Bauhaus-Universität Weimar

Meister der Farbe. 
worden. Da dieselben dem Herrn Sachse gefielen, so gab er mir den Auftrag, die Altmark 
zu bereisen und die alten Denkmäler zu zeichnen. Ich unternahm die Reise mit meinem 
Freunde Strack und zeichnete gemeinschaftlich mit ihm, der auch die kunstgeschichtlichen 
Notizen zusammen mit Franz Kugler bearbeitete. Zu den Lieferungsumschlägen hatte Adolph 
Menzel einen heraldischen Adler ohne seine Signatur gezeichnet."(Die Originallithographier- 
steine zu diesem Werk sind noch heute im Besitz der Wagnerschen Buchhandlung (Pächter) 
und dürfte es sich wohl verlohnen, die schönen Ansichten von Stendal, Tangermünde, 
Jericho usw. neu zu drucken, da es zugleich Meisterwerke der Lithographie mit reizender 
Stafsage sind.) 
,,Als ich nach Berlin zurückkam, wurde ich zur Landwehrübung nach Teltow eingezogen. 
Da ich aber mit dem Gewehr nicht gut fertig werden konnte, so wurde ich ins dritte Glied 
gesteckt. 
,,Da inzwischen mein Bruder Wilhelm nach Berlin kam, bezog ich mit ihm eine 
größere Wohnung und malte hier ein Bild für Herrn Professor Christian Rauch: ,der blinde 
Bettler- betitelt. (Ein ziemlich großes Bild mit Figuren im mittelalterlichen Kostüm. Die 
Familie eines Handwerker-meisters vor der Haustür. Ein junges Mädchen reicht einem blinden 
Bettler, der von einem eKnaben einige Stufen heraufgeführt wird, einen Labetrunk.)  
Auch das Scheibenschießen ,Schügenkönig- (im Hintergrunde wandern Eduard Meyerheim 
und Franz K:-üger). Jetzt im Besitz der Königlichen National-Galerie." Dieses Bild soll 
damals Aufsehen erregt haben, daß mein Vater das Ungeheuerliche wagte, die Schlagschatten 
auf dem Terrain ziemlich blau zu malen. Für jene Zeit war er einer der ersten Freilicht- 
maler und Menzel schrieb in einem Briefe an einen Freund: ,Meyer-heim macht das Kobalt- 
blau wieder teurer". Auch die Handzeichnungen zu diesem Bilde sind in der National-Galerie. 
,,Auf dies Bild hin bin ich Mitglied der Akademie geworden. Ich hatte gleich bei meiner 
Ankunft in Berlin mehrere Künstler kennen gelernt. Der Maler und Dichter R. Reinick 
besuchte mich mit Franz Kugler, sie forderten mich auf, den Künstlerverein zu besuchen, 
welcher sich in dem Pfuhlmannschen Garten am Ererzierplage versammelte. Ich machte in 
diesem Verein die Bekanntschaft vieler Künstler, auch Friedrich Drakes, welcher mich einlud, 
ihn zu besuchen. Ich war überrascht von der Schönheit seiner Schwester Karoline. 
,,Drake bekam eine sehr schwere Gehirnentzündung und mußte, da er in der Wohnung 
nicht die Pflege haben konnte  denn er wohnte mit seinem Bruder Georg zusammen  
nach dem Gräfeschen Klinikum gebracht werden, wo er nach langer Zeit genas. Ich besuchte 
ihn sehr oft, weil ich seine schöne Schwester dort zu finden und dann natürlich heimzugeleiten 
hoffte. An einem Abend war Stracks, sein und mein Freund, auch da und brachte die 
Schwester nach Hause, worüber ich etwas Eifersucht empfand, denn ich glaubte ihn bevor- 
zugt. Es gefiel Drake im Klinikum so gut, daß er gar nicht wieder nach Hause wollte. 
In seiner Krankenstube machte er die Skizze zu der Statue Iustus Mösers für die Stadt 
Osnabrück. Ein Osnabrücker, Herr Dr. Abeken mit seinen beiden Söhnen, war von Drake 
zu einem Mittagessen eingeladen, auch ich mit meinem Bruder Wilhelm und einige andere 
wa,,-M dabei. Die schöne Schwester bewirtete uns mit einem guten Mittagbrot. Da Drake 
aber sehr junggesellenmäßig eingerichtet war, so benutzte man statt der Servietten ein paar 
Handtücher zum Jubel der Gäste. Als Drake aber allmählich durch seine Arbeiten etwas 
erworben hatte, wollte er sich in seinen WohnungsverhältnisTen verbessern, er zog nach der 
Stralauer Brücke. Ich holte Dr-akes Schwester aus dem Klinikum und wir besahen die 
Wohnung, aber Fräulein Drake meinte: ,,wer wird uns hier besuchen:"" Und ich sagte: 
,,wenn niemand kommt, so komme ich!" Und hier verlobte ich mich J8Z(). Es wohnten 
mit ihnen ihre Brüder, der Former Georg und der zehn Jahre alte Louis, welchen letzteren 
Drake aus Pyrmont nach Berlin kommen ließ, da beide Eltern gestorben waren. Am 
;0. September ;8Z7 wurde ich mit Karoline getraut. Unsere Hochzeit hatte Professor Rauch 
in seiner Wohnung ausgerichtet und dazu mehrere Herren eingeladen. Von Rauche- Familie 
und Freunden war nur seine Tochter Doris, dann das alte Fräulein Lieberkühn eingeladen.
        

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