Bauhaus-Universität Weimar

Meister der Farbe. 
Die jungen Leute klammern sich einzig an die Geschicklichkeit der Hand. Aber es gibt 
vielleicht kein größeres Hindernis im Wege allen wirklichen sortfchritts als diese allgemeine 
Manier, der wir alles geopfert haben. Denn sie ist es, die uns verhindert, alles beiseite zu 
lassen, was für das Bild nicht absolut nötig ist, die uns den Teil dem ganzen vorziehen 
läßt und die uns hindert, so lange zu arbeiten, bis wir wirklich zufrieden sind. 
Tausend Dank, werter Herr, und ich wage Sie sreund zu nennen, denn nur ein sreund, 
und zwar ein 8reund mit edlen Gefühlen ist imstande, einem Kollegen einen Brief zu schreiben 
wie der, den ich von Ihnen erhalten habe: wenn Sie zu mir kommen oder ich zu Ihnen, 
und das wird bald geschehen, dann werde ich Ihnen das alles viel besser sagen. Ich danke 
Ihnen von Herzen und sende Ihnen unterdessen die aufrichtigsten und herzlichsten Versicherungen 
meiner Freundschaft. Eugäne Delacroix. 
ene- es rote-an .  
d. Februar Z8-s-g. Werter Herr! Sie müssen die V-erzögerung meiner Antwort entschuldigen 
und damit die tausend Dinge oder vielmehr die bei den Künstlern gewöhnliche Nachlässigkeit 
belasten, womit sie selbst die wichtigsten Sachen auf den Morgen verschieben. Sogleich nach 
Empfang Ihres Briefes habe ich mir die beiden Blumenstücke angesehen: ich teile Ihre An- 
sicht ganz und gar. Sie Zeugen von großem Talent, und besonders die Pinselführung ist 
erstaunlich; aber sie scheinen mir an dem Fehler zu leiden, der fast allen von Spezialisten 
geschaffenen Werken anzuhaften pflegt: das allzu weit getriebene Studium der Einzelheiten 
schadet der Gesamtwirkung etwas. Und ich glaube, die Zeit wird diesen Fehler immer deutlicher 
machen. Da der Künstler bei der Ausführung sich weniger um die großen Massen der Linien 
und Farben kümmerte als um die peinlich genaue Wiedergabe der einzelnen Teile, verschwinden 
schließlich die Dinge, welche den zu stark hervorgehobenen Einzelheiten sozusagen als Grund 
dienen, und so bleibt nichts als diese Zersplitterung, welche der Wirkung etwas schadet. 
Aber all dies nimmt diesen Bildern nichts von ihrem tatsächlichen Werte, denn ihre Aus- 
führung ist weit besser als was man in diesem Genre zu sehen pflegt. 
Sie sind so freundlich, von den Blumenstüci?en zu sprechen, an welche ich soeben die 
letzte Hand lege. Ich bin dabei auf ganz entgegengeset3te Art an die Arbeit gegangen als 
der Maler der beiden Bilder, von denen ich soeben gesprochen habe. Ich habe die Einzel- 
heiten dem Ensemble untergeordnet, so viel ich es nur konnte. Auch wollte ich ein wenig 
aus dem alten Gleis treten, worin die Blumenmaler gezwungen scheinen, stets die nämliche 
Vase mit den nämlichen Säulen und den nämlichen phantastischen Dr-aperien zum Hinter- 
grunde zu nehmen. Ich habe versucht, natürliche B-lumenstücke zu malen, wie man sie in 
den Gärten sieht. Nur habe ich mich dabei bemüht, so viele verschiedene Blumenarten wie 
möglich"zusammenzubringen, soweit dieses Zusammensein wahrscheinlich ist. Ietzt fürchte ich 
etwas, nicht die Zeit zu ihrer Vollendung zu haben, denn ich habe mich noch nicht wieder 
an die Arbeit machen können, und es ist noch viel zu tun. Wenn sie, wie ich es hoffe, 
rechtzeitig fertig werden, stelle ich sie im Salon aus. Es sind im ganzen fünf. 
Ich habe in der Tat zu verschiedenen Zeiten Versuche mit der Radierung gemacht; all 
das ist jetzt verstreut. Aber ich werde zusammensuchen, was ich finden kann, und es Ihnen 
durch H. Souty zukommen lassen, muß Ihnen aber im voraus sagen, daß nicht viel daran ist. 
Leben Sie wohl, werter Herr, ich bin Ihnen für Ihr freundliches Andenken dankbar. 
Ihr schmeichelhafter Beifall ermutigt mich sehr, und das gleiche gilt von der freundschaftlichen 
Gesinnung, die Sie mir bewahren. Je älter ich werde, desto mehr fühle ich, wie selten 
aufrichtige und uneigennützige Freundschaft ist. Besonders die Künstler wissen selten, was 
sie von dem, was man ihnen sagt, und von den Gefühlen der Personen in ihrer UmgebUUs 
zu harken haben. E. Delacr0i-s 
E-"EE7IT"7" 
Itetlcrbeuclntcite von sc-ists Bettes- Zulässi-
        

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