Bauhaus-Universität Weimar

Lawton S. Parker 
(geb. l868 in Fai1-Held, Mjd1., lebt in Paris) 
Frühstück im Garten 
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I-Inter den amerikanischen Malern der Gegenwart gibt es nicht viele, die in ihren Bildern 
der Freude an der bunten satt-enpracht des Alltagslebens Ausdruck geben. Meisiens streben sie 
eher nach ausgeglichener sarbenharmonie im Sinne der Whistlerschen ,,Symphonien" oder nach 
dekorativen Wirkungen, wo die sarbe mit der Zeichnung Zand in Hand geht. Lawton S. Parker 
gehört zu den wenigen, die ihrer sarbenfreude uneingeschränkt Ausdruck geben. Er ist vornehmlich 
als Porträkist tätig, doch haben seine Bildnisse stets genrehafte Aufmachung. Parker, der am 
7. August 1868 in sairfield, Michigan, geboren wurde, studierte, wie die meisten amerikanischen 
Künstler in Paris, wo er trog seines Studiums an der Ecole des Beaur Arts nicht viel vom 
offiziellen akademischen Geist in sich aufnahm. J8g2. wurde er an die St. Louis School of sine 
Arts als Professor der Malerei berufen, welche Stellung er schon x89Z aufgab, um nach Beloit 
zu gehen, wo er Vorstand der Kunstabteilung an der ColIege wurde. x8g8-J8gg war er in New 
York tätig und zwar als Direktor der New York School of Art, einer der angesehensten Privat- 
schulen der Metropole. x900 war er in Paris Direktor der Parker Academy, einer haupt- 
sächlich von Amerikamern besuchten Kunikschule, um dann x902 nach Chicago berufen zu werden. 
In letzterer Stadt ist er seither tätig, freilich mit Unterbrechungen, indem der Künstler häufig in 
Paris weilt. J902. wurde er Professor an dem Chicago Art Institute und seit Jg03 ist er Präsident 
der Chicago Academy of sine Arts. Parker hat es verstanden, die Herzen der Chicagoer mit 
einer Reihe von Bildnissen aus den besten GeselIschaftskreisen zu erobern. Er gilt in Chicago als 
der Po:-trätist der Millionäre. Er besitzt mehrere Auszeichnungen, die er im Pariser Salon, sowie 
auf den internationalen KunstausstelIungen in St. Louis, München, Pittsburg (Carnegie Institution) 
usw. eingeholt hat.  Während Parker früher doch noch in einer etwas konventionelleren Art 
gemalt hat, huldigt er in dem hier zur farbigen Wiedergabe gelangenden -Frühstück im Gar-ten" 
einem absolut freien, rein koloristisch-malerischem Stile. Besonders der weißgedeckte Tisch mit dem 
leuchtenden Geschirr und den bunten Früchten hat dem Meister die Gelegenheit geboten, seiner 
sarbenfreudigkeit freien Lauf zu lassen. Dann aber bedeuteten auch die unendlich verschiedenen 
Schattierungen von Grün im Laubwerk einen dankbaren Gegenstand. Das diskret hingeworfene 
Rot erhöht schließlich noch die leuchtende Pracht des Bildes. Die breiten sarbenflächen sind kräftig 
hingesetzt, sie zeigen das heitere Spiel der Sonnenstrahlen mit dem buntfarbigen Inhalt des 
Gar-tenausschnittes. Aber auch die Komposition verrät die Hand eines gewiegten Meisters. Die 
junge Dame sitzt ungezwungen, als gehöre sie dorthin, in der rechten Seite des Bildes, während 
die Blumen, das Brett mit dem weißen Krug und dem blanken Glase und die Früchte links das 
Gegengewicht bedeuten. Das Ganze wird vom bunten Laube wie von einem natürlichen Rahmen 
umgeben und im Hinter-grund erblickt man die von der Sonne bestrahlte Gartenwiese. Das Bild 
ist freudig und gesund, wie ein heiterer srühlingsmorgen. Was das Detail betrifft- so wird man 
nicht verfehlen zu beobachten, daß, obwohl Parker das Einzelne durchaus der Gesamtl)eIt Umst- 
ordnet und und keineswegs feinmalerische Effekte erstrebt, er dennoch das Mater-ielle der von ihm ge- 
malten Gegenstände getreu und mit viel Delikatesse charakterisiert. Das Parker-stbt Bild '-Mk VII sUf 
der großen internationalen KunstausskelIung in Rom zu sehen- MS Es ishr V0MUVafk aUfiI9f-Zum M- 
M. Bernath (Leipzig)
        

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