Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Stiftsbibliotheken zu Admont und Vorau
Person:
Buberl, Paul Wickhoff, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1026905
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4146183
Einleitung. 
der Bibliothekar Peter von Arbon in den Jahren 1370 und 1380 zwei noch erhaltene Bücherverzeichnisse 
(publiziert von P. Jakob NVichner, Zwei Bücherverzeichnisse des XIV. Jahrhs. in der Admonter Stiftsbibliothek, 
IV. Beiheft des wZentralblattes für Bibliothekswesene). Das eine derselben zählt 391, das andere schon 640 Hand- 
schriftenbände auf. Abt Andreas (1423-1466) erbaute eine neue Bibliothek und brachte zahlreiche neue Hss. in 
dieselbe. Von Bedeutung für den Handschriftenbestand wurde die Regierung des Abtes Anton (1483-1491), eines 
venezianischen NVeltpriesters, der seinen Beziehungen zu Kaiser Friedrich III. die Erlangung der Abteiwiirde von 
Admont verdankte; wenn er auch vielfach angefeindet wurde, so war er doch ein hochgebildeter Mann. Der 
Bibliothek wandte er eine große Sorgfalt zu, er vermehrte sie durch zahlreiche gekaufte Hss., die durch die Be- 
zeichnung vAntonius abbasx gekennzeichnet sind. Abt Anton erwarb auch schon viele Inkunabeln. Die Werke 
der neuen Kunst verdrängten bald die geschriebenen Bücher. Die letzten größeren Handschriftenerwerbungen 
fallen in die Zeit des Abtes Leonhard von Stainach (1491-1501). 
Damit können wir diese kurze historische Übersicht beschließen und uns den illuminierten Hss. selbst zu- 
wenden. Wenn wir uns dabei auch vor Augen zu halten haben, daß wir nur einen  zum Gesamtbestande 
aber doch in einem ziemlich konstanten Verhältnisse stehenden und qualitativ prävalierenden  Bruchteil aller 
Hss. berücksichtigen und daß einige Hss. (zum Teil beträchtlich) später, als sie entstanden sind, in die Bibliothek 
kamen, so entspricht doch das Gesamtbild, welches wir aus einer Ubersicht der illuminierten Hss. gewinnen, 
ganz jenem, das aus der Betrachtung der Stiftsgeschichte sich uns ergeben hat. 
Unter den Geschenken, mit denen der Gründer das neue Stift bedachte, wird der vlibrix ausdrücklich Er- 
wähnung getan. Daß darunter  es waren natürlich in erster Linie liturgische Bücher  auch einige prächtiger 
ausgestattete Codices waren, ist bei dem Range des Stifters wie der Bedeutung der Stiftung als selbstverständlich 
anzunehmen. Auch die von St. Peter in Salzburg gekommenen Mönche und die ersten Abte (durchaus Salzburger) 
werden aus ihrer Heimat Bücher mitgebracht haben. Den Grundstock der Admonter Bibliothek bildeten also 
Salzburger Hss. Zu diesem ältesten Bestande gehören wohl zwei einfach verzierte Hss. des X. Jahrhs., 
Nr. 285 und Nr. 423 (1 und 136)1), und eine des XI. Jahrhs., Nr. 218  sowie die älteste Prachthandschrift der 
Bibliothek, das Evangelium Nr. 511  ein kunsthistorisch wichtiges Stück, das ich als ein sicheres Werk der 
Salzburger Schule aus den letzten Jahrzehnten des XLJahrhs. bestimmen konnte. Vermutlich wurde es vom Erz- 
bischof Gebhard selbst oder einem der ersten aus Salzburg gekommenen Äbte geschenkt. Es ist vom gleichen MiniatOr 
wie ein Perikopenbuch in St. Peter in Salzburg, dessen Hersteller sich in einer feierlichen Widmungsinschrift 
rCustos Perhtoltx nennt. Die vier Evangelistenbilder sind stilistisch freilich steif und schematisch, technisch aber 
mit größter Vollendung gemalt. 
In dem Bücherverzeichnisse des Peter von Arbon vom Jahre 1380 wird folgendes Werk angeführt: iBiblia 
tote in duobus maximis voluminibus, quam dominus Gebhardus fundator   contribuitw Falls diese Notiz auf 
sicherer Tradition fußt und nicht  wie so häufig  seine Entstehung der verzeihlichen Neigung verdankt, be- 
deutende altertümliche Stücke auf den Gründer zurückzuführen 2), könnte sie nur auf die doppelbändige italienische 
Riesenbibel C, D (103) bezogen werden. Die bisherige Klostertradition identiiizierte mit der wGebhards-Bibele die 
zweibändige Riesenbibel A, B  Diese Ansicht muß aber aufgegeben werden, weil die Bibel erst der 
Mitte des XII. Jahrhs. angehört. Das mächtige Werk, ein geradezu monumentales Buch mit außerordentlich 
reichem Miniaturenschmucke, das dem berühmten Salzburger Antiphonar den Rang als Hauptwerk der Salz- 
burgel" Buchmalerei des XII. Jahrhs. streitig zu machen berufen ist, ist die kostbarste und kunsthistorisch 
bedeutendste Hs. der Admonter Bibliothek. Die beiden wuchtigen Bände enthalten zusammen 31 zum Teile blatt- 
große Miniaturen und 118 große Initialen. Die in Deckfarben auf Goldgrund gemalten Miniaturen zeigen einen 
außerordentlich frischen undplebendigen, stark byzantinisch beeiniiußten Stil. Auch ikonograpliisch ist die Bibel 
hochinteressant wegen der zahlreichen alttestamentarischen Szenen. Entstanden ist sie um die Mitte des XII. Jahrhs., 
unzweifelhaft in Salzburg, kam aber dann nicht gleich nach Admont, sondern in das ungarische Kloster Csatar, 
wo sie  wie sich aus verschiedenen Eintragungen feststellen läßt  noch in der Mitte des XIII. Jahrhs. sich 
befand. Wann sie nach Admont kam, ist unbestimmt. Mit Sicherheit daselbst nachweisbar ist sie erst am Anfang 
des XV. Jahrhs. 
Der gleichen Zeit und Schule gehören auch drei Hss. mit Federzeichnungen an, Nr. 36, 52, 28g  
Die ersten zwei (Werke des Petrus Lombardus) sind ein Geschenk des Erzbischofs Eberhard I. von Salzburg 
(1147-1164), eines Mannes, dem in der Geschichte der Salzburger Malerei des XII. Jahrhs. eine hervorragende 
Bedeutung zukommt; reicher ausgestattet ist die dritte Hs., welche die Meditationen des Anselm von Canterbury 
enthält und mit zwölf guten Federzeichnungen illustriert ist. Ziemlich gleichzeitig damit sind zwei deutsche Hss., 
i) Hier in der Einleitung sind die zuerstgenannten Nummern die Bibliothekssignaluren, die in Klammern gesetzten die Nummern 
unseres Verzeichnisses. 
E) S0 stammt auch die Admonter xMitra des hl. Gebhardw erst aus dff Mitlß dßS XIV. JahrhS. 
1:5:
        

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