Bauhaus-Universität Weimar

Meister der Farbe. 
sah dabei so komisch aus, daß der ganze Zorn unseres sreundes ver:-auchtes LAÖMd 
sagte er: 
,,Machen Sie, daß Sie fortkommen, und ich will schweigen! Wenn Sie mich Obst' 
noch ein einziges Mal stören und bei der Arbeit aufhalten, denunziere ich Ihr GklÖäfk!" 
Der Händler entfernte sich eilend, und Jgnaz ging wieder an die Arbeit. 
Aber es wollte nicht mehr ordentlich gehen, und nach einer halben Stunde machte et' 
Schluß, verließ das Museum, vor dessen Eingang er den Händler erblickte, der Mk bei seinem 
Erscheinen schnell auf die Seite drückte, und schlenderte den Promenadenweg l)MUUte1'- Ohne 
ZU Willen- was er eigentlich mit seiner Zeit anfangen solle. Plötzlich fiel ihm ein- das IV 
schon seit einiger Zeit die Absicht hatte, die Zelle und den Friedhof des heiligen Isidro auf- 
zusuchen. Denn als er nach Madrid gekommen war, hatte jedermann von dem seste des 
I)ekIlgM JsI"dt0 erzählt, das gerade vorüber war, und bedauert, daß et Nicht f1'Ü!)e1' gekommen 
sei, um an diesem wunderbarsten aller Feste teilnehmen ZU köM1Ms Dabei hatte er zum 
ersten Male den Namen des Sehn!-P-Uk0US de? spsMisThM Hauptstadt vernommen. Das 
ist du- heilige Ifidx-o Labrador, der Bauer-smann Isidro- der ein so frommer Mann war, daß 
er über dem Beten die Arbeit vergaß- Was aber in jenen glücklichen Zeiten nichts ZU sellM 
hatte, fintemalen die Engel vom Himmel kamen und die pflügenden Ochsen Antrieben- bis 
der Heilige mit Beten fertig geworden war. Auch eine wunderbare Heilquelle, die gewisser- 
maßen zu den unentbehrlichen RequiKten eines Heiligen, wie er sein soll, gehört, hat Jsidx-O 
hivteklassM- Und dieses Wasser hat seinerzeit keine Geringeren als Karl V. und seinen Sohn 
Philipp II. von einem bösartigen siebet- geheilt. Aus diesem AUleß stiftete die Königin 
Jsabella, die Gattin und Mutter der beiden genannten Potentaten, die Kapelle, die heute-noch 
auf der Pradera steht und den Besuchern des Maifestes als Zenit-alsammelpunkt dient. 
An der Quelle schöpfen die frommen Wallfabrer das treffliche Heilwasfer und tragen 
es sorgfältig nach Hause, wie es die Lourdespilger mit dem nicht minder guten Wasser der 
dortigen Wunderquelle machen. Und dann wenden sie sich auch zu der mit Hacke und 
Schaufel in einer Nische der Kapelle stehenden Statue des braven Heiligen, um von ihm 
Segen zu erflehen. Übrigens hat dieser Heilige, wie alle Heiligen in Spanien und Italien, 
nicht nur gute Tage: wenn es zur Zeit feines seßes regnet, also daß die Madrider daheim 
bleiben und die Budiker nichts verdienen, rotten sich die enttäuschren Händler zusammen wie 
die Napolitanek, wenn das Blut des heiligen I-Inn-Eins nicht fließen wills Um den ekMM 
Isidro gegen die Wut der Händler zu schützen, wird dann die Nische des Heiligen mit einem 
starken ttisengitter abgesperrt, weil andernfalls die entrüsteten Geschäftsleute den braven 
Bauersmann, den sie für den Anstifter ihres geschäftlichen Unglücks halten, verstümmelt; 
oder gar gänzlich vernichten würden. 
Jgnaz hatte den Stadtplan beschaut und entdeckt, daß er einen gehörigen Marsch bis 
zur Jsidrokapelle machen müsse, was bei dieser greulichen Hitze gerade kein Vergnügen war. 
Also erinnerte er sich seiner Million und winkte den ersten ledigen Wagen, dessen er ansichtig 
wurde, herbei. 
Sowie der Wagen die Stadt verlassen hatte und an den ManzcMcU'eB kam- schaute 
Jgnaz sich entzückt um, denn das war die echte Landschaft aus Don Quijote. Schön aller- 
dings ist anders, aber Charakter hat diese spanische Landschaft mit dem ausgedörrten, in 
der Sonne glühenden Boden, den nur vereinzelt sichtbar werdenden verstaubten Oliven oder 
Z;-preisen, den völlig ausgetrockneten, unendlich breiten Sandbetten der Flüsse. Vom Man- 
zanares war kein Tropfen zu sehen, dahingegen zeigten Trillionen von Trillionen gelber 
Sandkörner seinen Lauf an. An der Kapelle stieg Jgnaz ab, beschaute das Heiligtum und 
wandte sich dann zu dem anstoßenden sriedhofe. Aber auch da war nicht viel zu sehen, 
und das Beste war immer noch der Blick auf die Stadt, die auf dem hohen jenseitigen Ufer 
des Manzanares ihre weiß leuchtenden Häuser zeigt. Der königliche Palast sieht von hier 
wirklich außerordentlich schön und imposant aus, und die ganze Stadt macht einen großen und 
hauptstädtischen Eindruck.
        

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