Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Leben Michelangelos
Person:
Grimm, Herman Michelangelo
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1040321
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3975132
Berathung 
zustellen. Sie schiene n1ir da als ehrenvolle ,;Zierde der Kirche und des Kirehenvorstandes und auch 
an einem vom Verkehre beriihrten Orte zu stehen. Indessen da ihr doch einmal von der ersten 
Ansicht abgegangen seid, so sage ich, man möge sie im Palaste oder im Inneren der Kirche aufs 
stellen. Da ich übrigens nicht sicher bin, wo sie am besten stehen wird, so halte ich mich an das, 
1vas die Anderen sagen: die Zeit war zu kurz, um über einen besseren Platz nachzudenken.H 
Nach ihm nimmt Eosinio 2ioselli das Wort, einer der älteren Meister, der etwas steif und 
hölzern in feinen Bildern erscheint. Er drückt sich ebenso ronfus wie seist Vorgänger ans. Er 
stimme den beiden Herren bei. Am besten würde die Staate im Inneren des Palastes stehen. 
Uebrigens sei seine Ansicht gewesen, man solle sie an der Treppe vor der Kirche rechter Hand ai1f 
einen hohen verzierten Unterbau Reiten. Da wiirde er sie hinbringen, weint er zu bestinnne1t hatte. 
Sandro Botticelli äuszerte hierauf, Roselli habe gerade den Ort getroffen, den er auch 
meine. Alle Voriilnsrgehenden sahen den David da am besten. Als Pendant auf die andere 
Seite könne man eine Judith hinstellen. Doch meint er, auch unter der Loggia neben dem Palaste 
der Regierung sei ein guter Platz für sie. 
Nun kommt Guiliano di Sau Gallo zu Worte, einer der berühmtesten Architekten und 
Ingenieure in Italien. Er und sein ebenso berühmter Bruder Antonio standen in Diensten der 
RePublik und waren oft mit der Errichtung von ,festungswerken oder stadtischen Bat1ten beauftragt. 
Er ist dafiir, die Statius tn1ter den mittelsten Bogen der Loggia zu stellen. Der Marmor sei zart 
und durch die Witterung bereits angegriffen, er müsse bedeckt stehen. Doch könne man sie auth an 
die innere Riiiktvand der Loggia bringen mit einer schwarz ausgemalten 2listhe dahinter. 
Diese Meinung, das; der David ein Dach iiber sich haben müsse, erhält erneute Wichtigkeit, 
weil seine heutige Versetzung zum Theil ähnlicher Gründe wegen erfolgt ist. Sangallo wurde nicht 
gehört. Drei Jahrhunderte lang stand die Statue an der freien Luft, bis ihr Zustand es nothi 
wendig machte, sie tmter Dach und ,fach zu schaffen. Die heutigen ,florentiner waren dagegen, 
weil der David auf seinent alten Platze bleiben miisse. Damals hatte man besser gethan, ihn unter 
die Loggia zn stellen. 
Am 25. Januar 1504 hatte man die wichtigsten Bedenken gegen die .Joggia. Der zweite 
Herold der Signorie that sofort Einspruch. Die Loggja werde zu offentliel1en JeierlidJkeite1i ges 
braiulpt; sollte der David duril1aus daru11ter stehen, so möge man ihn unter ihren offenen Sejtens 
bogen nail1 dem Palaste bin aufstellen. Da stände er unter einem Dache nnd zugleich 2iiemanden1 
im Wege. Auch mailit er den Vorsil1lag, ob die versammelten HerrsclJaften sich nicht lieber, bevor 
sie einen BesilJl11sz faszten, an die Herren von der Regierung selber wenden wollten, unter denen 
Leute wären, die mit solchen Dingen Bescheid wiißten. 
2iailJdenI eine Anzahl anderer Künstler nichts Neues vorgebracht, begegnen wir ietzt einem 
Manne, der sich in dieser Versammlung dnrelJ seine Worte allerdings nicht bervortbat. der aber als 
der größte aller damals lebenden Künstler nach kurzer Zeit auilJ MielJelangelo gegenüber hohe Bei 
dentnng gewinnt: Lionardo da Vinci. 
LioI1ardo war se1Jon jin Jahre 1499 nadJ ,floren3 z11riickgekehrt und vielleicht bereits dort 
anwesend als Midjela11gelo aus Rom kam. Lodovjco Sfor3a, fein Herr, dem er beinahe zwanzig 
Jahre lang gedient, fiel als das Opfer der eigenen ränkevollen Politik. Die J1sanzose1c nahmen 
ihm fein Land, er flüdJtete nach Deutschland, kam zurück, wurde abermals geschlage1I, erkannt, als 
er in e1sbär1I1lidJer Verklejdung davonzukon1men versudJte, und nach .frankreirlJ gefe1Jleppt, wo er nach 
zehn Jahren elenden Gefangnjsses abstarb.
        

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