Bauhaus-Universität Weimar

Ein tragisches Schicksal, wie es diese bedeutende Persönlichkeit und dieses 
reiche Talent in einem Alter brach, wo andere anfangen, auf den Fundamenten 
ein Werk zu errichten, kommt nicht unvorbereitet. Stauffer-Bern war offenbar 
von väterlicher Seite erblich schwer belastet. Schon der Knabe machte durch 
sein sprunghastes und stürmisches Temperament den Eltern und Lehrern viel 
zu schaffen. Später verbiß er sich mit einer beängstigenden Leidenschaftlichkeit 
in die Arbeit. Aber noch waren die Probleme der Malerei längst nicht erschöpft, 
ja eben erst hatte er in Paris (J882- und 85) die modernen Franzosen kennen 
und bewundern gelernt, da warf er sich seit Z883J84- mit einer Ausschließlich- 
keit auf die Graphik, als sei es seine einzige Ausgabe, ein vollendeter Radierer 
zu werden. Ähnlich vollzog sich um J887 sein Übergang zur Plastik. Man 
hat das Gefühl, als habe er sein frühes Ende geahnt und in aller Eile ver- 
suchen wollen, in jeder Kunstgattung eine gewisse Vor-tresflichkeit zu erlangen. 
Seine Universalität ist wie die Klingers nur eine scheinbare. Er ist vielmehr 
ganz einseitig begabt, und zwar mit einer aus-Iergewöhnlichen Empfindlichkeit für 
die Reize der Form. Er ist als Maler, indem er ,,mit Farbe zeichnet", aufs 
eifrigste und mit peinli(hem Fleiß bestrebt, auch die kleinste Form genau wieder- 
zugeben. Man begreift, wie sehr ihm die Grabstichelarbeit oder die Radierung 
liegen mußte, und wenn er Plastiker wurde, so geschah es nur deshalb, weil er 
hier mit allen Mitteln einer imitativen Technik seiner Leidenschaft für das Drei- 
dimeniionale nachgehen konnte. Es ist in der Tat ein erlesener Genuß, besonders 
in Stausfers Graphik diese feinsten Disferenzierungen der Form mit dem Auge 
abzutasten. Man fühlt all die verfeinerte Sinnlichkeit mit, die den Künstler 
beim Zeichnen beherrschte. Er ging manchmal bis hart an jene Grenze, wo die 
Gewissenhaftigkeit in der Wiedergabe der Form ein künstlerischer Fehler wird, 
besonders als Maler. Solche Bilder wie der Christus des Baseler Museums 
End totgearbeitet. Wenn dieses Porträt Gustav Freytags vom Jahre J880, das 
sich ebenfalls im Baseler Museum befindet, eine mehr lockere und teilweise fast 
impressionistische Malerei aufweist, so ist zu bedenken, daß Stauffer selbst das 
Bild nur als Studie betrachtete. Das eigentliche und fertige Porträt stammt 
aus dem folgenden Jahr und hängt in der Berliner Nationalgalerie. 
Ewald Bruder
        

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