Bauhaus-Universität Weimar

Albert Weisgerber 
(geh. 1878 in St. I-:Igbert [RheinpfalZ]; 
lebt in Miind:1en) 
se1bstbi1d.nis 
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Als ein recht seltsamen- Hecht im Karpfenteich tummelte Weisgerber ein paar 
Jahre lang sein Talent in den Ansstellungen der Münchner Sezession. Man sah sonder- 
have Heicigenbildek von ihm, in der Auffassung ganz frei- und von einer leuchtenden 
Inbrunst der vibrierenden Farben, daß man an Cszanne gemahnt wurde. Aber hatte 
CcE:zanne den heiligen Sebastian je in diese rosa-violette Or-ientsonne, in diese unerbitt- 
liche  hinausgestecI::s Man einigte sich, in weissen-er einen unrubigen 
Erperimentator und koloristischen Könner zu sehen, der sich ers? fT"dM MÜ0"s- D-? 
gab es im Herbst ;19xJ eine Kollektivausste1lung von annähernd fünfzig GtM-kIdM 
und Skizzen  es war ein Ereignis. Denn was man da sah, war -ni(ht Mk 
interessant, sondern zumeist ganz erstaunlich gut und, bei allen sichtbaren Einflüssen 
von links und rechts, immer selbständig. Er hat ganz von unten angefangen: als 
Dekorationsmaler, Kunstgewerbler, Jllustrator. In die Malschule ist er zu Stuck 
gegangen, später auf IV, Jahre nach Paris. Von irgend einem bestimmenden Ein- 
fluß kann man nicht reden. Mit geradezu elementarer Kraft hat sich der Künstler 
aus den schweren Dunkelheiten, aus der gesättigten Münchner Tonmalerei seiner 
Anfänge losgerungen, und ein Kolorit erkämpft, das leuchtet und blüht in ge- 
sammelter Kraft. Er malt alles, was ihm vor die Palette kommt: Akte, Freilicht- 
porträts, Landschaften, Jnterieurs mit Sonne und mit Rampenlicht, Ei-otisrhes und 
Mystisch-Religiöses bunt durcheinander. Heute den heiligen Sebastian, wie er zwischen 
fahlen Baumstämmen, von Pfeilen durchbohrt, jämmerlich in die Knie sinkt; morgen 
einen eleganten Reiterofsizier in grünem Rock mit zinnoberroten Aufschlägen; und 
ein andermal eine Negergruppe samt Milieu so über-zeugend echt und natürlich, daß 
man meinen könnte, er habe in Afrika studiert, anstatt auf der Münchner Oktober- 
wiese das Somalidorf. Mit vollkommener Unbefangenheit, realistisch bis zum äußersten, 
gruppiert er David und Goliath, und eine Kreuzigung in brennender Sonne ver- 
blüfft durch die leidenschaftliche Erregung der farbigen Komposition. Das ist es: 
er sieht mit angeborenen Maleraugen in die Welt und sieht farbig, er denkt und 
gestaltet in Farben. So erreicht er, ohne zu tüfteln oder mit kleinen geschmackvolIen 
Kontrasten eine Bildfläche aufzubauen, fast immer einen bezwingenden farbigen Grund- 
akkord, in den sich alle Zwischentöne mühelos einfügen und einordnen. Schon dieses 
frühe Selbstbildnis zeigt eine solche Sicherheit im malerischen Aufbau der Fläche und 
eine außerordentlich sachliche Charakteristik des Stofflichen zugleich. Die Struktur 
des Kopfes ist ebenso sicher betont wie etwa das tote Holz der Staffelei zu farbigem 
Leben aufgerufen ist. Man kann Weisgerber nicht auf den Jmpressionismus fest- 
legen. Er hat ihn begriffen und seine grundsäglichen Erkenntnisse einem Können ein- 
verleibt, das jegliche Form und Farbe zum typischen Ausdruck zu steigern weiß. 
Eucken Kalkf(hmidt (München)
        

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