Bauhaus-Universität Weimar

In seinem Schüler Magnus Enckell hat Edelfelt den eigentlichen sou- 
seger seiner Kunst, den getreuesten Nachfolger in seinen Bemühungen 
um die Gewinnung des Anschlusses an das neue in Paris verkündete Maler- 
evangelium gefunden. Auch Enckells Ziel ist die Verschmelzung der Eigen- 
M"tM feiner Heimatskunst mit den technischen und allgemein stilistischen Er- 
rungenschaften der Pariser Schule. Er läßt auf dieser Suche nach einem 
vermittelnden Stil seine Augen bald hierhin, bald dorthin schweifen, aber 
dieses Balancieren zwischen heimatlichen, französischen und schwedischen 
Anregungen bringt ihn der Gefahr nahe, jede persönliche Note einzubüßen. 
Er ist ein außerordentlicher ,,Könner-, aber ein unsicherer Stilist, der heute 
alle Wirkung auf die Linie abstellt, morgen alles Heil von einer möglichst 
bunten, allerdings immer äußerst geschmacl!voll gewählten Palette erwartet. 
Seine sresken für die Johanniskirche zu Tammerfors zeigen ihn unter dem 
nur allzu offenkundigen EinflufTe Puvis de Chavannes" stehen: er ringt hier 
nach der feierlichen Monumentalität und der Ausdrucksfähigkeit des Linea- 
mentes seines großen Vor-bildes. Seine früheren Arbeiten, wie das vor 
einigen Jahren in einer Kollektivausstellung finnischer Künstler bei Ed. Schulte 
gezeigte Gethsemane, verraten ebenso deutlich die Einwirkung seines Lehrers 
Edelfelt. Das hier abgebildete, außerordentlich flott gemalte Bildnis Edel- 
felts, der im Malerkittel mit Pinsel und Palette vor einem angefangenen 
Bilde steht, aber lehnt sich in seiner hellen, lebhaften sarbenstimmung offen- 
ikchtIith an die Kunst des Schweden Anders Zorn an. Wie alle BildnisTe 
Enckells leidet auch dieses Malerporträt unter einer gewissen sorciertheit 
des Ausdrucks; das Ganze ist schließlich interessanter unter dem Gesichts- 
punkt einer virtuosen malerisohen Leistung, als unter dem eines Menschheits- 
dokumentes betrachtet. Zwar hat Encl?ell mit allen Mitteln des allmählich 
Gemeingut europäischer Kunst gewordenen Jmpressionismus es erreicht, einen 
Kopf von stupender Lebendigkeit auf die Leinwand zu bannen, aber ohne 
daß er damit doch den Eindruck erzwänge, das Wesen seines Modelles voll- 
kommen erschöpft zu haben. Die temperamentvolle maIerische Behandlung 
aber, die wie in einem prächtigcn Blumenstrauße alle sarben einer höchst 
rafsiniert zusammengestellten Palme in diesem Bildnisse vereinigt, ist wohl 
geeignet, diese Mängel einer psychologischen Vertiefung vergessen zu machen. 
Hans Vollmer (Leipzig)
        

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