Bauhaus-Universität Weimar

Fritz A. Pfuhle 
(gcb. 1878 in Berlin, lebt in Davzig) 
Die Mutter 
Köln, WaUraf-Ri(hartz-Museum 
745 
Wie das Thema Mutterliebe zu allen Zeiten eines der schönsten und reizvollsten der 
küI1fkIekks(l)en Betätigung gewesen ist, so hat es sich auch bis in unsere Tage hinein seine be- 
geisternde Besonderheit erhalten. Durch die ganze Kunstgeschichte hindurch zieht sich wie ein 
ewig schöner Klang das Lied von der Mutterliel-e und wie einst in den Tagen der Renaissance 
die größten Meister, vor deren Werken wir heute bewundernd stehen, sich nicht genug tun 
konnten in der Verherrlichung dieses edelsten und tausendfach besungenen Gefühles, auf dem 
Mk) die ganze Menschheitsgeschichte aufbaut, so haben, man möchte sagen, Gottlob, auch noch 
jüngere Künstler immer wieder den einzigartigen Zauber empfunden, der in ihm enthalten 
Tit.  Zu den reizvollsten Schöpfungen, die die moderne Kunst der legten Jahre in diesem 
Sinne hervorgebracht haben, gehört neben der schönen formedlen Plastik Arbeitermutter des 
Berliner Bildhauers Engelmann ohne Zweifel unser Bild Mutterliebe des jungen und erfolg- 
reichen Male!-s sing A. Pfuhle. Den Namen dieses Künstlers nicht gekannt zu haben, darf 
SOWkß nicht als Manto kunstgeschichtlicher Beschlagenheit angesehen werden. Dazu mag er 
noch zu jung sein. Sicher aber wird dieses Bild, das jegt zu den schönsten Stücken des 
WsUt'sf-Richarg-Museums in Köln gehört, und nun, in so überaus gut gelungener Weise 
reproduziert, weitesten Kreisen bekannt wird, geeignet sein, den Namen seines Schöpfers in 
das Gedächtnis vieler zu prägen, die neben einer guten Malerei vom Kunstwerk vor allem 
auch einen seelischen Gehalt wünschen. Nun und wenn die Vereinigung beider Eigenschaften 
in so überaus glücklicher Weise geschieht, wie es hier der sall ist, dann darf man wohl 
sagen, daß es noch lange nicht schlimm steht um die deutsche Kunst und daß trog allem 
Pakt pour Pakt-Geschrei, trog suturismus und Kubismus doch noch immer wieder Künstler 
zu finden sind, die auch in der modernen sarbensprache die hohen Werte menschlicher Gefühle 
und seelischen Erlebens auszudrücken wissen. Daß Pfuhle bei dem ersten Repräsentanten 
der Dresdner Kunst Gotthard Kühl studiert hat, kann man aus diesem Werke gewiß nicht 
ersehen. srüher, da war er der begeisterte Kühl-Schüler und suchte in dem glänzenden 
Impressionismus des Meisters das Heil zu finden. Aber bald kam die Erkenntnis, daß 
Malen eben doch auch Gefühlssache sei, und so ging Pfuhle zu dem ihm innerlich ungleich 
mehr verwandten Karl Banger, um hier die Wege zu finden, die ihn zu dem führen sollten, 
Was ihm vorschwebte. Nun und die treffliche Eigenschaft Bangers als Lehrer hat sich auch 
hier bewährt. Schon in den ersten Arbeiten, die Pfuhle unter der Leitung des Meisters 
ausstelIte, zeigte sich, wie ungleich mehr ihm die gehaltvolIe und von freudiger Lebens- 
bejahung und Jnnerlichkeit erfüllte Art Bangers lag, als die blendende, bravouröse Malerei 
eines der größten Jmpressionisten, den wir in Deutschland haben. Unter Arthur Kampfs 
temperamentvoller sührung hat Pfuhle sich dann in Berlin weiter gebildet und, wie es 
unser Bild eindrucksvoller als irgend ein anderes seiner Werke beweist, zu jener absoluten 
Selbständigkeit erhoben, die wir auch heute noch als das Charakter-istikum jeder künstlerischen 
Individualität nicht missen mögen. Eine sichere zeichnet-ische Grundlage und dazu ein selten 
hochkultiviertes Fa:-benempsinden, sie geben allem, was er schafft, die Grundnote und He 
I)aben neben der freudigen Zustimmung, die seine Bilder beim Publikum fanden, ihm auch 
k11f0nderheit die hohe Achtung der Künstler eingetragen. Und die wird ihm, wenn sich die 
Entwicklung in gleichem Maße vollzieht, wie es dieses Bild Mutterliebe, das fein Mike? 
voller Wurf war, erwarten läßt, auch fernerhin sicher sein. Akt;-up Do!-sey Stuttgart)
        

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