Bauhaus-Universität Weimar

Meister der Farbe. 
Spiel des Lichtes, des klaren Vermeerschen Lichtes, vielseitige Aufgaben zu lösen, fiir den Goldschmied, 
das von rechts kommt, wunderbar schön und den Elfenbeinschnitzer, den Glasmaler, den Möbel- 
macht dieses kleine Gemälde zu einem großen tischler, den Sticker, den Lederarbeitet-, den Buch- 
Kunstwerk. Ebenso ist der Kopf in seinem nach- binder usw., auch für den Photographen natürlich; 
denklichen Ausdruck, der uns so merkwürdig an- kurz, für jedes Kunsthandwerk ist bei diesem in 
sieht, sehr reizt-oll. Das bekannte ,,Pointillä" bezug auf Material oder -Herstellungsweise keiner 
fehlt aud) hier nicht. Die Größe mag ungefähr Einschränkung unterworfenen preisausschreiben 
dieselbe der ,,Dentellidre" im Louvre sein, aber was zu holen. Zum Wettbewerb sollen fertige, 
während jenes Bild sehr hell und licht ist, hat auf selbständigen kiinsilerischen Entwiitsen be- 
unseres kräftigere, tiefere Töne. Es ist tadellos ruhende Objekte eingesandr werden; Skizzen wer- 
erhalten; nur bedarf der Firnis einer leici)ten Re- den nur bei der Sonderabteilung ,,Couleurhäuser" 
generierung. Sobald diese stattgefunden hat, wird und ,,Innendekorationen" zugelassen, hier hat der 
der Besitzer wohl erlauben, daß sein Schatz durch Architekt, der Raumkiinstler das Wort. Es wird 
eine gute Reproduktion den Ruhm des einzigen aber auch erwartet, daß studentische Korporationen, 
Vermeers auch weiter durch alle Lande trägt. sofern sie sich als Auftraggeber, beispielsweise einer 
Trotz der Zeichnungen Rembrandts ging ich abends Fahne oder eines Präsidiumsstuhles, einer ganzen 
heim, ganz erfüllt von dem gewaltigen Eindruck, Inneneinrichtung oder gar eines Neubaues aus- 
den dieses kleine Bild in mir zurückließ, ein Ein- weisen, mit am preisausschreiben teilnehmen. Nur 
druck, wie ihn nur ein sehr großes Kunstwerk durch eine enge Verbindung aller Interessenten ver- 
einet sehr großen Meisters hervorrufen kann." mag die eingeleitete Bewegung ihren Zweck, nämlich 
,,Hebung der Studentenkunst", voll zu erreichen.(( 
,,Kunst im Leben des Kindes" war vor Soweit das Programm.-Die Studenten werden 
einer Reihe von Jahren das große Feldgesd7rei. also künftig ,,in Schönheit" Bieriungen trinken. 
Inzwischen sind die Kinder älter geworden und 
herangewachsen; so lautet denn also die neuesie Cadinen. In letzter Zeit hörte man wieder- 
Parole: ,,Kunst im Leben des Studenten--. holt, daß zur Ausschmiickung von neuen Bauten, 
Um ihr zum Siege zu verhelfen, hat der Direktor speziell in den östlichen Provinzen, Arbeiten aus 
des Stuttgarter Landesgewerbemuseums ein Preis- der kaiserlichen Manufaktur in Cadinen zur Ver- 
ausschreiben an alle Künstler erlassen. In dem wendung gelangt waren, ohne daß man sich eine 
offiziellen Programm heißt es: ,,Wahrlich, eine Vorstellung von der Leistungsfähigkeit des Ca- 
gkiiudtikhe Wandlung nach der Seite des Ge- dinener Werkes machen konnte.  Die nunmehr 
schmackes ist bei den zahllosen ,,Studentenartikeln" in Berlin dargebotenen Proben dürften aber weit- 
in den aller-meisten Fällen dringend erwünscht. gehende Enttäuschung hervorrusen. Man sollte 
Nicht nur, daß hier die moderne Kunstbewegung es nicht für möglich halten, daß alle die großen 
bisher so gut wie ausgeschaltet blieb, direkt minder- Fortschritte, die uns die Wiedererweckung kerami- 
wertige Bazarware bildet für unsere akademische scher Kunst in den letzten Jahren durch Männer 
Jugend die Erinnerung an die schönsten Lebens- wie Mag, Scharvogel, Schmutz-Baudiß und andere 
iahre, und gerade der Er-innerungswert hat bisher gebracht hat, so ganz spurlos an einem neuen 
allzu leicht vermocht, ästhetische Bedenken zu be- Unternehmen voriibergehen könnten. Vergeblich 
schwichtigen. Wo nun aber von objektiver Seite suä)t man unter den Gegenständen, den Vasen, 
aus gegen die Geschmacklosigkeiten Frone gemacht Teller-n, WandsIiesen nach einem Stück, das in 
wird, die den studentischen ,,Dedikationsartikeln" Form oder Bemalung etwas Neues böte, und ge- 
aller Art anhaften und die sich dadurch auch bis lang! leidet SUCH ZU dem SsI7cUß, daß die Anleh- 
aufdleAusschn1iickung studentischer Versammlungs- nung an alte Vorbilder nur troiU0H fChW-The 
und Aufenthaltsräume, sowie auf die Couleur- Resultate gezeitigt hat. Da sind Blumenkiibel- 
häuser selbst erstrecken, werden sich gewiß die ,,romanische Blumenkiibel"  entworfen von Lud- 
Studentenkorporationen der Bewegung freudig wig Manzel, in deren leerer Stilmache der ,,Geist" 
anschließen. Der aus Vertretern der Lehrkörper ron1anischer Bauten von Berlin W. lebt, und 
fast sämtlicher deutschen Universitäten und Hoä)- ,,griechische" Vasen, das heißt Gefäße, auf denen 
schulen gebildete Ehrenausschuß, sowie viele direkte das ganze Musierbuch griechischer Ornamente, 
Zuschriften beweisen, daß jetzt sä)on tiefgehendes Palmetten, Mäander usw. wahl- und ziellos 
Interesse an dieser Bewegung vorhanden ist. Auf untergebracht ist. Die Krone dieser Cadinener 
solcher Basis, zugleiä) ermuntert durch wertvolle Antike stellt dann eine unbescl-weiblich verfiißliä)t8 
Ehren- und Geldpreise, werden unsere Künstler rorsigurige Vase dar, deren mangelhaft gezeichnet- 
und Kunsthandwerker nicht zögern, sich eifrig an Figuren unter einem wahren Spiegelglanz Ost 
die Arbeit zn machen. Es sind hier ja erstaunlich Glasur doppelt un-angenehm wirken. Und d-Um
        

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