Bauhaus-Universität Weimar

Meister der Farbe. 
mann des Künstlers, der jetzt in Berlin lebende 
Dichter und Schriftsteller 6ermann Z.)eijermani-, 
im ,,Berliner Tagebl." allerlei Persönliche- von 
dem großkn Alten erzählt. ,,Israels," so berichtet 
er, ,,unternimmt erst täglich seinen Spaziergang 
durch den alten .5aagschen ,Bosch", langsam dahin- 
wandelnd, gebeugt, das weiße Haar vom schwarzen 
Schlapphut bedeckt, Schritt vor Schritt, wie es 
scheint in Nachdenken versunken, um sich dann in 
dem Atelier seiner fast gar nicht ,künstlerischen" 
Wohnung einzuschließen. Wenn er im Sommer 
seine Villa in Scheveningen bewohnt, die Villa, 
die ihm von einem Verehrer für sein ganzes Leben 
überlassen wurde, fahrt er noch jeden Tag mit der 
Dampfbahn nach seinem Atelier in den 6aag. Und 
in der Dampfbahn liest er die Bücher, die ihn 
interessieren. Aber die liest er auf seine Manier. 
Er reißt nämlich, bevor er seine Villa verläßt, 
Sk"a" so viel heraus, wie er während der Fahrt 
nötig zu haben glaubt. Seine ganze Bibliothek ist 
auf diese Weise in den Papierkorb gelangt, aber- 
so sagt er selbst: ,Viel wichtige Bücher bin ich auf 
diese Art nicht losgeworden; denn die meisten Bücher 
von heute sind nur eben des 3erreißens Werts Abends 
sitzt er ständig bei seiner Gesellschaftsdame, Fräu- 
lein Keller, zu Hause. Dann hält er erst ein be- 
hagliches Schläfchen, raucht eine Zigarre aus 
einem gläsernen, hermetisd) verschlossenen Behälter, 
(,um sie besonders gut trocken zu halten"), und 
wenn er dann, wie meist, Besuch hat, spielt er 
vergnügt wie ein Kind eine partie Schach, lange 
über die Züge nachsinnend und mit freudig glän- 
zenden 2lugen, wenn er die partie gewinnt. O, 
es ist solch ein Vergnügen, ihn eine partie ge- 
winnen zu lassen! Wie er bei seinem Alter noch 
so besonders widerstandgfähig, noch so stark in 
seiner Arbeit geblieben ist? ,Junger Manns sagt 
er mit seinem prcichtigen Lächeln, ,willst du alt 
werden, dann schaffe gesunde Kunst, eine Kunst, 
die nichts 2lpartes sucht, eine Kunst, die nicht nach 
Sensation strebt, und besonders: kritiiiere niemals 
deine Kollegen, weil alles in der Kunst so verflixt 
schwierig ist, ja, so verteufelt schwierig    arbeite 
ruhig, dann arbeitest du lange und gut.   
Wer in Paris lebt, is! immer und immer wieder 
frappiect, zu beobachten, wie groß in allen Klassen 
des französischen Volkes die Freude an schönen 
Dingen und an Kunstwerken ist. Weder in Deutsch- 
land und England, noch viel weniger in den Ver- 
einigten Staaten kann man etwas Ähnliches konsta- 
tieren, obgleich in diesen L.ändern heutzutage große 
Vermögen leichter, schneller und häufiger zusammen- 
gebracht werden als in Frankreich. spie und da 
gibt es ja auch einmal einen deutschen, englischen 
oder amerikanischen Fabrikanten oder Großkauf- 
mann, der einen Teil seines jährlichen Gewinnes 
für Kunstwerke ausgibt, aber die Regel ist doch, 
daß so ein Mann sich auf die zur ,,standesgemäßen" 
Ausschmückung der Wohnung nötigen Bildnisse und 
Gemalde beschränkt. Besten Falles protegiert die 
Gattin Kunst und Künstler, und der Gatte begnügt 
sich damit, mehr oder weniger leise knurrend die 
gewünschten Gelder herzugeben. Nur äußerst fsItM 
sammelt ein solcher Mann mit wirklicher Liebe Und 
wahrem Verständnis. In FMnkrkith das.-gen ist 
es beinahe die Regel, daß der reiche Mann sich 
auch auf Kunst versteht, aber wirklich und tat- 
fä(hIkO dAMUf Versteht, also daß er nach seinem 
eignen Urteil und Geschmack eine schöne Sammlung 
erwerben kann. Und es sind nicht nur die reishM 
Leute, die das fertigbringen. In Rouen konnte 
man noch vor wenigen Jahren in einem bescheidenen 
Gasthause wohnen, dessen sämtliche Wände mit im- 
pressionistisrhen Bildern behängt waren. An die 
zweihundert Gemälde von Claude Monet, Pissarro, 
Sisley usw. füllten und schmückten das Haus. Der 
Gastwirt legte seine Ersparnisse nicht in Staats- 
oder Industrie;-apieren, sondern in Gewölbes! MI- 
wo gib: es einen solchen G-cskwirt in Deutschland- 
England oder Amerika? Vor vier oder fünf Jahren 
kam die Sammlung eines 2lpothekers unter den 
Hammer. Auch dieser Mann hatte einige hundert 
impressionistische Bilder erworben-zu einer Zeit, 
wo Claude Monet froh war, seine Bilder für hun- 
dert Franken zu verkaufen. Die großen Kaufhaus- 
besitzer Chauchard und Jaluzot haben beide riesig- 
und höchst wertvolle Kunstsammlungen aufgehäuft. 
Als der Zuckers?eder Cronier bankrott machte, er- 
zielten seine Bilder mehr als eine Million, und der 
vor einigen Monaten verstorbene Nudelmüller Grour 
hinterließ eine Gemäldesammlung, die auf 10-20 
Millionen Wert geschätzt wird. Wo sind die deut- 
schen Nudelmüller, die Millionen in Bilder stecken?
        

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