Bauhaus-Universität Weimar

Meister der Farbe. 
Seit ein paar Tagen ist ,,Milton mit seinen Töchtern" von M. in der Ausstellung. 
Einer meiner jüngeren sreunde, der den Milton noch persönlich kannte, glaub" ich- sagte: es 
fehle dem Bilde an Wahrheit. Milton sei mit seinen Töchtern nie auf so gemüthlichem 
Fuße gestanden, wie man es aus dem Bilde abnehmen möchte. 
Bevor ich dies schrieb, wurden wir Münchener um O Uhr Abends von einem förm- 
lichen Wolkenbruch mit Hagelwetter überrascht. Eine Dampf-Sprit3e wurde geholt, um d. 
Rathaus-Keller, der total unter Wasser gesetzt wurde, auszupumpen. 
Samstag Morgens. 
Erst um Z Uhr Nachts wurde die Dampf-Sprit3e fertig   . 
Bei mir triefen noch die Plafonds. Das Wasser mußte gestern aus d. Zimmern 
schesfelweise entfernt werden. Nur der Brief blieb ziemlich trocken. 
Lieber Freund! 
So eben erhalte ich Ihr liebes v. gestern (i. e. heute sreitag 8. Sept. Mittags). Auch 
wenn Sie mir nicht geschrieben hätten, hätte ich doch gerne Ihnen mich brieflich mitge- 
theilt, ohne etwas außerordentlich angenehmes oder schlimmes zum mittheilen zu haben  
daß ich nicht schrieb, war der Mangel Ihrer Adresse, und ich wollte deßhalb schon in Ihrer 
Wohnung nachfragen. Nun kommen Sie mir zuvor, und ich folge so schnell möglich mit 
d. Antwort. Bewußtes Bild betreffend-2"s), das ich vor. Sonntag (Nachmittags 4 Uhr) im 
Kunstverein sah, ging es mir beim ersten Anblick nicht ganz so wie Ihnen. Das Bild 
kam mir nur wenig kleiner, aber harmonischer als bei Ihnen im Atelier, feiner in der Be- 
tonung, wenn auch nicht gerade farbiger vor, wobei indeß auch die wechselnden Wolken, 
Beleuchtung u. Schatten ihren Antheil haben mochten. Der Eindruck des Bildes auf mich 
war derselbe wie im Atelier bei Ihnen, es gefiel mir sehr u. wiederum namentlich der 
weibl. Kopf in sarbe und Ausdruck  der feine leise Schatten oder Betonung über ihrem 
Oberkopf war weniger sichtbar als zu Hause, woran, wie gesagt, das Wolkenspiel Schuld 
gewesen sein wird. Auch die Nachbarschaft  ein Mondschein, glaub' ich, u. dann links 
noch eine andere Landschaft that keinen Eintrag. Vis ä I-is, dachte ich mir, wäre es viel- 
leicht besser gehangen d. h. in Mitte der gegenüberstehenden Wand, ob ich Recht habe, weiß 
ich nicht. Mein Urtheil über das Bild hat sich also nicht im geringsten verändert  es 
hat mein Gefallen behalten  und ich halte den Eindruck, den es auf Sie gemacht haben 
soll, für unberechtigt. 
Das war ich!  Ietzt kommen aber die Andern  oder kommen gar nicht. Auf 
dem Verein selber, wo ich gerne vielleicht so im Vorbeigehen etwas fliegendes hätte er- 
schnappen mögen, war nur ein Sonntagspublikum und das in so geringer Anzahl und 
keineswegs mit weiten Mäulern  also nichts! Die wären durch d. alte Pinakothek gerade 
so schweigsam gegangen. Mehrere meiner Bekannten  meine nächsten Verwandten alle  
sind nicht hier  es blieben mir also nur eigentl. zwei Reporter, die ich Ihnen auch nennen 
will, wenn Sie"s wissen wollen, aus denen ich etwas herauspresTte. Da sie aus Rücksicht 
auf mich vermuthlich lieber schwiegen als redeten, und ich gerade auch nicht inquiriren 
wollte, so bekommen Sie also, wie ich, nur Aphorismen aus Discursen in d. Künßler- 
kneipen wie folgt: 
(X) ,,Die er gelobt hat, die loben"s Bild auch wieder; die er nicht gelobt hat, die loben"s 
Bild auch nicht- sagt einer. 
-Ich möchte nur wissen, was der P. über das Bild schreiben würde, wenn"s ein anderer 
gemalt hätte-I, sagt ein anderer. Dann sagte ich: 
,,Und ich möchte wissen, was die Künstler über das Bild sagen würden, wenn"s ein 
anderer gemalt hätte!" 
Der sc. CI-iticus in d. heutigen Neuesten, der eine ausführl. Besprechung der Woche 
, Peche hatte im Kunsivet-ein ein Bild ausgestellt. Der Herausgeber.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.