Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstwerke und Geräthschaften des Mittelalters und der Renaissance
Person:
Becker, C. Hefner-Alteneck, Jakob Heinrich/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1000449
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4191596
 
 
Tafel 55. Brauttruhe aus der zweiten Hälfte des XV. 
Jahrhunderts, im K. Museum zu Berlin, mitgetheilt von Hefner- 
Alteneck. 
Aehnliche Brauttruhen erschienen vom frühen Mittelalter an, bis 
zu dem Schlusse des XV1I. Jahrhunderts sehr häufig, dienten zur Auf- 
bewahrnng der Aussteuer und Brautgeschenke und bildeten zugleich selbst 
ein Hothzeitsgeschenk und eine Zierde in den Haushaltungen. Eine der- 
artige Truhe ans dem Jahre 1592, siehe Tafel 24 des II. Bandes 
dieses Werkes. 
Vorliegende Darstellung zeigt nur die reichgezierte Vorderseite der 
Trnhe, indem die Oberfläche oder der Deckel, sowie die Seitenwände der- 
selben ganz einfach glatt und schmucklos sind. Das inhaltsreiche Bild- 
werk dieser Vorderwand der ganz aus Birnbaumholz gefertigten Kiste be- 
steht aus gleichmäßig eingefch11ittenen Kouturen, und der Hinterg1-und 
aller dargestellten Gegenstände ist nur um ein bis zwei Linien vertieft 
und durch ein Instrument in Kreuzschraffirnng ansgefchlageu. Es ent- 
hält, wie in der Regel die mittelalterlichen Brautgeschenke, Darstellungen 
aus Minnengeschichten und zwar Scenen, welche in den meisten derselben 
vorkommen. Zur Linken kniet vor der Frau Minne, in ihrem Palaste 
auf dem Throne sitzend, von ihrem -Hofstaate umgeben, ein liebendes 
Paar, seine Klage vorbringend; dieselbe schicßt auf die Geliebte einen 
Pfeil ab. Zur Rechten 1"1bergiebt dasselbe liebende Paar einein König nnd 
einer Königin in ihrem Palaste einen Ring. Amor erscheint zweimal 
in Tratht eines jungen Mannes des XV. Jahrhunderts n1it Flügeln. 
In der Mitte des Ganzen zeigt sich, wie fast in jedem Minnegarten ein 
Brunnen, auf dem das Schlüsselloch der Kiste angebracht ist. Die 
Zwifchenräume dieser Darstellnngen wie die Randverzierungen bestehen 
aus Laubwerk, in dem sich Jagdthiere und Jäger befinden. Daß dieses. 
Werk französischen Ursprungs ist, zeigt nicht nur die Technik des Ganzen, 
welche an vielen französischen Werken der Art vorkommt und der Ge- 
schmack der Ornamente, sondern auch die Trachten der Figuren, welche 
sich sowohl im Ganzen als besonders durch die an den Schultern der 
Männer aufgehöhten Aermeln und den hohen Kopfpntz der Frauen ent- 
schieden als französisch ausspricht. 
 
 
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