Bauhaus-Universität Weimar

Kunst-mchricheen 
 MM!)Osius und seine Gedanken zu deren Er- 
tskChMIg End jedenfalls ausgezeichnet, und aus 
di-fem Grunde muß die Eingabe des fachwirtschast- 
lieben Verbandes bekämpft und überdies als Äußerung 
liberal sein wollender Bürger belächelt werden. 
D-!gegM stehen wir nicl)t an, die Ausdrucksform, 
die Herr Dr. Mutheslus an manchen Stellen seines 
 gewählt hat, für einen Mißgriff zu 
halten. Diejenigen Fabrikanten nämlich, welche 
Mk) der offensichtlichen Führung von Künstlern an- 
vertrauen, stellt er in ihren kaufmännischen Zielen 
M0MUi"Tk) höher als solä)e, die kunsigewerbliche 
Gegenstände auf eigene Faust und nach dem alten 
Geschtnacke sabriziet-en. Dies scheint uns falsch 
und wirklich zur Erregung bösen Blutes geeignet; 
besonders da Herr Dr. Muthesius seine Verm-teilung 
so allgemein gehalten hat, daß er einen Satz ge- 
braucht hat wie diesen: ,,der kunsiindustrielle 
Produzent lehnte es bisher grundsätzlich ab, ethische 
oder moralische Ziele mit seinem Geschäft zu ver- 
quioken." Wie gesagt, so sehr wir das deutsche 
Kunstgewerbe zu der anregenden Tätigkeit des 
-Herrn Dr. Muthesius begliicl-wünschen, so sehr be- 
dauern wir gewisse Formen seines Vorgehens. 
Sch1ikßIid) steht doch bei der Beurteilung der 
öffentlichen Fachleistungen eines Kunstindustriellen 
 oder auch eines Künstlers!  die Moralität 
seiner Absichten nicht in Frage. Einen veralteten 
Geschmack zu haben ist nicht unmoralischer,als einem 
fortschrittlichen zu huldigen. Die Soliditiit der 
Arbeit, die Ehrenhaftigkeit der Kalkulation kann 
bei dem Altmodisä)en so groß  oder so klein  
sein, wie bei dem Modernen. Ein unmoraliscber 
Tischler ist nicht der, welcher dem veralteren Ge- 
fchmacke feiner Abnehmer fröhnt, sondern der, 
welcher unsolide Schranke so herauspuizt, daß sie 
für dauerhaste gute Ware gehalten werden können. 
Solche Unsoliditiit der Scheinarbeit bekämpfen aber 
die guten Riicl-ständigen gerade so wie die guten 
Moder-neu.  Diese Inschucznahme soll aber nicht 
hindern, daß wir uns kräftig zur Fortschrittspartei 
im Kunstgewerbe unter der Führung der Künstler 
 sticht der Industriellen- bekennen. übrigens hat 
die Angelegenheit zu einer Spaltung des fachwirt- 
schastlichen Verbandes Anlaß gegeben, indem die 
Vresdener und Münchener Werkstätten sowie noch 
einige Gesinnungsverwandte ausgetreten sind und 
einen neuen Verband bilden werden. Wir haben 
also ietzt auch im kunstgewerblichen Betriebe eine 
Sezesston. 
der Herstellung einer weichen Porzellanmasfe wieder- 
gefunden hat. Im 18. Jahrhundert hat die weiche 
Masse (päie tenclre) den Ruhm von Sdvreo ge- 
macht und auch jetzt sind die damaligen Erzeugnisse 
in diesem Material von den Sammlern hocl7gefchiitzt. 
Im Jahre 177o wurde das harte Po:-zellan einge- 
führt und um 18oo war mit dem Eintritt von 
de Brogniart als Direktor der Manufaktur die 
Fabrikation aus päte tendre ganz aufgegeben 
worden und zwar so sehr, daß die Kunst der 
Herfiellung der Masse ganz verloren ging. Selt- 
dem man zur Einsicht gekommen, daß dies ein 
großer Fehler war, ist man auf die Suche nach 
den alten Rezepten ausgegangen; da sie sich nicht 
finden ließen, hat man et-perimentiert. Die ersten 
neuen Versuche, die Lauth und Vogt unternommen 
haben, ßguriet.-ten auf der Auosiellung von 19oo. 
In der jüngsten Zeit hat nun Vogt eine neue 
Komposition probiert und hat eine fehr leicht zu 
formende Masse zuwege gebracht, so daß man 
nunmehr wiederum hervorragende Erzeugnisse in 
,,pâte tendre" von der berühmten Sävres-Manu- 
faktur erwarten darf.  M. 
Die Heidelberger stiidtifche Kuniksamin- 
lang erhielt von den Erben des Industriellen 
Po iTelr eine Sammlung von t4t alten Niederländern 
geschenkt, die in einem besonderen Anhang dem 
Museum angegliedert werden sollen. 
Ein heffisches Landesmuseum soll 1nKafTel 
mit beträchtlichem Kostenaufwänd errichtet werden. 
Es scheint, daß die porzellanmanufaktur 
von  das verloren gegangen- Geheimnis 
Das Mädchen von porto d"Anzio. Die 
italienische Regierung hat die unter dem Namen 
,,Das Mädchen von porto d'Anzio" bekannte 
Gekvandstatue um den preis von 45oooo France 
eingekauft. x878 rutschte bei einem Sturme unter 
dem Andrange der Wogen ein Stück der Küste 
bei Porto d"Anzio ab, und zwischen den Trümmern 
der Nerovilla fand man auf dem Strande die 
köstliche Statut, die also dem Eigentümer des 
Bodens, dem Fürsten Aldobrandini di Sarsina, 
gehörte. direkte Analogien sind nur schwer für 
dao einzigartige griechische oder besser griechisch- 
aslatische Originalwers beizubringen; jedenfalls 
fehlen die, welche es einem bestimmten Meister 
zuschreiben lassen. Er ist sicher in den Beginn 
der heuenistii'chen Epoche zu legen- ,-Denn 
friiher oder später ist die eigenartige Mischung 
von felnfühligstem Naturalismus und sichers'cer 
Berechnung in der Verwendung vornehInster Mittel 
undenkbar". Die Statue sieht fest aus dem linken 
Bein, der rechte Fuß ist weit zuriickgeseizt in einer 
pose, als hielte die Gestalt im feierlichen Schreiten 
inne. Es ist keine priesterin, deren Abzeichen 
durä)aus fehlen; ein opferndes Mädchen sehen wir 
vor uns, die auf dem Qpferteller eine Tänie, die 
gerollt ist wie eine Papyrugrolle  so daß Amelung
        

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