Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben Walter Leistikows
Person:
Corinth, Lovis Leistikow, Walter
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994626
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3917185
das Schlechte will und stets das Gute schafft, hat ihm jedenfalls,  
gerufen oder nicht, mag dahingestellt sein - mit Rat und Tat ge- 
holfen. 
Kein Berliner hätte sich damals die Finger verbrennen wollen, eine 
Seeession zu gründen, die eine Unmasse Arbeit, sehr wenig Dank, 
dafür desto mehr Feindschaft einbringen mußte. Aber Akademik- 
direktor Anton von Werner half über alles Zagen mutig hinweg, 
indem er seinen großen Einfluß, seine nicht ganz gewöhnliche Intelli- 
genz und Energie aufwandte, den Antrag der zusammengescblossenen 
Berliner Künstler auf eigene Raume, eigene Juki) und .Hängekom- 
mission im Glaspalast am Lehrter Bahnhof zu Fall zu bringen. Es 
gelang ihm wie durch Zauberei, zu beweisen, daß das gegen des 
Königs Wort und Wille wäre. Daß die Jllustratoren tatsächlich 
ganz dasselbe erreichten, tut nichts zur Sache - des Königs Wille 
scheint danach zweier Auslegungen möglich. 
Die Künstler sind  Gott sei es geklagt  ein faules, bequemes, 
scheues Pack, das am liebsten in Ruhe gelassen sein will, und wenn 
es irgend angeht, krumm gerade sein läßt. Grund zur Beunruhi- 
gung war, weiß der Himmel, genug vorhanden. Die gute, alte All- 
gemeine Kunstgenossenschaft hatte ihre Unsähigkeit, eine wükdige 
Vertretung deutscher Kunst im Auslande zustande zu bringen, in 
Chicago und Paris so überzeugend dargetan, daß ein beschämendes 
Fiasko die selbstverständlich Folge war. Der Geruch, in dem die 
deutsche Kunst infolgedessen bei allen Ausländern steht, ist natur- 
gemäß kein angenehmer. Das merkte sogar die Regierung, und sie 
ging daran, wie es ihr mit Fug und Recht zukommt, die kommende 
Ausstelluug in St. Louis selbst in die Hand zu nehmen. Sie tat dies 
auf eine so klare, überzeugende und sachgemäße Weise, daß ein glück- 
licher Ausgang garantiert schien. Im preußischen Kultusministerium 
als Referent für Kunstangelegenheiten saß Geheimrat Müller, ein 
ungewöhnlich weitßcbtiger, vorurteilsloser Mann, der schon begriffen 
hatte, daß Uhde kein Anat-(hist sein müsse, weil er arme Leute male, 
daß Liebermann nicht Ehr-enmikglied der Sozialdemokratie, weil er 
das Leben der Arbeiter und Bauern niit künstlerisä)em Auge ansieht, 
daß diejenigen noch nichtRinnsteinkünstler genannt werden brauchen,
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.