Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstwerke und Geräthschaften des Mittelalters und der Renaissance
Person:
Becker, C. Hefner-Alteneck, Jakob Heinrich/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994643
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3964762
(1483-1515) in Italien geführten Kriegen, der Eingang nach Frank- 
reich vorbereitet, wo er unter Franz l., welcher eine Anzahl italieni- 
scher Küustler zur Ausschmiickung der königlichen Schlösser berief, bald 
die Oberhand erlangte und den Namen Renaissaneestyl erhielt, als 
eine vermeintliche Wiedergeburt der Antike. Für Deutschland und Spanien 
mögen die italienischen Kriege, unter Marimilian I. und Carl V. 
in ähnlicher Weise zur Verbreitung des neuen Styls, wenn auch etwas 
später wie in Frankreich, mitgewirkt haben. Bereits A. Di"1rer, P. 
Vischer u. a. folgten im ersten Jahrzehnd des XVI. Jahrhunderts dem 
neuen Styl, obgleich derselbe bei größern Bauwerken in Deutschland erst 
gegen die Mitte desselben die Oberhand gewann. Später entwickelte sich 
hieraus der Jesuiten- und Rokokostyl in verschiedenen Ni"1ancen. 
Die verlassene spit3,bogige Baukunst, so wie die frühere romanische, fielen 
in Mißachtung. Je weiter man fortschritt, besonders im Laufe des 
XVll und XVI1l. Jahrhunderts, desto mehr war man bestrebt, die 
vorhandenen Kunstwerke der Vorzeit, besonders jene der Baukunst, welche 
man mit dem verrufenen Namen gothisch bezeichnete, als barbarisch 
zu entfernen, oder wenigstens durch geschmacklose Umbauten und Zu- 
thaten, im herrschenden Zeitgeschmack zu verändern. Daß die Kunstwerke 
der Bildnerei und Malerei einem ähnlichen Misgeschick Unterlagen, war 
ebenfalls in dem veränderten Zeitgeschmack begründet. Die Flügelaltare 
mit ihren SchniHwerken undMalereien, mußten geschmacklosen Schöpfungen 
im italienisch-französischen Styl weichen; kunstreiche Sculpturen, wie 
Sakramentshäuschen, Choräühle, Taufsteine u. a. wurden als unschön 
entfernt; das Stabwerk und die Glasgemälde in den Kirchenfenftern 
wurden, als das Licht hemmend herausgebrochen und eine Menge kunst- 
voller Geräthe, wie Reliquarien, Monstrauzen, Kelche, Becher, Tafel- 
aussähe re. wanderten in den Schmelztiegel, um in verjüngter aber ge- 
schmackloser Form, wieder zu erstehen. 
Erst gegen Ende des vorigen und im Anfange dieses Jahrhunderts, 
wendeten sich einzelne Kunstfreunde, wie einsame Wanderer, wieder mit 
Vorliebe zu der Kunst des Mittelalters. In Frankreich war es besonders 
A Lenojk, welcher Reh das Verdienst erwarb, die Denkmäler mittel- 
altek1ikhkk Kunst, besonders Grabn1äler, Glasgen1älde und Sculptnren, 
bei dem Untergang so vieler Kirchen, Klöster und Schlösser, während 
der RevoIutioUspkki0de zu retten nnd in eine Nationalsammlung zu ver- 
einigen. Ja Deutschland verdanken wir es hauptsächlich F. Schlegel, 
daß er im Anfange unseres Jahrhunderts aus die Schätze altdeutscher
        

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