Bauhaus-Universität Weimar

Oskar Glas 
(geb. zu Budapesi den 13. Oktober 1872, lebt daselbst) 
Benno 
BudapefI, PrivatbeiIg 
454c 
Seit Jahren hat die künstlerische Entwickelung von Oskar Glas sich in harmonischen 
Bahnen bewegt, es ist eine stete Entfaltung von innen heraus ohne Widersprüche, ohne 
Haschen nach Erfolg und falscher Originalität. Glas hat immer die Natur geliebt, an ihr 
sich erfrischt und fortgebildet, er hat sich niemals leicht zUf1'kede7I Besehen Mit feines! LekiktMget1- 
weil er seine Aufgabe denkbar ernst und gewissenhaft nahm, sein Ziel f0 he-eh als M3lIUeh 
steckte; und weil alles, was lebt und Farbe hat, ihn so lebhaft anzog und beschäftigte- Wurde 
er auch nicht zum Spezialisten. Genre, Porträt oder Landschaft schienen ihm gleich vetI0ekeUd- 
auf allen drei Gebieten konnte er seine Vervollkommnung erstreben, durch stbIkebke- Mise- 
künstelte Beobachtung zum richtigen Ausdruck dessen gelangen, was et für d-U"skeUU"Hs- 
würdig erachtete.  Vor Jahren hat er einmal ein ergreifendes Bild ausgestellt: ,,Die Holz- 
träger" (Budapest, Museum der bild. Künste). Den Bergrücken entlang zieht mit Reisig 
schwer beladen eine Mutter mit ihrem Söhnlein. Stark ausschreitend mit gesenktem Blick- 
als fürchteten sie erhasrht zu werden, schreiten sie gegen Wind und Wetter, ihre Gestalten 
heben sich scharf vom düstern Himmel ab. Dieses Bild ist mir im Gedächtnis geblieben, 
obgleich es für das allgemeine Schaffen des Künstlers nicht charakteristisch ist. Denn Glas; 
betont die melancholische Seite des Lebens nicht allzu oft, für ihn bezeichnend ist der ewig 
heitere Himmel, die hellen blendenden sarben des ungarischen Sommers, Bauernfrauen 
draußen in der prallen Sonne mit heißen Gesichtern und gelben oder roten Kopftüchern. 
Oder er führt uns an den Strand des Plattensees, er zeigt uns die ruhige blaue Fläche 
des Wassers, die hellsandigen Ufer, an denen nackte Kindergestalten spielen. Da mag es 
für ihn nach all dem Baden in Luft und Sonne wieder eine willkommene Abwechslung -sein, 
im Raum ein gutes Modell einzustellen und sich mit sorm und Ausdruck zu beschäftigen. 
Glas hat viele Porträts gemalt. Manchen bedeutenden Politiker, Schriftsteller oder Künstler 
seiner Heimat hat er mit Bleistift, Kohle oder Pinsel verewigt. Auch die Lithographie hat 
Glas öfters gepflegt und zuzeiten fühlte er sich auch zum Pastell hingezogen. Vor allem 
hat er immer gerne gezeichnet und so in steter Übung jene Sicherheit erlangt, die, auch nach 
der freiesten Auffassung, unbedingt die Grundlage sein muß. Schon seine Lehrjahre waren 
da entscheidend. Zuerst an der Münchener Akademie bei Paul Höcker, später an der Pariser 
Julian-Akademie legte Glatz den Grundstein zu gediegenem Können. Dann schloß er sich 
der Schule von Hollosy in München an, die zur Sommerzeit in Nagybänya eine Anzahl 
von bedeutenden Malern an sich zu fesseln vermochte. Während jener Jahre und auch 
späterhin malte er eine Anzahl bedeutende: Porträts, die sich stets durch die Ehrlichkeit der 
Auffassung und ihre genaue sarbengebung auszeichneten. Gerade weil Glas nicht einzig 
und allein Porträtist ist, steht er seinen Modellen frisch und unbefangen gegenüber. Er ist 
weit entfernt davon, ein Schema gefunden zu haben und würde niemals jene Einheit M de? 
Wiedergabe ähnlicher Ausdrucksformen bevorzugen, die jede feinere Nuance tötet, um dem 
allgemeinen Geschmack entgegenzukommen. Er ist immer ein Suchender, und dar-in'ltegt 
eine große Garantie: nur so kann er weiterbauen und den vollen Ausdruck seiner künstlertschen 
Begabung finden. Gabriel von Täter (Budat-est)
        

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