Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das deutsche Zimmer der Renaissance
Person:
Hirth, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1021028
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4007552
ENTWICKELUNG 
DER 
FORMEN. 
und Höhe zugleich, an den Haus- und Schrankfacaclen wie im Innern liegt das Prinzip des 
nSchiefrunciena über die Geradlinigkeit der antiken Ordnungen. Dabei doch eine gewilfe groteske 
Regelmäßigkeit, welche die wogenartig fich aufthürmenden Maffeia biindigt und ihrer dekorativen 
Beftimmtmg unterordnet. Es kann gar nicht geläugnet werden, dafs in den Händen genialer 
Meilter  und folche hat es ja atuch in diefer Zeit der Verwilderung gegeben  fogar das bom- 
baltifche Fortiffimo oft fehr geiftreich in Szene gefetzt ward; und wenn wir uns ganz in den 
Geift der Zeit hineindenken, fo begreifen wir das lebhafte lnterelfe, welches unfere Vorfahren in 
der Allongeperrücke an diefer Art von Architektur und Tektonik hatten. je mehr aber hier das 
Gewicht auf plaltifclae Uebertreibungen gelegt-ward, defto fchwieriger mufste die Stellung des 
Orrmnzuntrzcwrkrs werden, welches denn auch zuniichfi eine fehr traurige Rolle fpielte und erPt nach 
und nach eine gewiffe Höhe {tilvoller Harmonie mit dem Struktiven erreichte. Denn der fchöne, 
etirythmifche Ornamentfchatz der früheren Zeiten pafste ganz und gar nicht mehr hierher; in der 
Verlegenheit nahm man feine Zuflucht zu jenen unfchönen, manierirten Wulßen, welche wir mit 
dem Namen des vOhrRVafChlftilsa zufammenfaffen, weil iie die wurmartig rundlichen Formen des 
mcnfchlichen Ohres auf das Rahmenwerk übertrugen. Auch die Fratzen, Mufcheln, Feftons etc. 
jener Zeit haben den Charakter des Gekneteten. 
das Ornamentwverk in den Händen franzöflfcher 
gantere Durchbildung und entwickelte ftch bei 
Erit zu Ende des I7. Jahrhunderts erhielt auch 
Dekorateure an der Svitze ran Benzin, eine ele- 
, l 
gleichzeitiger Verfeinerung des Struktiven zum
        

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