Bauhaus-Universität Weimar

Fischer erzählt da unter anderem: 
Es ist an der Tagesordnung, daß Fremde in entlegene Klöster verschleppt werden, 
wo in abseits gelegenen Tempelhallen Kloster-schätze, die die Mönche dem Händler 
nicht anvertrauen wollen, unter strengster Dis-kreti,on gezeigt werden. Meist sind 
diese Schätze Fälschungen, alte Ladenhüter von Händlern, die diese nach gegen- 
seitiger Ubereinkunft an Ort und Stelle gebracht haben. Die Käufer werden gern 
bei Dunkelwerden hingeführt; der mysteriöse Rahmen, das Dunkel tragen viel zur 
Hebung der Stimmung und zum Gelingen des beabsichtigten Anschlages bei. 
Das Interesse für die Kunst des fernen Ostens ist in aufsteigender Linie, mit 
ihm auch der Wunsch, das Bedürfnis zu decken. Und da dies mit echten Kunst- 
obsekten unmöglich ist, so eröffnet sich für das Gebiet der Fälscherkünste ein un- 
begrenztes Feld. Dies gilt insbesondere für Werke der religiösen Kunst, namentlich 
für alte Gemälde und Holzskulpturen, die bis vor wenigen Jahrzehnten keine 
eigentliche Marktware waren. Das Sammeln solcher Stücke ist aber in Japan, 
dank der Eifersucht der Behörden, die seit ca. 35 Jahren, ganz besonders aber 
in den letzten Jahren, alles zum ,,Landesschatz" erheben, was nur irgend wie 
der umherreisenden, von der Regierung eingesetzten Kommission als bedeutend und 
künstlerisch wertvoll erscheint, immer schwieriger geworden. Die Landesgesetze sind 
unheimlich streng, denn nicht nur die zu unveräußerlichen Landesschätzen (KokuhZ) 
erhobenen Kunstobsekte, sondern auch die noch nicht einer solchen Ehre würdig 
befundenen Tempel- oder Gemeindeschätze sind der Staatskontrolle unterworfen 
und dürfen ohne Genehmigung der Präfektur nicht mehr veräußert werden. 
Da rafsi"nierte Fälscher von Gemälden sich alter, brüchiger Seide bedienen, alter 
Farben, die von verfallenen, zugrunde gerichteten Bildern abgekratzt wurden, so 
ist es oft schwer, gut gelungenen Fälschungen auf die Spur zu kommen. Ein 
Verräter sind bei alten brüchigen Bildern die ,,1-:asugai". Brüche in der Seide 
alter Bilder (Kakemono) werden ausgebessert, indem der Aufzieher auf die Rück- 
seite des Bildes über die Brüche schmale Papierstege, ,,kasugai--, klebt. Um dem 
Kakemono das Ansehen hohen Alters zu geben, kleben Fälscher oftmals auf die 
Rückseite viele solcher Stege oder kasugai, wo gar keine Brüche sind! Hinter 
diesen Trick kommt man erst, wenn man den Kakemono gegen das Licht hält und 
hindurchskeht. 
Ganz besonders schwierig ist es, Fälschungen antiker Skulpturen auf die Spur 
zu kommen, steht doch den Bildschnitzern altes tausendsähriges Holz, ehemals 
Säulen, Pfeiler oder Dachbalken abgerissener oder auszubessernder 
Tempel, die Händler zu diesem Zwecke aufkaufen, zur Verfügung. Reiches Material 
für HUI1dMe Von falschen Statuen liefern zurzeit die Säulen des über tausend 
Jahre alten Todaisi-Tempels in Nara, die bei dem großen, schon Jahre währen- 
den Umbau durch Eisenkonstruktion ersetzt werden. 
Es sind oft große künstlerische Begabungen, die sich in den Dienst des Fälschers 
PUCK- da sie mit geschickt gemachten Nachahmungen besseren und sichereren Ver- 
dienst s5nden, als wenn sie Originale schüfen. Auch darin gleicht der Osten dem 
Westen! Schwierig ist die Bearbeitung von mit Lack überzogenen Statuen. Eines 
Tages sah ich im Garten eines durchtriebenen Fälschers eine solche Statue, die
        

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