Bauhaus-Universität Weimar

Philipp Klein 
(geb. in Mannheim 16. Febr. 1871, 
gest. O. Mai 1907 in -5ornegg) 
Die Lampe 
50Z 
Als die Nachricht vom Tode Philipp Kleins bekannt wurde, da haben die Kunstfreudigen im 
Deutschen Land sie mit jener bitteren Reiignation aufgenommen, die einen Dichter sagen ließ: Die Guten 
sterben jung. Und deren Herzen, trocken wie der Staub des Sommers, brennen bis zum legten Stumpf. 
Klein war nicht irgendein talentvoller Maler, der früh heimgehen mußte. Er war eine von den künstlerischen 
Hoffnungen seiner Zeit, eins von den ganz seltenen ,,echten Temperamenten-. Schaffenslustig und lebensfroh, 
wie wenige vielseitig, rastlos produktiv, nach allen Seiten suchend, nur nie nach der Seite des Trivialen hin, 
hielt er die Welt in Atem, seit er selbständig geworden war. Auf keiner bemerkenswerten deutschen Aus- 
fkecIUng jener Zeit fehlte er und nie war es Gleichgültiges, recht oft Kühnes, Starkes und Gutes, was er 
zeigte. Und immer wieder war es ein Vorwärtsschreiten, ein Selbständigerwerden, was seine Bilder ver- 
rieten, ein Freierwerden. Angeregt hat ihn mancher: Liebermann, Slevogt und Breyer, in München wohl auch 
US PU!3  ganz gewiß! Aber man fühlt an seinen Bildern, daß er andere nicht nachahmte, etwa aus 
eigener Armut, sondern daß nur sein Ehrgeiz aufgestachelt wurde durch das malerische Können der anderen 
und daß er dann  und meist mit Erfolg!  versuchte, die gleichen Probleme, wie die anderen, aber auf 
seine Weise, zu lösen. Und so malte er denn Strandszenen, Reiter am Meer wie Liebermann, Alkovenszenen 
und Akte wie Putz, farbige Kostbarkeiten wie Slevogt. Aber immer mit seinem eigenen Temperament, nie 
zufrieden mit einer erlernten Bravour, mit einer dankbaren Schablone. Etwas Herbes, oft Hartes ist in ihm 
geblieben, aus seinem ganzen vielgestaltigen und umfangreichen und ach! in so wenige Jahre zusammen- 
gedrängten Schaffen spricht der Kampf um die Kunst. In einem ist Klein ganz gewiß ein Phänomen 
gewesen: im gegenständlichen Reichtum seiner Malerei. Seinem Pinsel gehörte schlechthin alles, was malbar 
war  und malbar war ihm alles, was Licht und Farbe hatte. Er hat die Hosfnungen, die man schon 
auf den Debütanten gesetzt hatte, erfüllt, aber auch immer wieder höher gesteigert  immer Besseres erwarteten 
wir von ihm. Da mußte er fort, aus dem schönen, lachenden Leben heraus, das ihn viel zu früh verbraucht 
hatte! Ein Künstlerschicksal, tragischer vielleicht als manches andere, das einem Begabten Not und Verkennung 
bringt!  An merkwürdigen äußeren Schicksalen war dies Leben nicht reich. Philipp Klein wurde in Mann- 
heim geboren, absolvierte in seiner Vaterstadt das Gymnasium und genügte seiner Militärpflicht. Im Jahre J8g2. 
zog er nach München, um Maler zu werden, verbrachte einen Studiensommer am Chiemsee und quartierte 
sich im Herbst darauf in München ein, um auf eigene Faust malen zu lernen. Er bezog weder die Akademie 
noch eine Privatschule und verließ sich nur auf die eigenen Augen. Der junge Autodidakt muß mit zähem 
Fleiß gearbeitet haben, sonst hätte er nicht nach drei Jahren sein erstes ausstellungsfähiges Bild ,,Jn Gedankens- 
schon in den Glaspalast schicken können. Ein Jahr verlebte er dann in Berlin und stand den führenden 
Geistern der dortigen Sezession nahe. Später trat er der Münchner Sezesst"on bei und stellte in ihren Salons 
regelmäßig aus, Bilder von einer sinnlich frohen Gegensiändlichkeit, Akte, Frauenbildnisse, Deshabille-Szenen, 
auf denen trotz der oft kecken Gewagtheit des Vorwurfs immer die Malerei Hauptsache blieb. Selbst wenn 
sie einmal nicht voll gelungen war. Man merkt auch dann, daß dem Maler das farbige Problem näher 
gestanden hatte als die pikante Idee. Keins dieser Bilder war ohne besonderen Reiz der Farbe; farbig-heitere 
Jnnenräume mit bunten und delikaten Stilleben von Toilettestücken, Möbeln, Blumen und Schmuck waren 
da immer zu sehen und eine Lieblingsaufgabe Kleins war es dann, das Fleisch eines srauenaktes mit den 
flotten, farbigen Akzenten dieser Umrvelt in Einklang zu bringen. Oft genug hist et such StilIeben ohne alles 
andere gemalt und ein paar von diesen zählen zu den wertvollsten Stücken seines Werkes. Besonders erfolg- 
reiche Bilder Kleins waren: ,,Das gelbe Sofa" (ein Frauenakt), der ,,Akt mit Larven-", ,,Vor der Abreise", 
ein glänzend gemaltes Jnterieur mit gepackten Koffer-n und Damenroben, ,,Die Freundinnen", eine Frau, die 
mit dem Lorgnon die Reize einer entkleideten Freundin bewundert, das große, dreifigurige Bild ,,Vor der 
Redoute", das slotte Bild einer Tänzerin ,,Alisfa", ein sit-,ender ,,Akt mit Stilleben" von sehr lichtem, feinem 
Ton. Im Sommer xg06 malte Klein noch eine Reihe brillanter Studien in Viareggio  er malte fort, bis 
er sich zum Sterben hinlegte. Sein letztes Werk war eine ,,Dame in grünem Kleid" für die Münchner 
Sezession. Diese hat im Winter Z908 den Toten durch eine Sammelausstellung geehrt  etliche vierzig 
Bilder, die alle zwischen den Jahren J903 und Zg07 entstanden waren, zeugten von der fast unglaublichen 
Schasfensfreudigkeit des Frühvollendeten. Der umstehende Druck gibt eine frühere Arbeit Kleine- wieder, ein 
LiÖtstück, auf dessen kecke und kräftige Malerei, auf dessen packende Wirksamkeit wohl nicht besonders 
hingewiesen zu werden braucht. Fritz v. 0siini (München)
        

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