Bauhaus-Universität Weimar

architekturen im schrecklichen ,,romanischen Stils- der Posener Kaiserpfalz, der zu 
dem plastischen Schmuck Tuaillons so wenig stimmt wie zu der modernen Eisen- 
konstruktion der Ingenieure und, eine riesige phrasenhafte Atrappe, den Ungeschmack 
der Regierungs-Baul?unst in alle Wi11de schreit. 
JneBerlin spitzen sich diese Gegensätze naturgemäß immer noch am schärfsten zu. 
Die Ubergehung Max Liebermann8 bei den Ehrenpromotionen des Universitäts- 
iubiläum8, deren nähere Umstände allmählich bekannt wurden, wirft darauf ein 
grelIes Licht. Unter solchen Umständen ist die Erhaltung der Berliner Sezession 
im alten festen Bestande, auch nach den nun endgültig überwundenen inneren Krisen 
der jüngsten Zeit und nach der 2lbsplitterung der in der ,,Neuen Sezesßon" ver- 
einigten radikalen Jugend, eine Gewähr für die Kontinuität einer gesunden Fort- 
entwicklung der Kunstdinge in der Hauptstadt. 
 
2llle Parteien des Berliner Kunstlebens aber vereinigte um die N"titte des Dezember- 
monats die Trauer um einen Großmeister der deutschen Malerei: um Ludwig 
Kn a us, der nach einem reichen, glücklichen Dasein im 8z. Lebensjahre aus rüjtigster 
Frische von einem sanften Tode abbet-rufen wurde. Dem Andenken dieses Welthe- 
rühmten, der einst vor allem mn seines liebenswürdigen Erzählertalentes willen, heute 
aber  und das garantiert besser als alles andere seine Unsterblichkeit  wegen 
der Unvergleichlict)en Farbenkunst seiner lang entschwundenen -3auptepoche um 
I860 verehrt wird, brachten nicht nur seine Landsleute ihre Huldigung dar. Sein 
-5ingang ward in den anderen Ländern ebenso schmerzlich empfunden, wie wir Deutsche 
den Tod des belgischen Bildhauers Charles van der StapPen, des Nebenmannes 
von Constantin !-1""teunier, oder des großen holländischen Tier- und Landschaftsmalers 
N)illem N1aris betrauerten. Und wie die Totenklagen, so erklingen auch die Hym- 
nen, die an frohen Tagen um die N"teister der europäischen Kunst angestinnnt werden, 
in allen Landen: Rodins siebzigster Geburtstag ward bei uns nicht minder herzlich 
gefeiert als in seinem französischen Vaterlande. Und mit Behagen hörten wir, daß 
der Pariser Bildhauer dem Institut der ?lkademien genau so skeptisch gegenübersteht 
wie wir Deutsche, daß er es abgelehnt hat, aus Erden in die Reihe der vierzig  
sterblichen" aufgenommen zu werden, da ihm die Unsterblichkeit (ohne 2lnführungs- 
zeicl)en) jenseits dieses Planeten sicher ist. 
Ein sHoffnungsstern aber ist aucl) am Himmel der osji"ziellen und staatlichen deutschen 
Kunstpj1ege aufgestiegen: das ist die kluge und verständige Form, in der man die 
Beteiligung Deutschlands an der nächsten großen N)eltveranstaltung, an der inter- 
nationalen Kunstschau zu Ron1 im kommenden Frühjahr, 0tgcMisiert hat. Hier 
hat man die ganze Arbeit, Laß, Ehre und Verantwortung einem Einzelnen, und 
gleich auch dem Geeignetstcn anvertraut: 2lrtur Kampf, der soeben erst wieder 
in einer Beratung mit seinen ,,Statthaltern" in den verschiedenen deutschen Bezirken 
den Plan des Ganzen genau fixiert uud ausgebaut hat. Das muß und wird ein 
schön, Gelingen geben! Der Sieg von BrüjTel J9x0 muß und wird in Rom IN! 
aufs neue erfochten werden! MAX 08B0RN 
II
        

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