Bauhaus-Universität Weimar

Charles I-Ioguet 
(geb. 182l in Berlin, gest. 1870 daselbst) 
Wa1dIandschaft 
sch1esisd:1es Museum der bildender: Künste 
Zu B:-eslau 
789 
Zu der zahlreichen Schar von Berliner Künstlern, die um die Mitte des vorigen 
Jahrhunderts den Weg nach Paris einschlugen, um ihrer Kunst dort den letzten technischen 
Schlisf angedeihen zu lassen, gehörte auch Charles Hoguet. Freilich war"s bei ihm eine Art 
Heimkehr, denn, wie schon sein Namen vermuten läßt, entstammte der Künstler einer an 
der Spree seßhaft gewordenen Emigrantenfamilie. Sein Vater betrieb daselbst den echt fran- 
zösischen Beruf eines BalIetmeisters. Die Heimat seiner Vorfahren wurde auch Hognets 
zweites künstlerisches Vaterland nnd viel Gutes in seiner Kunst dankt er seinem Meister 
Eugöne Jsabey. Jm Atelier des berühmten Pariser Malers traf er wieder mit seinem 
Jngendfreunde Eduard Hildebrandt zusammen, mit dem er schon als Knabe gemeinsam 
seine ersten Studien in Berlin bei Wilhelm Krause getrieben hatte. Das alles wurde be- 
stimmend für die Wege, die Hognet einschlug. Als Schüler und Genosse dreier tüchtiger 
Marine- und Landsd)aftsmaler hat auch er dieses Knnstgebiet zu dem seinigen gemacht 
Am denkwürdigen Ig. März des Jahres II-s-8 kehrte Hoguet in das vom Revolutionstaumel 
erfaste Berlin zurück. Hier spielte sich sein weiteres, still zurückgezogenes Dasein ab und 
er bildete bald eine wohlbekannte und geachtete Erscheinung in der damaligen Berliner 
Künstler-schaft. Hoguet hat nicht so viel von der Welt gesehen, wie sein weitgereister Freund 
Hildebrandt, aber er hat von seinen jährlich unternommenen Studienfahrten eine reiche Aus- 
beute heimgebracht, zum großen Teil aus Frankreich und Belgien. Es sind anspruchslose 
Gegenden, Haide und Waldrand, Dünengelände, Windmühlenhügel und stille Dorfstraßen, 
und dann freilich das Meer. Alles schlicht gesehen, aber groß und doch innig dargestellt. 
Diese Landschaften zeugen von einer glücklichen Begabung, das Bildmäßige in der Natur 
zu entdecken und von einem Streben nach ehrlichem Realismus; sie sind frei von jeder klein- 
lieben Gefallsüchtelei und Trivialität. Dem breiten, sicheren, slächigen Vortrag nnd dem 
knltivierten Kolorit merkt man die gute Pariser Schule an. Die Breslauer ,,Waldlandschaft" 
entstand im Jahre x85-s und manches, weniger in der Durchführung, als in der Wahl des 
Motivs, erinnert an die um diese Zeit zur Anerkennung gelangenden Meister von Bat-bizon. 
Vor prachtvollen Buchen und Eichen, wahren Baumbildnissen, weiden einige Kühe. Daneben 
sieht man, wie gefälIte Bäume zu Brettern geschnitten werden. Der Hintergrund gibt einen 
Ausblick in die Ebene unter leuchtend blauem Himmel. Übrigens ist mit der Landschaft 
und Mai-ine das Stosfgebiet Hognets nicht erschöpft. Als Architekturmaler ist er besonders 
reizvoll nnd seine kleinen Ansichten verkastelter alter Gassen und Häuser, etwa ans französi- 
schen Provinzsiädten, erinnern an die feinsten Spigwegs. Ebenso geschätzt waren seine Still- 
leben und Küchenstücke. Mit dieser Vielseitigkeit muß der Maler eine fabelhafte Leichtigkeit 
des Schaffens verbunden haben. Nach einem im Jahre J849 von ihm begonnenen Verzeichnis 
hat er, neben mancherlei anderen kleineren Arbeiten, in den legten W Jahren seines Lebens 
nicht weniger als 4-2.2- Olgemälde vollendet. Und, was vielleicht noch wunderbarer ist, auch 
verkauft, denn seine Arbeiten gingen gut und außer der unkontrollierbaren Masse, die im 
Privatbesit3 verschwunden ist, begegnen wir Hoguets Bildern heute in sehr vielen größeren 
Galerien des Jn- und Auslandes. Art!-up tlindner (Breslau)
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.