Bauhaus-Universität Weimar

Jgnat3 Ujvä.ry 
(geb. in Budapcik 1860, lebt daselbst) 
Die Fähre 
Budapefk, Museum der fcl)önen Künste 
5Z5 
Ein Künstler wie Ujväry gehört entschieden zu den anregenden und erquickenden Erscheinungen 
unserer Ansstellungen. Wer ihn aufmerksam beobachtet, der wird finden, daß er seit Jahren unermüd- 
lich vorwärts strebt und daß Fleiß und Talent bei ihm Hand in Hand gehen. Die meisten werden 
ihn besonders als Landschafter kennen, als Schöpfer jener Bilder, die ausschließlich in Ungarn entstanden, 
erfüllt sind vom Drange, der Natur möglichst nahe zu kommen, sie in all ihren Studien und Phasen 
zu beobachten. Durch seine Liebe zum heimatlichen Boden ist er ein echt ungarischer Künstler geworden 
und hat uns gezeigt, zu welch vielseitiger Tätigkeit sich ein Künstler im Vaterlande entwickeln kann. 
Ujv-"1ry ist durchaus nicht ausschließlich Landschaftsmaler, er liebt auch das Figütliche Und hat TM- 
mal vor Jahren ein religiöses Bild gemalt, mit welchem er bewies, daß er auf allen Gebieten zu Hause 
ist. Bei Gelegenheit des Milenniumjahres wirkte er an dem großen Panorama ,,Honfoglaläs" mit 
großem Geschick mit. Aber ob nun Ujv-City in der Landschaft exzel1iert, oder ob er dem Figürlichen 
nachgeht, überall ist er fein und stimmungsvoll, überall weiß er das Gesehene mit seinem Temperament 
und seiner Auffassung zu vereinigen. Manchmal stellt sich der Künstler schwere, vielleicht allzu schwere 
Probleme; aber gerade in diesen Bestrebungen sehen wir, mit welchem Ernst er seinem Berufe nach- 
geht. Das beweist am besten sein großes Bild ,,Gewitter im Frühjahr- (J900). Mag vielleicht auch 
manches an diesem Werke etwas über-trieben erscheinen, mag auch die Reihe der Pappeln im Hinter- 
grunde in der Beleuchtung zu grell erscheinen, mag auch im Vordergrunde der vom Sturm aufgewirbelte 
Staub zu schwer sein, so können doch diesem Bilde die großen künstlerischen Qualitäten nicht ab- 
gesprochen werden, denn die allgemeine Stimmung ist eine vortreffliche, man weiß, wie schwer es ist, 
den Kampf der Elemente gegen die Natur auf einem Bilde wiederzugeben. Auch Munkäcsy hat 
dieses Problem mit Geschick versucht. Mit Vorliebe malt Ujväry auch Schneelandschaften und dem 
Künstler gelingen die verschiedenen Stimmungen des Winters vorzüglich. So ist uns eines dieser 
Bilder (x8gg) lebhaft in der Erinnerung: Ein paar Bauernhäuser, im Vordergrund eine große Schnee- 
flache, belebt durch drei Pferde und einen Reiter; über der Landschaft ein richtiger kalter Himmel, 
der Schnee ist so weiß und frisch, wie man ihn nur im Freien sehen kann, keine Beimengung von 
großstädtischem Kohlenstaub, so rein, wie ein über die Erde gebreitetes Leintuch. Und mit gleichem 
Geschick malt er auch die Gegenden der Donau. Auf einem Bilde führt er uns an den Fluß bei 
Kis-Maros. Auch hier frisch gefallener Schnee, welcher die Landschaft in dünnen Schichten bedeckt, 
das Gebirge ist in violetten Tönen gehalten und spiegelt sich in dem kalten klaren Wasser trefflich 
wieder  im Vor-dergrunde zwei Leute, welche ein Schiff entlang des Ufer-s ziehen. Er versteht den 
Schnee zu beleben. Das sind keine toten monotonen Flächen, wie man sie so oft auf Schneebildern 
findet. Und welch ein feiner Erzähler der reifen Natur im Sommer ist Ignat3 Ujväry. Wir meinen 
das herrliche Bild ,,Mohnblumen" (Z8g8), wir blicken weit in sonnige Felder hinein, in der Ferne 
grüßen uns duftige blaue Berge. Was sich zunächst unseren Augen darbietet, ist ein Feld mit blühen- 
den Mohn- und Kornblumen; rechts davon ein reifes Kornfeld  man hört ordentlich das leise 
Rauschen der Ähren, durch die ein lauer Sommerwind streicht  links ein saftiges Haferfeld. Diese 
vordere Partie des Bildes führt uns in die weite Landschaft hinein und schließt mit einzeln darstehen- 
dM saftig-grünen Bäumen ab, im Hintergrunde dann eine lange Bergkette. Dabei ist eine Klarheit 
der Luft und eine solche Frische der Empfindung, daß man es nie satt bekommt, wieder und wieder 
anzusehen. Man möchte förmlich zwischen die Felder wandern und seine Schritte dem in blauen Äther 
gehüllten Berge zulenken, um von dort wieder in das blühende gesegnete Land herabzublicken. Das 
hier trefflich reproduzierte Bild gibt uns in vollem Maße die Vorzüge der Kunst von Jgnag Ujväry 
Wieder- Göbor von Törey (Budapesi)
        

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