Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstwerke und Geräthschaften des Mittelalters und der Renaissance
Person:
Becker, C. Hefner-Alteneck, Jakob Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1000409
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4165446
sind, erscheint hier ein Stuhl von ganz verschiedener Form aus dem 
XIV. Jahrhundert. Ob derselbe zum kirchlichen oder häuslichen Ge- 
brauch gedient habe, ist mit Sicherheit nicht anzugeben; indessen möchte 
er, seiner Form nach, nicht unwahrsc"heinlich der Sitz eines Bischofs- 
(Fal(1istorium) gewesen sein. 
Der Stuhl, welcher sich um Weniges zusammenlegen läßt, ist von 
braunem Holze. Die eingelegten Verzierungen sind von Elfenbein, 
welches bald hellgelb, bald lichtgrün gefärbt ist und je nach dem stern- 
oder rosettenartigen Muster, mit braunem oder schwarzem Holze in den 
Verzierungeu abwechselt. Der Sitz nnd die Rücklehne sind von braunem 
Leder, mit eingepreßten, theilweiße schwarz ausgemalten Verzierungen, 
in ähnlicher Art, wie die einge"legte Arbeit. 
Die Größe des Stuhls zeigt der beigefügte Maaßstab. Unter A-E 
sind einzelne Theile in vergrößertem Maaßsta"be beigegeben. A zeigt die 
Rosette in der Mitte, wo die Theile sich kreuzen und beweglich sind. B 
ist die Rosette in der Mitte hintern Kreuzes. Die vier rhombusförmigen 
Blättchen in der Mitte derselben, sind hellgrün, die weiß erscheinenden 
Stücke, welche einen Stern bilden und die Dreiecke am Rand, sind gelb, 
C zeigt die eingelegte Verzierung an der Rücklehne und D jene an dem 
Vordertheile. Unter E ist das Muster an der Riicklehne dargestellt, 
welches in das hellbranne Leder eingepreßt ist. Blos die Ornamente 
zwischen den größern Scheiben, sind schwarz ausgemalt. 
Jm XIII. und XlV. Jahrhundert war die eingelegte Arbeit, wie 
sie dieser Stuhl zeigt, in Venedig besonders im Sch1vunge. Außer 
den verschiedenen Abstufungen in den Farben des Holzes, wurde häufig 
weißes und gefärbtes Elfenbein und selbst Metallplättchen angewendet. 
In Zeichnung und Farbe suchte man die Mosaiken nachzuahmen, wie 
der hier dargestellte Stuhl deutlich zeigt, weshalb derselbe um so mehr 
als eine venetianische Arbeit betrachtet werden kann. Ein ganz ähnlicher 
Stuhl befindet sich im Wallraff"schen Museum zu Cöln. 
Die Form der Stühle war von jeher vielen Veränderungen unter- 
worfen. Die St1"ihle und Thronsessel der Meroviugischen und Carolin- 
gischen Könige, waren meistens einfache Sitze, den curulis(i)en Stühlen 
der Römer nachgebildet, wie der noch erhaltene, in St. Denis aufbe- 
wahrte, sogenannte Stuhl des Königs Dagobert zeigt H, welcher 
ursprünglich zum Znsan1menlegen (se11a p1icati1is) eingerichtet war. 
Später waren die Stuhle der Kaiser und anderer Fürsten bankartige 
 M61anges d"aroh(Ho10gie, par C. Cahier et A. Martin. Paris 1847"-49. Vol. 1. p.157. 
 

        

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