Bauhaus-Universität Weimar

Ungefähr zur nämlichen Zeit gab England den gotischen Stil auf, um einem 
   
Im Jahke s8gZ hatte die Bewegung Belgien gewonnen und zeigte sich auf der 
Ausstellung der Libre E-sth6tique, um von da nach Deutschland überzugreifen 
und über Darmstadt und NIünchen das ganze Land zu erobern. Endlich brachte 
Wzen die Bewegung nach Osterreich, und etwa im Jahre x897 war ganz Mittel- 
enk0pa für die neuen Bestrebungen im Kunsthandwerk gewonnen. 
Im Gzgensntze zu allen andern Ländern fanden die Neuerer in Frankreich nicht 
die geringste Unterstützung oder Ermutigung beim Staate oder bei den städtischen 
Verwaltungen; sie wurden ganz im Gegenteile von den Fabrikanten heftig bekämpft, 
und die vereinzelte Ermutigung, die sie bei privaten fanden, war ungenügend, um 
der Entwickelung der Wien Bewegung eine wirksame Lebenskraft zu verleihen. 
Im Jahre x896 brachten einige Architekten, die lohnender Aufträge entbehrten, 
den sogenannten Maccaronistil nach Frankreich, wie er damals in allen benach- 
barten Ländern seine Orgien feierte; diese Jmportation diente nur dazu, die vor 
einigen Jahren begonnene Bewegung im Kunstgewerbe schneller zum Falle zu 
bringen, und dieser Fall zeigte sich eklatant und unleugbar auf der WeltaussteUung 
des Jahres x900, wo die wenigen vereinzelten Bemühungen der modernen fran- 
zösischen Kunsthandwerker in dem Ozean der Fabrikerzeugnisse ersäuft wurden. 
Die WeltaussteUung vom Jahre I900 war der Triumph des Maccaronistils, 
eines Stiles, der von der Anschauung ausgeht, daß die Kunst überhaupt nur durch 
die Linie existiert, und der eine Reihe von Werken hervorbrachte, bei denen die 
Materie vollständig vernachlässigt und verkannt ist, also daß das Holz die Gestalt 
von Schmiedeeisen annimmt und umgekehrt usw. 
Aber auf der nämlichen Ausstellung überraschte uns Deutschland durch die 
Betätigung des festen Willens, einen neuen kunstgewerblichen Stil zu suchen. 
Eine der -Zauptursachet1 des in Deutschland im Kunstgewerbe erzielten Fort- 
schritte ist die Wiederherstellung der Arbeit, die daselbst durch den obligatorischen 
gewerblichen Unterricht erreicht worden ist. Deutschland besitzt heute die Hand- 
werker, die imstande sind, die Ideen der Künstler auszuführen, und das gibt diesem 
Lande einen nicht zu leugnenden Vorsprung und Vorteil neben den anderen Nationen, 
um zu einem neuen kunstgewerblichen Stil zu gelangen. Aber man befindet sich 
dort noch mitten in der Entwickelung, was man leicht steht, sobald man sich um 
einige Jahre zurückbegibt, etwa nach München. Die deutschen Künstler wollten von 
ganz einfachen Formen beginnen, und daraus hat sich eine Schwerfälligkeit ergeben, 
wovon sie ihre Arbeiten bisher nicht haben befreien können. Auch haben sie ietzt 
das Ensemble aufgegeben, um einzelne Gegenstände zu schaffen, aber diese Be- 
mühungen werden keinen Erfolg haben, so lange man sich darauf versteift, den 
modernen Stil in der Dekoration zu suchen. 
In Frankreich würde auch die Unterstützung des Staates dem Kunstgewerbe 
wenig helfen, denn ohne jeden Zweifel wären diese Unterstützungen nicht de"ie"ise" 
Künstlern zuteil geworden, die am besten einer individuellen Kraftäußerung fähig 
sind, sondern vielmehr solchen, die aus Rücksicht auf die Parlamentswahlen bedacht 
werden müßten. 
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