Bauhaus-Universität Weimar

Der stille, melancholische Zauber eines sonnigen OktobertageS; eine malerische 
slußkrümmung, buntes Herbstlaub, hier und da schon einige kahle Zweige, de:-en 
Konturen sich scharf von der klaren Luft abheben; inmitten das- Hauptmotiv: die 
hohen, immergrünen Tannen, die ihre Wipfel in den zartblauen Ather strecken und 
fiä) wieder-spiegeln in dem stillen Wasser, dessen glatte Oberfläche kein Lufthauch 
kräuselt, im Hintergrunde der blauende Wald  echte Herbststimmung, innerlich er- 
lebt und geschaut mit dem liebevoll in jede Einzelheit sich versenkenden Auge des 
Naturfreundes, dem jedes Meistern der Natur fernliegt, der schlicht und sachlich 
einen köstlichen, ohne viele Skrupeln gewählten Landschaftsausschnitt auf der Leine- 
wand repetiert und seinem Bilde die Objektivität und 3uverläßlichkeit einer topo- 
graphischen Beschreibung mitzuteilen versteht. Ein solches Bild, wie diese umskehend 
abgebildet- Hetbikc(Mdschaft, ist und will nichts weiter sein, als eine ehrliche Abschrift 
der Natur, ein Natm-Porträt sozusagen; die Schönheit des Vorbildes, die pittoresken 
Reize dkIfU" Vol! TM NSM1" s2ssh07iTetten Linien- und sarbenkontraste, machen seinen 
künstlerischen Wert aus. Der Künstler teilt sich hier mit der Künstler-in Natur in 
den Ruhm der Leistung. Keine Mcirchendichtung, wie etwa die erträumten, -me mit 
dem geistigen Auge gesch-wen Landschafcsvisionen eines B5kr1in, auch keine höhere 
künstlerische Synthese einer Reihe von Einzelbeobachtungen zu einem alle charakte- 
ristischen Merkmale einer bestimmten Landschaftsgegend in sich schließenden Bilde, 
wie die Schwarzwaldlandschaften eines Thoma, sondern ein exakter, ohne Zuläs- 
und ohne Streichungen alle ZufälIigkeiten mitaufnehmender Natur-rapport, ein 
Porträt, das den höchsten Anforderungen an die Ahnlichkeit genügt, das dghkk 
auch da noch frisch und individuell wirkt, wo es lich  wie in dem vorliegenden 
Falle  um eine zwar außerordentlich liebliche, aber im Grunde doch wenig 
charakteristische und häutig ganz ähnlich wiedetkeh1'Mds NEtUkphysiognomie handelt. 
Müller-Landeck entlehnt seine Landschaftsmotive mit Vorliebe der nächsten Um- 
gebung von München, der auch Unser Bild, das eine partie an der Loisach dar- 
stellt, entnommen ist. Ein gebotener Pommer  er erblickte am 27. Februar x8()5 
in Piimow bei Raget-ab- das Licht der weit  studierte er x884-J880 an der 
Berliner Akademie unter Eugen Bracht Und Meyekheim- um dann nach längeren! 
Aufenthalte in Süditalien sich I889 M MüMhM niederzulassen, wo er seit Jahren 
ein fast regelmäßiger Gast auf den Ansstellungen im Glaspal-If? M. x8g5 wurden 
drei Aquarellgemälde von ihm für das Städtische Museum in München angekauft; 
zahlreiche seiner Bilder sind namentlich M Hamburger und Bremer Privatbesit-, über- 
gegangen. Hans V0l1mer (Leipzig)
        

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