Bauhaus-Universität Weimar

Kiinillerbciefe. 
Danach haben meine Eltern beschlossen, mich einen Monat oder zwei nach dem Rate 
Troyons hinzulasTen, damit ich hier gehörig A!-tzeichnen lerne. ,,Auf diese Art-, hat mir 
Troyon gesagt, ,,werden Sie Ihr Talent ausbilden; dann gehen Sie nach Hain-e, wo Sie 
dann gute Studien auf dem Lande werden machen können, und im Winter kommen Sie 
wieder hierher- um ganz hierzubleiben." 
Diesen Rat haben meine Eltern angenommen. 
Dann habe ich Troyon gefragt, in welches Meiste:-atelier ich eintreten soll, und er hat 
mir geantwortet: ,,Soll ich Ihnen meinen Rat geben: Wenn ich heute meine Laufbahn an- 
singe, würde ich zu Couture gehen; den kann ich Ihnen angelegentlich empfehlen. Außerdem 
find noch Picot und Cogniet da, aber ich habe die Manier dieser Leute von jeher ver- 
abscheut." 
Antworten Sie mir sofort. Sagen Sie mir, was Sie von all diesen Plänen halten. 
Ganz der Ihr-ige C. Monet. 
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Rom J709. Wetter Herr! Ich bin Ihnen sehr verbunden für die Grüße, die Sie mir in 
dem Briefe an Herrn Barke sandten. Obgleich ich diesen Brief als einen hübschen Aufsatz 
mit großem Vergnügen gelesen habe, muß ich doch sagen, daß ich mit Bedauern wahrnehme, 
wie viele Zeit Sie mit vorübergehenden Dingen vergeuden, während Sie sie doch so gut zu 
dauerndem Vorteil verwenden könnten. 
Wer immer entschlossen ist, sich in der Malerei oder in irgend einer andern Kunst aus- 
zuzeichnen, der muß all sein Sinnen und Trachten diesem alleinigen Gegenstande zuwenden, 
vom Augenblick an, wo er aufsteht, bis zu dem, wo er sich wieder zu Bett legt. Die 
Wirkung eines jeden Dinges, das dem Auge des Malerei begegnet, kann ihm eine Lehre 
geben, vorausgesetzt, daß sein Gemüt ruhig, von andern Dingen unbehelligt und offen für 
Unterweisung ist. Diese allgemeine Aufmerksamkeit, verbunden mit andern Arbeiten, die den 
Künstler in seinen vier Wänden beschäftigen müssen, genügen, um ein Leben auszufüllen, 
selbst wenn es viel länger wäre als es ist. Wäre ich an Ihrer Stelle, so würde ich be- 
denken, welch ein hoher Gewinn auf dem Spiele steht, und würde mich nimmer durch den 
kleinlichen Neid und Spott meiner Nebenbuhler von der Hauptsache ablenken lassen. Wenn 
Sie diese Hauptsache mit festem Blick verfolgen, werden alle Ciceroni in der Welt Ihnen 
nicht schaden können. während sie sich bemühen- den Käufer von dem Besuche bei einem 
jungen Maler abzuhalten, tun sie dem jungen Künstler, meiner Ansicht nach, keinen Schaden, 
sondern den größten Nutzen. Als ich mich in Rom aushielt, bekam ich sehr wenig von 
ihnen zu tun, und die mit ihren Aufträgen verbrachte Zeit sah ich stets als verloren an: 
jene gefälligen Bilder zu kopieren, welche von reisenden Herrschaften mit heimgebracht werden, 
um die gute Stube auszuschmücken, ist bei weitem nicht die beste Art für einen Kunstschüler, 
seine Zeit anzuwenden. 
Wer immer große Absichten hat, dem würde ich raten, bei seinem Aufenthalte in Rom 
lieber von Brot und Wasser zu leben als jene großen Vorteile zu verlieren, die ihm nie 
zum zweiten Male geboten werden und die er nur im Vatikan finden kann, wohin, darauf 
will ich wetten, niemals ein reisender Kavalier einen jungen Maler zum Kopieren schickt. 
Dies soll kein Vorwurf für die reisenden Herrschaften sein: die Werke im Vatikan sind zwar 
das richtige Studium für einen Künstler, nehmen sich aber in G! und zur Größe von Staifelei- 
bildern verkleinert schlecht aus. Die sirtinische Kapelle ist das Werk des größten Genies, 
das je in der Kunst tätig gewesen ist; hier muß man untersuchen und nachdenken, mit welchen 
Prinzipien dieser ungeheuer große Stil zustande kommt, um dann zu versuchen, selber nach 
den nämlichen Prinzipien etwas zu schaffen. Und das wird Ihnen mehr nützen als das
        

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