Bauhaus-Universität Weimar

Als Grisfelkünstler bereits seit langen Jahren geschätzt, ist Horst-Schulze, der zu den stärk- 
sten Talenten der jungen Leipziger Künstlerschaft gehört, als Maler erst bekannter geworden durch 
eine größere KollektivaussleUung vom Januar Zg09 im Leipziger Kunstverein. Aus einem kinder- 
reichen, ländlichen Pfar:-hause stammend, hat Horst-Schulze seine Jugendjahre draußen in Gottes 
freier Natur, zwischen Gärten und seldern, verbracht, und diese freie, fröhliche Kinderzeit hat 
gewiß mit beigetragen, über allem, was er schafft, jenen sonnigen Glanz zu verbreiten, der seine 
KM1st so sympathisch macht. Unter schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen studierte er erst auf 
der Leipziger Akademie, dann in München, ohne doch wesentliche Schuleinflüsse zu erfahren; im 
Grunde ist er ein Autodidakt, ein eigenwilliges, frühselbständiges Talent, dem von vornherein sein 
Weg klar vor Augen stand. Seine eigentliche Lehrmeisterin war die Natur, zu der ihn von Kind- 
heit auf eine tiefe Liebe beseelte, und die er unablässig zu studieren bemüht war. Ein außer- 
ordentlich vielseitiges Können zeichnet ihn aus. Als Radierer und Lithograph fing er an; er illu- 
sktierte Kinder-bücher, Märchen und Iugendschriften, zeichnete Vignetten, Titelblätter, Erlibris und 
erwarb sich schnell den Ruf eines tüchtigen Buchkünstlers. Namentlich verdient hervorgehoben zu 
werden eine Serie von zwölf prächtigen Landschaftszeichnungen, die unter dem Titel ,,Einsamkeit" 
Als sechste8 Heft des von sischer sc 8ranke in Berlin herausgegebenen ,,Teuerdank" erschienen ist. 
Gleichzeitig wandte er sich dem Kunstgewerbe zu, schuf Entwürfe für Möbelintarsien, Stiel-!ereien, 
G!-7sfenster, Eisengitter usw., die Bewunderung verdienen durch die geschickte Anpassung an die 
Bedingungen des Materials, für das sie erdacht sind, die der Künstler, ohne eine spezielle tech- 
nische Vorbildung zu besitzen, in jedem einzelnen Fall mit sicherem Stilgefühl erfüllt. Zum Malen 
gk0ßet Tafelbilder ist Horst-Schulze erst seit wenigen Jahren gekommen; aus rein äußeren wirt- 
schaftlichen Gründen, nicht etwa, weil ihm Pinsel und Palette weniger lägen als Radiernadel oder 
Zeichenstift. Denn Ho:-st-Schulze ist ein gebotener Maler, dem die Farbe wirklich Ausdrucksmittel 
ist. Die Märchenstimmung seines ersten größeren Bildes, des ,,Parzival", den man zuerst Zg0Z 
-7Uf der Sächsischen Kunstausstellung in Dresden, dann J904 auf der Berliner Sezession sah, be- 
ruhte in erster Linie auf den merkwürdigen und höchst wirkungsvollen sarbenakkorden von roten, 
violetten und blauen Tönen. Aber es befriedigt ihn nicht, wie manche andere Moderne, bloße 
koloristische Gourmandisen für das Auge aufzutischen, überhaupt sich aus rein optische Reizmittel 
zu beschränken. Dazu ist er viel zu sehr Poet, der das Bedürfnis hat, sich auch nach einer dich- 
terischen Seite hin auszugeben, ohne darum doch die Grenzen seiner Kunst zu überschreiten. Seine 
Bilder appellieren nicht nur an das Auge, sondern auch an das Gefühl und wollen nicht nur im 
Gehirn, sondern auch in der Seele des Beschauers ein Echo wecken. In diesem Sinne wirkte wie 
ein Programm jenes andere Bild, das der Künstler Z905 in Dresden zeigte, die fest in Leipziger 
Privatbesi"x-, befindliche ,,Mondespracht", eine mit echter deutscher Romantik erfüllte Mondscheinland- 
schaft, deren Zauber ein halb vom Rücken gesehener Mann, den man mit.dem Künstler selbst iden- 
tifizieren möchte, auf einer Bank sitzend still in sich versunken genießt. Uberall wirkt bei ihm die 
Phantasie mit. Daher sind seine Landschaftsbilder nicht absolut objektiv gesehene Porträts, trockene, 
wahrheitsgetreue Rapporte, sondern mehr Phantasien über ein von der Natur gegebenes Thema. 
Und so hat er auch in diese nebenstehend abgebildete Campagna-Landschaft, die IN; auf der 
Leipziger Jahkesansstknnng ansgeüellt war, etwas von deutschem Heimatsgefühl hineingetragen. 
Nicht daß er die Wirklichkeit vergewaltigt hätte; aber diese Landschaft ist mit den Augen eines 
Deutschen gesehen, der an gewissen Stimmungen mit voller Absicht vorüber-gegangen ist. Nicht 
das wild Zerrissene, die grandiose (s)de der römischen Ebene mit ihren gigantischen Kuinendenk- 
male;-n des Altertums haben ihn gefesselt, sondern jene die Seele beruhigende Raum!-oeite, jene 
unendlichen, zum Tkanmen einladenden Perspektiven sind es, die er zum eigentlichen Thema dieses 
lieblichen srühlingsbildes gemacht hat. Hans V0lkMsv (Leipzig)
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.