Bauhaus-Universität Weimar

München, den  4. 89. 
. . . Ich habe in diesen Tagen mit dem Grafen Rantzau bezüglich des Bismarck 
Bildes Rücksprache genommen. Er ist ietzt in Berlin und wird sehn, was er 
thun kann. Er meint, daß es wohl kaum möglich sein wird, den Fürsten zu 
einer wirklichen Sitzung zu bewegen. Lenbad9 habe ihn zuerß auf Kaiserlichen 
Befehl für die Nat. Gallerie gemalt, daraus habe sich dann weiter eine Bekannt- 
schaft entsponnen. Einem zweiten würde es wohl kaum so glüEen, indessen will 
er zusehn, was er thun kann. Er meint, ich solle ihn einfach im Thiergarten ab- 
pasfen, wenn er da reitet, und mir ihn ansehn, oder mit Momentapparat auf- 
nehmen. Das ist nun allerdings das Einfachste, und werde ich also wohl in der 
ersten Hälfte Mai für ein par Tage nach Berlin kommen und sehn, was sich 
thun läßt. Uniform kann ich von ihm bekommen, vielleicht also auch seine Be- 
kanntschaft machen. Das würde nun alles zu der geplanten Sache genügen. Ich 
möchte Ihnen nun heute den Vorschlag machen, für alle Fälle, da der Fürst ge- 
rade in diesen Tagen im Thiergarten zu reiten scheint, einem besonders geschickten 
Momentphotographen den Auftrag zu geben, soviel Ausnahmen beim Vorbeireiten 
des Fürsten zu machen, als er bekommen kann. Mit diesen kleinen Knopflod;- 
apparaten kann er es ja in durchaus unauffälliger Weise thun. Ich würde mir 
auch so einen Mann mitnehmen müssen, da ich keine Uebung habe. Ich möchte 
nur vorher gern das Kinderstubenbild vollenden, ehe ich nach Berlin komme, deshalb 
bitte ich Sie, immer einige Ausnahmen machen zu lassen. So viele als der Photo- 
graph irgend bekommen kann, auf den Straßen und im Thiergarten. Ich werde 
nun zunächst Rantzaus Rückkehr von Berlin abwarten . . . Von der hl. Nacht 
höre ich setzt von Paris, daß sie den Iuroren im Salon besonders imponirt haben 
soll. Das Abendmahl scheint auch in der T-Veltausstellung einen guten Rang zu 
behaupten. 
Dachau, den Z. Juli 89. 
Bestens danke ich Ihnen für Ihre werthen Zeilen und freundlichen Glückwünsche. 
Eine Bestätigung meiner Medaille in Paris habe ich noch nicht erhalten, da erst 
nach Zuertheilung sämmtlicher Auszeichnungen eine ofsizielle Bestätigung erfolgen 
soll . . . Jedenfalls wäre es eine schöne Sache, die doch wohl auch in Deutsch- 
land einigen Eindruck machen dürfte. 
. . . Das zweite Bild, das ursprünglich mit zum Salon gesandt war, befindet 
sich in der WeltaussteUung. 
Mein Leipziger Bild, das mit in unserer Jahresausstellung ist, steht famos aus, 
es ist sammerschade, daß ich dieses s. Z. für good M. weggegeben habe. In der 
Farbe steht es sehr gut aus. Ich muß bald wieder so ein großes Bild bringen. 
Der Kinderstube habe ich noch nicht beizukommen vermocht, vorläufig sehe ich 
in derselben nichts Neues. Ich male sie Ihnen aber noch, und auch irgend 
was Anderes von hier. Lange will ich nicht hierbleiben, ich bin diesmal kein so 
begeisterter Pleinairist, wie letztes Jahr. Ietzt beginnen nun in Müncl)en schon 
die blödsinnigen Kritiken, obgleich alles Gute nur der modernen Richtung ange- 
hört, schreibt man doch wieder zur größeren Ehre der Akademie und ihrer Ver-
        

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