Bauhaus-Universität Weimar

Giuseppe Giusti 
(9eb. 1872 in Perugia, lebt in London) 
co1ombine 
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Seinem samiliennamen nach  den ja bereits ein anderer Giuseppe Giusti, der 
geistvoll-bissige Satiriker und Bcfreiungsdichter, im zweiten Viertel des Z9. Jahrhunderts so 
hoch zu Ehren brachte  toskanischer Abstammung, seiner Z872 in Perugia erfolgten Ge- 
burt nach jedoch Umbrer, war unser Künstler schon als Knabe nach Rom gekommen und 
hatte sich dort in seinen Jünglingsjahren dem Studium der MalFunst und zwar zunächst 
speziell der Landschaftsmalerei gewidmet. Seine Stimmungsbildcr aus der römischen Cam- 
pagna hatten, in der Gesamtauffasfung den Einfluß seines Lebt-meisters 2lristide Sartorio 
offensichtlich genug zur Schau tragend, in der gefalligen, leichtflüsfI"gen Art ihrer malerischen 
Durchführung alsbald den Beifall des Publikums gefunden und die Aufmerksamkeit der 
kritischen Kennerwelt auf sich gezogen. Etwa um das Jahr Zg00 erfolgte schließlich Giustis 
Über-siedelung nach London, wo er seitdem dauernd ansässig blieb, um nur noch von Zeit zu 
Zeit zu kurzem Aufenthalte nach Italien zurückzukehren. In seinen von London aus bald 
in Venedig bald in Rom ausgestellten neueren Gemälden gab er Ich dann seinen einstigen 
Heimatgönnern, die ihm schon auf seine landschaftlichen Erstlingswerke hin eine glänzende 
Künstler-zukunft geweissagt hatten, als ein nicht minder hochbegabter sigurenmaler zu er- 
kennen, der sich in seiner neuen nordischen Umgebung zugleich auch zu größerer Sicherheit 
und Kraft der Pinselführung und vor allem zu geschmackvollster Eigenart der sarbengebung 
durchgerungen hatte. Seine Bildniise von Frauen und jungen Mädchen, Kindern und Greifen, 
die in ihrer köstlichen Harmonie von lichtrosigen, lichtblauen, lichtgrünen und silbergrauen 
Tönen wie in der aristokratischen Anmut und spontanen Natürlichkeit der Posierung und des 
Ausdrucks häufig an Iames Guthrie, Iohn Lavery und andere jungschottige Porträtisten 
gemahnen, zeigen eine Schärfe der künstlerischen Beobachtung, eine Gewandtheit in der bild- 
mäßigen Komposition und eine Meisterschaft der technischen saFtur, durch die verschiedene 
dem Künstler neuerdings in München und Paris verliehene Medaillenauszeichnungen in 
vollstem Maße gerechtfertigt erscheinen. Eine ebenso eigenartig bizarre wie vornehm graziöse 
poetische Erfindungsgabe bekundete Giuseppe Giusti schließlich in malerischen Phantasiestüci?en 
wie der vor wenigen Jahren in Venedig ausgestellten ,,Puleinel1a" und besonders in der 
hier in den Or-iginalfarben getreulich reproduzierten ,,Colombine-, die in der let3tjährigen 
römischen Iubiläums-Kunstausstellung so viel Bewunderung fand. Erscheint er doch in 
diesen liebenswürdigen malerischen Reminiszenzen aus der altitalienischen Volkskomödie ge- 
radezu als ein entfernter Verwandter Antoine Watteaus und Paul Verlaines, dieser un- 
vergleichlichen Großmeister in der malerischen und dichterischen Verherrlichung jener ,,ketes 
ga1antes" des Rokoko-Zeitalters, in denen lich lärmende Heiterkeit und schmachtende Schwer- 
mut zu einem so merkwürdig gekünstelten Gemisch der Empfindungen vereinigten. In der 
Tat wird man, versenkt man sich in die Betrachtung dieser in doppeldeutigem Lächeln vor 
sich hinträumenden blonden ,,Colombine" Giuseppe Giustis, wohl oder übel Verlaine-Verse 
aus der Erinnerung heraufklingen hören, wie 
,,colombjne reve, sur-prise 
De se-ntir un c(-sur da!-is la brise, 
St cl'entendre en san coeur des voix"    
Vittorio Pica (Rom)
        

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