Bauhaus-Universität Weimar

Meister der Farbe. 
Besonders in der Malerei. In der Skulptur ist auth heute noch nicht viel los. 
Leute wie Whisiler, Sargent, Chase, Melchers und ein Dutzend andere, die alle nicht nur 
in der amerikanischen Malerei, sondern in der Malkunst der ganzen modernen Welt mit 
an der Spitze marschieren, gibt es nicht in der Skulptur. Die amerikanischen Bildhauer 
können entweder nichts, oder aber sie machen sehr unfreie Kopien nach Arbeiten europäischer 
Meister. Das Hauptlicbt scheint ietzt Mac Monnies zu sein, der bald Rade und bald 
Carpeaur nachmacht, und zwar in rechter Sudelweise. Sonst weiß ich gar nicht, wen 
man noch nennen müßte. 
Das schlimmste ist, daß die Kerle so scheußlicb langweilig sind. Die Bronzemänner 
mit den Scblangenleibern und den Rattenbcinen, die man vor zwanzig Jahren hier zur 
Zierde der ösTentlichen Gärten und Plätze aufgestellt hat, sind viel amüsanter. Uber die 
kann man doch wenigstens lachen, ebenso wie über den armen General Grant, der zwar 
einen Mordshut und einen entseglii-h dicken Kopf, aber verteufelt wenig Hals und Leib 
hat. Aber was hier ausgestellt ist, ist nur langweilig wie alle Prüfungsarbeiten mehr 
oder weniger talentierter Preisschüler. Das ist der Eindruck, den die amerikanischen 
Bildhauer machen, sie sind mehr oder weniger gelehrige Schüler der europäisthen, besonders 
der Pariser Kunstschulen. Von Selbständigkeit, von amerikanische-: Eigenart ist bei ihnen 
nicht die Spur zu Enden, und das ist sehr verwunderlich, weil in der Malerei und auch 
in der Architektur, ganz besonders in der Architektur, viel weniger von dieser Abhängigkeit 
und viel mehr freie Eigentümlichkeit zu merken ist. 
In der Architektur End die Amerikaner vielleicht am interessantesien. Zwar sind ihre 
Wolkenkrager und auch ihre Cottages nicht immer schön, aber sie sind fast immer praktisch 
und zweckmäßig, und das ist der erste Schritt zur Schönheit. Die Baumeister sollten nur 
jeden Gedanken an schönes Aussehen aufgeben, sie sollten keinen unnötigen sirlefanz 
anbringen, und ihre Häuser wären wirklich schön. So aber verderben sie sehr oft ihre 
guten Ideen durch Uberladung mit barocken EinfälIen, die wahrscheinlich die Originalität 
des Archicekten dartun sollen. Manchmal aber müssen sie sich durch den einen oder 
andern Grund auf schmucklose Einfachheit beschränken, und dann wirken diese kleinen 
Wohnhäuser ebenso schön und gut wie die ganz famosen Ossicemöbel, deren S(hönheit in 
weiter nichts als in der Zweckmäßigkeit und Einfachheit liegt. Sowie die Leute hingeben 
und ihre Möbel durch Schnigereien versolsdnern wollen, kommt das greulichste und 
geschmacklofeste Zeug heraus, so daß ich glaube, die Tischler und sabrikanten wissen 
gar nicht, was an ihren Erzeugnissen eigentlich schön ist. 
Ich wollte dir eigentlich erzählen, wie es mit meinem Sigel-I) steht. Aber ich weiß 
noch nicht, ob was aus der Sache wird. Es wäre schade, denn ich möchte den Leuten 
hier gerne einmal zeigen, wie ein lebendiger Mensch auf einem lebendigen Gaul aussieht. 
Kein alter Grieche, kein Tolleoni und auch kein moderner Zirkusreiter. Alles, was ich 
hier in der Art sehe, ist entweder ganz und gar schlecht oder gehört zu einer der drei 
Kategorien. Mit herzlichen Grüßen 
Dein treuer 
Robert Cauer. 
Biarrig, 26. Juli 1892. Nach Ihrer Abreise beschäftigte ich mich mit der Einrichtung 
der Ausftellung. Die Arbeit ist mir gelungen, aber nicht ganz. Dann kamen sestessen. 
Am Montag entschloß ich mich zur Abreise in die Heimat und besuchte vorher unsern 
guten liebenswürdigen Gesandten, um Abschied von ihm zu nehmen. Da begegnete id- 
 Es handelte sich uns ein Reiter-denImal für den einskigen badischen Osßzier- späteren amerikanifchen 
General Franz Sigel, das seither in Samt tout- aufgestellt worden ist.
        

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