Bauhaus-Universität Weimar

Der Sonderbund. 
Beikmhe das einzige sigurenbild ist Otto von Wätjens ,,Caprice". Pariser-iskk,, sehr 
p-;kjsekiseh ist das Modell, rein-französisch auch die Malerei. Der Künstler lebt in pm.zz 
und hat jedenfalls ein starkes koloristisches Empfinden; in die Heimat zurückgekehrt, kznme 
er befruchtend wirken. Ich vergesse: in Düsseldorf ist man so stolz darauf, weit, weit abseits 
vom internationalen Kunstgetriebe zu sein. (Man fängt erst jetzt ganz allmählich an, ein- 
zusehen, daß die große Bewegung des Impressionismus mehr als eine ,,Mode" war, gegen 
die sich so stolze Werdandibund-Phrasen ans den Redaktionsfensiern schleudern ließen . .  
Die Landschaften Opheys, des Benjamins des Kreises, hat man zu Signae und SeUt-It 
gehängt, sie behaupten sich gar nicht übel dort. Ophey ist freilich U(-eh mehr Vekk)eTsUIIg 
als Erfüllung. 
Ernst te Peerdt ist eine Ausgrabung. Nur für antiquarische Interessenten? Man muß 
Ich in diese stillen staubgrünen Landschaften aus sranken und vom Niederrhein hineinsehen, 
um ihren Wert zu empfinden. Ich war Zuerst geneigt- Dr- NieMk7e"- d",sich Mit Energie 
für diesen halbvergefsenen Sechziger eingesetzt und seine Vertretung in.diesem Kreise ver- 
anlaßt hat- unrecht zu geben- mir schien so manches in te peerdts Bildern unpersonl1ch, 
met, ghgesUngenkk Me[0die, Aber, so fatal heute das Bemühen mancher Kunstforderer be- 
rühren mag, mit Gewalt unserer Bewunderung neue Objekte IZUfZU3iWI11gM- Mk? 1ft Mit 
scharfem Blick und gerechter Abwägung die Aufmerksamkeit auf einen in' der Tat zu Unrecht 
verkannten Düsseldorfer gelenkt worden, den gerade die äussere EVf0cgI0f1gkeit davor bewahrt 
hat, aus seiner Kunst einen Fa!-rikbetrieb zu machen. Te PeeI'dt hist die Liebe zu seinem 
Stoff. Mit Zärtlichkeit sind alle diese sehr intimen NaturschildekIMgen- denen ein ganz leiser 
Hauch von Romantik beigemischt ist, in eine fast gesegmäßige 80tM SEbMc)t- Manches er- 
innert in der breiten saftigen Malweife und dem ruhigen Ausklingen eines gedampften Grün 
an den frühen Trübner. Dann aber zeigt der Künstler noch eine ganze Reihe von Bleistift- 
zeichnungen, die überraschenderweife ein ausgeprägt plaftisches Empfinden beweisen, Skizzen 
zu antikisierenden Relieffriesen, so formschön tmd von so naiver Erfindungskraft, daß man 
ihre Ausführung in edlem Marmor wünschen möchte. Anderes ist von bizarrer Phantastik, 
etwas sonderlingsmäßig. Echt-monumental im Ausdruck die bedeutende Zeichnung ,,Der 
verlorene Sohn". 
Christian Rohlfs in Hagen schickte vier Motive aus Soest in seiner bekannten etwas 
grobsträhnigen Art und dazu zwei prachtvolle Handstickereien, von denen besonders die beiden 
Vögel in Gelb und Weiß (das gelbste Gelb, das weißeste Weiß) einen sehr glücklichen Wurf 
bedeuten. Was für ein Jünglingstemperament, dieser Rohlfs, der kürzlich, man glaubt es 
k-7UM- fein fechzigstes Lebensjahr zurückgelegt hat! 
Als!-ed Sohn-Rethels Zeichnungen aus Paris bringen in die kleine Ausstellung eine 
U10Ud-TM Note; sein Bruder Otto gibt ein nieder-rheinisches oder holländisches Ehepaar ,,socke 
und staut- mit altmeisterlicher Eindringlichkeit. 
Bosselt- beinahe der einzige Plastiker, den Düsseldorf aufzuweisen hat, hält sich etwas 
zurück; die Medaillen f1"71d bereits bkkaM1t- neu war mir der Tot-so eines jungen Weibes 
von meisterlicher Modellierung, beseelter Sonn. Wenn Bosselt vorhin ein sichrer genannt 
wurde, so liegt diese -;-',ervorhebung auch in seinen persönlichen Eigenschaften begründet, 
hinter allen Werken dieses Künstlers steht eine geistig-bedeutsame Erscheinung, wie sie in 
Düsseldorf, wo ein unbekümmert-handwerkliches Schaffen des Durchschnitts die Wirksamkeit 
genialer Protagonisten zu verdunkeln droht, immer selten waren. Nirgendwo feiert die 
MjmImzßigkeit so leichte Triumphe wie in der rheinischen Kunsthauptstadt! 
Als Architekt gibt sich diesmal Ehmcke, der wie B(-fiel! Ein Lehramt an der Kunst- 
gewerbeschule inne hat, indem et' PI)0k0s1's7PhJM Und. ZkkCkMUUgM des He1"1'et1hauses Neu- 
mühle bei Alt-Ruppin auf die AUSfkeUU"S fc"cEtF" Ein Schrank Mit BUChkUnft und Hand- 
einbänden zeigt den schon V0t1 des! SIEBEL-U" WU"FIkäUM DE? 1'üc)MIi(hft bekannten Buchkünstler 
gez. ,,Jnsel" und des Verlags E. Dteder-ichs.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.