Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Leben Michelangelos
Person:
Grimm, Herman Michelangelo
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1040321
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3973477
Sein Zug dnrdJ Italien ist von Din0 Compagnj, einen1 .florentiner und .fre11nde dante.g; 
beschrieben worden. Die Chronik dieses Mannes in ihrer einsail1 schönen Prosa bildet ein Seiten: 
stiiek zu Dankes Gedjil1ten. Der .;Zusamnienklang zweier Welten, der antiken und modernen, erfüllt 
ihrer beider Werke. Sie gebrauchen die Sprache. wie die besten alten Aut0ren die ilJrige, naiv und 
ohne Mißbra1nl1 ihrer Gelenkigkeit. Dante nennt die Dinge und Gefühle sclJlrsil,1thii1, wie er sie erblickt 
und empfindet. Wenn er den Himmel beschreibt und den Aufs und Niedergang der Gestirne, ist 
der Himmel HesIod.s, oder wenn er uns an den Strand des Meeres führt, srl1eint  dasselbe Gestade 
zu sein, an dem Thetis den verlorenen sZolm betrauerle, oder dessen Wellen zu Odi3sseu:I ,fiiszen 
rollten, als er von der Insel der Kalikpso biiia1I:3bliifte und bei den ziehenden Wolken an den aus: 
steigenden Rauch seiner Heimatb darine. Dante versgleidJt unbefangen die kaum geoffneten licl1tscl,1enen 
Augen der wallenden Gespenstersrl1aaren in der Unterwelt mit den zusannmengekniffenen Augen eines 
sZdmeiders, der seine 2Iadel einfadeln will. 
Sein Gedicht ist die 1fr11e1Jt arbeitsainer Versenkung in den Geist der italienisilJei1 SPrail1e. 
Ihre Worte mußte er wie eine :ZdJaar wilder Pferde, die noch niemals jin Geschirr gegangen waren. 
iniihsan1 einsaugen und znfa1n1nenhalten. Sein stolzes vollwicl1tiges JtalicnisdJ sticht wnnderlikl1 ab 
gegen das abgescl,1liffene c0nventi0nelle Latein, in dem er bequemer silnsjeb. Da ist cis Mars, gebildet 
und elegant, während seine italicnisdJen Sad9en klingen, als hatte er sie selbst jin Traume gesil1rieben. 
In seinen lichten Versen liegt etwas von der WehsI1i1tl1, zu der uns oft der Anblick der Natur 
stimmt, von jener Trauer ohne Ziel, die ein fühlet glühender Sonnenuntergang jin Herbste in uns 
herai1sl0ckt. Dante7s Schicksal steht vor uns. wie das Leiden eines verbannten Hellenen. der am 
Hofe eines Barbarensiirsten Gastsrei1i1dsU1ast genieszt, 1väl1res1dlJasz und Sehi1siidJt an seineIn Herzen 
nagen. Man sieht nicht zu .;Zeiten, als man vielleicht zu sehen ein Recht hat: wenn ich Dantels 
Kopf bktkqkhtk, wie ihn Giotto mit wenigen wundervollen Linien in der Capelle des Bargello aus 
die Wand malte, da scheint in den sanften .Ziigen sein ganzes Leben zu liegen, als iibersihattete 
seine jugendliche Stirn eine Ahnung, wie die Zukunft sich ihm gestalten sollte. 
Dante starb in der Verbannung. keines seiner politischen Ideale gestaltete sich zur Wirklichkeit. 
Die Nationen strikten zu tief in ihrer eigenen Unordnung, um für die allgemeine europiiische Politik 
Kraft und Begeisterung iibrig zu haben. Die Papste zogen nach t2lvignon, Rom stand leer, Italien 
blieb sich selbst überlassen. Die hundert Jahre, welche dieser Zustand dauerte, sind die zweite Epoche 
in der Entwickelung der florentinisihen Freiheit und bilden 3ugleiih das erste s3äculuin der erbliihenden 
Kunst, die in Giotto ihren ersten grossen Arbeiter findet. 
R1an pflegt Cimabue den Griinder der neuen Malerei zu nennen. Seine Thiitigkeit fällt in 
die Zeit, wo Dante geboren wurde. Seine Werke erregten Staunen und Bewunderung. Cimabue 
n1alte in der Weise der bizzantinisrhen Meister starre umfangreiihe Madonnenbilder. Man möchte 
heute diesen Einfluß der biJzantinisrhen Kunst auf die friihitalienifrhe auf das geringste Maß be: 
fchränkt wissen und einer mit der antiken Kunst in direkter Verbindung stehenden inlandisclJen Cur: 
wirkelung das Wort reden. Sei dein so für Cimabue; Giotto aber, den er der Legende nach als 
Hirtenjungen auf dem freien Felde antraf, wie er fein Vieh auf große s1arhe Steine abbildete, ihn 
feinem Vater abf0rderte, mit nach kfl0renz nahm und unterrichtete, darf dennoch kaum als sein Schiller
        

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