben hinab, aus dem ,Zelte hervortretend. Sie dreht uns den Rücken zu, 
weil sie, sich umwendend, naih Hol0sernes hinücht, während sie nach der anderen Seite hin mit 
aufgchobenen Händen ein Tuch ausgebreitet hält, um es über den abgeschnittenen Kopf zu legen, 
den die Magd in einer großen flachen Schüssel auf dem Kopfe tragt. Die Magd hat ein goldigi 
gelbes Kleid an, das sich in starken schweren Falten bricht, denn sie steht mit etwas gebogenen 
Knien, damit ihre Herrin den Kopf in der Schüssel bequemer mit dem Tuche bedecken könne. Mit 
beiden Armen hält sie die Schüssel über sich fest. Ein lichtblaues Tuch ist ihr über das Kleid 
gewunden. 
Judith 
graublaucn 
Ucberwurf 
Schultern, 
mit Gold 
aber  
ausgesetzt sind. 
steif im Rücken 
Die Stellung 
hält, um die 
der Magd, wie sie sich niedriger zu 
Last auf dem Kopfe nicht aus dem 
machen s acht, 
Gleichge1Vicht 
zugleich 
kommen 
zu lasen, 
Haupt zu 
das doppelte Gefühl Judiths, die, im Begriff das Tuch rasch über das 
werfen und dann fort3ueilen, plötzlich von dem Gedanken erschreckt wird, er 
abgefchnittene 
könne dennoch
        

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