Bauhaus-Universität Weimar

Hans Thom-! 
(gib.1839 zu Be:-non i. schw.. lebt in Karlsruhe) 
Paradies 
   
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unter Thomas zahlreichen Darstellungen biblischen Charakters findet sich wohl ein 
Dutzend über das Thema vom Paradies. Sowohl diese große Zahl, wie die ausgesprochene 
Vk1's(hiedenheit und auch der Zeitraum, in dem diese Werke entstanden sind, zeigen, wie tief- 
gehend das Problem der Darstellung und Jneinsbildung von Mensch und Natur in ihrer 
unberührten Urtümlichkeit den Meister beschäftigte, und wie oft er immer wieder neue Lösungen 
dafür suchte und fand. Thomas Schaffen ist immer unter-strömt von dem großen kosmischen 
Gefühl des ungebrochenen Zusammenhangs und der Einheit alles Seienden. Das bildnerische 
Problem verlangte feierlich keusche Darstellung von Mensch und Prächtiger Natur als Symbol 
Unschuldvoller Gottesnähe. Unser Werk (vom Jahr I901) ist gewissermaßen die Zusammen- 
fassung der vorausgegangenen Lösungen, insofern weder die menschliche Form,  noch die 
Wunder einer Paradiesnatur, weder die bildnerische Ausdrucksform, noch der syn1bolische 
Gehalt des Themas vortviegt, sondern Mensch, Tierheit und Natur zu einer in prarhtvoller 
satbigkeit erst:-ahlenden Harmonie und Einheit, bei aller symbolischen Vieldeutigkeit, zusammen- 
fkhmelzen. Thoma folgt in dieser Paradies-Darstellung fast wörtlich der biblischen Schilderung 
im J. Buche Mosis (2. Kap. Vers 8-25). Aber als wahrer Künstler setzt er des Wortes 
wesenlose Abstraktionen in plastisch gestaltenvolle Anschaulichkeit um. Es gibt für ihn kein 
-,körperloses Wort--. Alles wird ihm zum Bild.  Im wesentlichen ist unser Bild auf den 
Akkord von grünen, blauen und braunen Tönen gestimmt. Das Grün des blumigen Rasens 
und des Laubwerks wird durch warme Lichter und kühle Schatten variiert, während die 
warmen Töne der Leiber von Menschen und Tieren mit dem kühlen Blau der Luft und des 
Wassers kontrastiert werden. Aus dem vielmaschigen Netz dieses farbigen Gewebes, das den 
Blick in lebendiger Bewegung über das Bild führt, bauen sich auf der sicher beherrschten 
linearen Kompoätion mittels der stark betonten senkrechten und tvagrechten Elemente die 
feietlithe sestigkeit und die ungemein starke Raumwirkung auf. Die stillebenmäßige Eindring- 
lichkeit, mit der des Pfauen male:-ische Pracht dem locker und lustig behandelten Gezweig 
TM Uferbäume, das detailIierte Laub und die srüchte des -Baumes der Erkenntnis" der 
einheitlichen Wiesensläche gegenübergestellt sind, das ergibt an sich einen Reichtum an bild- 
M1"ki"ther Kraft und Ausdrucksfähigkeit. Er wird noch verstärkt durch die symbolische Be- 
deutung der formalen Elemente: den stolzen und hochmütigen Pfau im Geäst des Baumes 
Und den I)armlos wohlig sich wälzenden Tiger zu süßen des Menschenpaares, das passive 
des Adam gegenüber dem Aktiven der Eva u. s. f.  Man würde kaum fehlgehen, wenn 
WW W diesem Werke eine Synthese sähe, in der die eigenwüchst"gste und urtümlichste Begabung 
Thomas mit den Kunstprinzipien sich durchdringt, wie sie besonders durch Hans von Mars-es 
wieder betont wurden. Thoma hat sich mit dieses Meisters Kreis sowohl in Italien- wie 
auch in Frankfurt berührt, so daß hier von einem künstlerischem Erlebnis und seiner Aus- 
PVäSUU9" gesprochen werden kann. Ein echtes Kunstwerk ist aber etwas Jrrationales, Un- 
CU8MIßbares. Es ist zum Symbol gewandelte Natur, voll inneren und äußeren Reichtums, 
voller Unmittelbarkeiten und voller Geheimnisse. Die beglückende Harmonie und Freiheit ihn! 
EI'I"(hSivUng liegt nicht so sehr im Stoff und nicht im Gegenständlichen, sondern in der Fähigkeit 
der M M) tUhenden Seelenkräfte, das sinnenfällig Schöne als ein bedeutungsvolles Symbol 
des EWiIM ZU empfangen. J. A. Beringer (Mannbeitn)
        

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