Bauhaus-Universität Weimar

Kein Kapitel des Neuen Testamentes ist in so inerkwürdiger J2lrt.des deiitschen Volkes Eigi-n 
geworden, wie die Erzählung der Evangeliscen von der Geburt Christ! M der We1htm.tbt Und den 
Hirten und Königen aus dem Morgenlande, die da-kamen- um das Kind M1zUk:eT;IJ; dD1egI" Lx8xUde 
bringt Groß und Klein, bringen die Gläubigen und die blngläubigen jene träfe Im; St CI Aue: d":I1;lä1 IS 
entgegen, die das Volk sonst nur für seine bodenwücl)sigen Märchen und .age7r1nä:c;Mköni e um Zur: 
des rätselhaften Ostens sind die Gestalten der drei Konige geworden,  -Geheimnis- 
Wesen der Haiich von kirchlicher und behaglicher Poesie webt- eMeI" Poesie W d F   d" Mk   
voll bleibt ihr Woher und Wohin, sie kommen aus der Nacht der Sage un el)ren'wie er zur' ins 
Dunkel Das Volk weiß nicht viel mehr von ihnen als ihre Namen, es weiß nur,,daß sie Gold, Weihrauch 
Und M7U"k)M bI"i"Sm- daß Wer davon ein Mohr. M Wd,daß ctkkUtSis;:nauf:l: Iä:Mei:aZaikie di:  
weichem stehen blieb. und ges-de das GsW""s,- D-PS sie, M -  -   Z  
 II m die Stimmung der Weihnachtszeit, die von alters 
"ngen des Volkes macht. Sie www so wWdewo'k s sonnen ist eine Zeit die ein verträumtes Warten 
her auf germa"ifchem BodenwnZaUbe-r und Rom-mt1!.)  auf das Wunder-bare" kennzeichnet Sie 
Mk das Fremde Und LiebW"" Gmfel.1ge und wish Z ieiits, an die K:-,iPPe tragen sind eine unendlich 
die dem -U"Me" Kindlein im Stall d1e.SchäBe Es r d man schenkt und überrascht und wiede üb  
liebenswürdige Inkarnation unserer We1h1I-I-MADE FOR- aß      V Us- 
mseh: wird mit dem, was das Herz begehrt. Die Volkspoesie hat in Liedern und Krippenspielen mit 
V4,,-gehe die heiligen Drei behandelt, freund1iche,und uralte Bräuche lassen im Süden, wie im Norden 
die drei Könige mit ihrem Stern aus Goldpapier in Winternächten singend von' Tür zu Tür ziehen, 
die deutsche Malerei, wie die zierliche Plastik der Krippenkunst, hat von jeher die Anbetung der Drei 
mit besonderer Liebe zum Gegenstand genommen. Da versteht es sich von selbst, daß sie auch im Werke 
Fritz von Uhdes ihre Rolle spielt. Unser Bild ist das dritte Dreikönigsbild des Meisters, das in den 
neunziger Jahren dessen Staffelei verließ. Zuerst wurden Z895 ,,Die Könige aus dem Morgenlande" 
fertig, die, aus einein Walde herausreitend, den Wunderitern über Bethlehem erblicken, anbetend und 
beglückt: ,,Da sie aber den Stern sahen, hatten sie eine überaus große 8reude", beruhte: der Evangelist. 
Das Bild hängt künstlerisch mit der um ein Jahr früher entstandenen ,,sliicht nach Agypten" zusammen, 
die uns die slüchtigen auch im Schatten eines deutschen sichienwaldes erscheinen läßt. Bald nach den 
,,Drei Königen zu Pferde", ebenfalls noch Z895, vollendete Uhde ,,Die Weisen aus dem Morgenlande", 
ein n:erkwürdiges Bild, in dem die Szene so mit vermenschlicht ist nach Uhdes damaliger Art, daß alle 
greifbai-en Attribute des Göttlichen und des sremdartigen fehlen. Keine Aureole umglänzt das Haupt 
der Madonna  was sie verklärt, ist nur die Fülle des Sonnenlichts, das in breiten Streifen zum Fenster 
d98 S!-2I1es hereinflutec. Und die Drei tragen keine Zeichen königlicher Macht an sich, keine Pupurmäntcl und 
keine Kronen. Sie kommen in bescheidener, fast ärmlicher, zeitloser Kleidung, drei Menschen des Alltags, 
u.nd. der Alteste sieht einem kUssi"schen Bauern nicht unähnlich. Das Bild hat seinen ganzen Zauber 
einzig durch das Licht. Im Jahre ;.k899 wurde dann unser Bild fertig unter dem Titel ,,Und sie gingen 
in MS H-MS    Und da griff der Künstler doch wieder auf die schöne Tradition zurück. Das Licht 
ist es freilich wieder, das hier den rätselhaften Zauber übt, das spät-liebe Licht einer Stallatet-ne, das 
warm und gliizernd über die Körper und toten Dinge l)uscht und durch seinen Gegensatz mit dem spär- 
Iiehen kalten Tagesschein vom Hintergrunde den farbigen Reichtum der Szene bedingt. Es spielt und 
blinkt auf den Gaben und Gewändern der Könige, hebt die rührende Gestalt der Mutter heraus  
man muss eine zweite Lichtquelle auf der linken Seite annehmen  und blitzt im Winkel auf an den 
g0ldigen Strohhalmen, die es wie geheimnisvolle Schätze schimmern macht. Eine feine Aureole schwebt 
über dem Scheitel unserer lieben srau, die Drei huldigen in altertümlichen Gewändern und der Mohren- 
könig trägt eine Krone. Das Werk ist der tiefsten Jnnigkeit voll, ja es wird in dieser lieblich stillen 
Andacht von nur wenigen der biblischen-Bilder Uhdes erreicht. In der ganzen künstlerischen Arbeit Und 
seiner starken Wahrheit ist es das Meisterwerk, eines modernen Male:-s -F empfunden ist es mit dem 
Gemüt eines der deutsihen O.nattrocentisten, die Wunder matten, weil sie an Wunder noch gI,,U1,km. 
   
        

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