Bauhaus-Universität Weimar

Lady LIoui1E, Wakerso"rds ZeichnUng en und 
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 enn heute noch ein Zweifel darüber bestehen sollte, ob das weibliche Geschlecht 
  Begabung oder gar Genie für Kunst besäße, so würde die 2lusstellung von Lady 
 Louisa Waterford uns auch die Bestätigung geben, daß es wiederum Frauen gibt, 
 die von der Natur mit feinem ausübenden Kunstst"nn begabt sind. 
In den schönen Räumen von 8 Tarlton Terrance und zwar zu ,,Gunsten des" St. Chri- 
stopher Bot-"s Clubs hat Lady Brownlow, die Zeichnungen ihrer hohen Anverwandten, 
der nunmehr seit zwanzig Jahren verstorbenen Lady Waterford, in einer Sonderans- 
stellung dem Publikum während einer Woche zugänglich gemacht. Königin Alexandra 
eröffnete dieselbe und eine zahlreiche Menge von Besuche:-n aus hohen und weiten Kreisen 
war in den folgenden Tagen zu verzeichnen. 
Der Künstlerruf von Lady Louisa Waterford ist seit der letzten Ausstellung ihrer 
Werke im Jahre J902 eine anerkannte Tatsache geworden. In den Ausdrücken höchster An- 
erkennung sprachen Turner, Ruskin, Watts und Lord Leighton von ihren Leistungen und 
es ist kein Zweifel, daß sie in deren Künstlerkreis gehörte. Wir bewundern in ihren Arbeiten 
ganz besonders die Frische und Spontaneität, mit der sie ihren Gedanken Ausdruck zu ver- 
leihen vermochte. Es war ihr so sehr zum Bedürfnis geworden, ihr Gefühl in Farben aus- 
zudrücken, daß Lady Waterford öfters Abends bei Licht ihre Erlebnisse des vergangenen 
Tages in Zeichnungen, ja sogar auch in Pastell festhielt. Ihr Leben war ein reichbewegtes; 
oft klagte sie, nicht genügend Zeit für ihre Kunst ei-übrigen zu können. Als Tochter des 
englischen Gesandten Lord Stuart de Rothesay in Paris und Gemahlin des Marquis von 
Waterford, wurden allerdings viele gesellschaftliche Anforderungen an sie gestellt, die ihr oft 
wenig Muße und Zeit für ihre Kunst gaben. Trotzdem wußte sie ihr Leben, besonders 
während ihres langen Witwensiandes, so zu gestalten, daß sie viel, ja sogar unaufhörlich 
malte. Ihr Gedankenreichtum schien unerschöpflich zu sein. Gfter geht eine traurige Stimmung 
durch ihre Kompositionen. Auf dem Bilde ,,Hagar und Jsmael" ist das Gefühl der Verlassenheit 
meisterhaft in der Landschaft ausgedrückt. Sehr beliebt und vielfach Photographien ist 
ihr Pastell: ,,Die Stufen des Lebens". ,,Der Winter-E liefert einen Beweis, wie gut die 
Künstler-in es verstand, mit wenigen großen Linien Erlebtes und Gesehenes im Bilde fest- 
zuhalten. Tief gebeugt unter einem Bündel Holz geht ein alter Mann wankenden Schrittes 
durch den tiefen Schnee- während durch Hunger zahm gewordene Raben ihn auf seinem 
Wege begleiten.  ,,Der verlorene Sohn und seine Rückkehr-, die ,,Darstellung des Kindes 
Samuel im TeMPel" Und andere biblische Themen behandelte sie mit Vorliebe und durchaus 
eigenartig. Es wird erzählt, daß Ruskin einmal Lady Waterford veranlassen wollte, in 
seinem Sinn ihre Vorzeichnungen zu machen. Der Versuch, diesem Rat zu folgen, mißglückte, 
und Ruskin soll die Künstlerin gebeten haben, doch ja wieder zu ihrer eigenen Methode 3UkÜIX- 
zukel)tev. Besonders anziehend malte Lady Waterford auch Kinderszenen; tanzende- spielend- 
nnd singende Kinder; drei kleine Schwesterchen, die sich gegenseitig über eine belebte Straße 
Lende-ns helfen, eine Szene, die ihr lebhaft gcschicdkkt wurde. Ganz Mond-IS V8!dkE"M 
Erwähnung die sresken biblischer Szenen, die sie auf ihrem Lands1"g s0kd-CAN km Schul- 
hc!Use gemalt und gezeichnet hat, und wobei die Schulkinder ihr M0dsU sElkM1dM HENN-
        

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