Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben Walter Leistikows
Person:
Corinth, Lovis Leistikow, Walter
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994626
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3917683
sagen, daß seine Künstlerseele etwa dem ruhigen Spiegel eines mär- 
kischen Sees glich, der die ganze Melan(i)olie unserer märkisel)en 
Heimat wiederspiegelt. Die Liebe, gerade zu dieser Natur, drückt 
den schlichten und ernsten Grundgehalt der Persönlichkeit unseres 
toten Freundes aus, ein Grundgehalt, der ihn zu Werken befähigte, 
die wir kennen und die ein edler BeHtz unseres Volkes geworden 
sind. 
So lange Berlin, die gefährliche Riesenstadt, sieh nicht selbst vergißt, 
wird es auch nicht des Mannes vergessen, der die düstere Kraft, An- 
mut und Monotonie seines breiten Wälder- und Seengürtels wie 
kein anderer geliebt und den Sinnen erschlossen hat. 
Mitten im Kampfe stehend und vielfach im lauten Kriegsgeschrei 
blieb die besondere Kunst Walter Leistikows unberührt. Sie 
war phrasenlos. Sie strömte, ähnlich der schlichten Daseins- 
kraft der Natur, die abgellärteste Ruhe aus. 2lußere Kämpfe, 
innere Leidenschaften und Leiden des Meisters und Menschen 
drangen in ihr Gehege nicht, diesen stillen und weltfernen Garten, 
das Ursprungsgebiet aller großen Kunst, das auch ihr Boden 
gewesen ist. 
Und nun, du lieber, durcl)geprobter Mensch, Künstler, Kamerad und 
Freund, lebe wohl. In einem anderen und doch verwandten Sinne 
wartet nun deiner ein weltferner Garten. Unsere Gedanken, unsere 
Herzen, unsere Liebe, unsere Dankbarkeit folgen dir and) in diesen 
weltfernen Garten der Stille naii)." 
Gerhardt Hauptmanns Geleitwort wirkte unsagbar ergreifend. Als 
er den legten Satz gesprochen, fluteten, aus der Verborgenheit, die 
Töne des Beethovensei)en Trauer-marsel)es herein, gespielt von dem 
Blüthner-Orchester unter Frieds Leitung. Während die weihevollen 
Klänge noch die seierliche Domhalle erfüllten, wurde der Sarg hin- 
ausgetragen und auf den Leichenwagen gestellt. Die Billenlolonie 
G!-unewald hat dem ,,niet)t ortsangehörigen" Maler und Verherr- 
lieher des Grunewaldes in l-ureaukratischer Kleingeiitigteit die legte 
Ruhestätte verweigert, und so wurden Walter Leisiikows sterbliche 
Reste nach dem Friedhof in Stegliy überführt. Dort erwartete eine 
sehr große Mensel)enmenge den Trauerzug und dort überbraehte auch
        

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