Bauhaus-Universität Weimar

Meister der Farbe. 
Jahre später aus allen Teilen der Welt die Schüler eilten, bei dem auch Feuerbach gearbeitet 
hat, und dessen Ruf als Maler wie als Lehrer die malende Welt erfüllte. 
Indessen war er doch schon bekannt genug, um die Aufmerksamkeit der jungen Leute 
auf sich zu ziehen, und so war er nicht allzusehr verwundert, als eines Tags an seine 
Türe geklopft wurde und sich ein Schüler meldete. Couture schaute den Mann an. Er 
war sauber aber ärmlich gekleidet, etwa mit der ängsilichen Sorgfalt eines Menschen, der 
jeden seiner Pfennige richtig anwenden muß, wenn er auskommen will. Das Gesicht trug 
kein Datum, das heißt, es hätte ebensogut einem jungen Manne von fünfundzwanzig 
wie einem vierzig Jahre älteren Großvater gehören können. Der Mann hielt seinen Hut 
demütig in der Hand und sprach mit leiser, etwas ängstlicher Stimme. 
Couture, dem es0trox-, seines errvachenden Rufes nicht zum besten ging, und der gerade 
von materiellen Sorgen gepeinigt wurde, nahm den Mann sehr ungnädig auf und sagte 
ihm barsch, er habe keine Zeit, sich mit Schülern abzuplagen. 
Darüber war der Besucher sehr betrübt und bat beinahe slehentlich, der Meister möge 
doch einmal eine Ausnahme machen. Couture blieb bei seiner Weigerung und der Mann 
wandte sich niedergeschlagen zum Gehen, nachdem er vorher einen zu Boden gefailenen 
Pinsel aufgehoben und dem Maler mit einem untertänigen Bü(kling überreicht hatte. 
Diese Diensteifrigkeit bewog Couture, seinen Besuch noch einen Augenblick aufzuhalten. 
Der Mann, der sein Atelier aufzuräumen und zu reinigen pflegte, hatte ihn vor ein paar 
Tagen im Stiel) gelassen, seither mußte er das Auskehren, das waschen der Pinsel, das 
Reinigen der Palette usw. selber besorgen, und bei dem demütigen Gebaren und dem 
bescheidenen Aussehen des Besuchers siel ihm ein, vielleicht werde der Mann diese Arbeit 
übernehmen. Er sagte ihm also: 
,,Wenn Ihnen so viel daran gelegen ist, bei mir Unterricht zu nehmen, so will ich 
Ihnen einen Vorschlag machen: ich brauche einen Palettenpuger. Wenn Sie die Arbeit 
tun, das Atelier instand halten und sich sonst nützlich machen wollen, können Sie kommen.-- 
,,Aber mit der größten Freude! Sie machen mich überglücklich, verehrter Meister!" 
Und der Mann fand keine Worte, um seine Dankbarkeit auszusprechen. Er ging 
gleich, um sein Arbeitszeug zu holen, und kam wieder mit einer billigen Staß"elei, einem 
Farbkasten aus Blech und einigen Pinseln. 
Jeden Morgen erschien er nun im Atelier, fegte aus, lüftete, steckte das Feuer im 
Ofen an und besorgte seine Arbeit als Puger und Aufräumer. War er damit fertig, so sah 
er zu, wie Couture arbeitete, oder er zeichnete und malte unter der Aufsicht des Meisters. 
Touture hatte zwar an den künstlerischen Fortschritten seines Schülers nicht allzuviel Freude, 
denn der Mann zeigte nicht mehr Talent, als seinem demütigen und bescheidenen Wesen 
angemessen war, aber sonst fühlte der Maler sich in jeder Beziehung außerordentlich"zu 
,,Nkonsieur Eugsne--, wie er ihn nannte, hingezogen. 
Nach einigen Wochen sagte der Schüler: - 
,,Verehrtester Meister, ich. habe nicht gewagt, Sie zu fragen, welches Schulgeld ich 
Ihnen zahlen solle. Ich wartete, daß Sie mir die Bedingungen von selbst sagen würden. 
.Aber ich sehe fest, daß Sie nie davon anfangen, wenn ich nicht die Sprache darauf 
bringe. Würden Sie fünfundsiebzig Franken monatlich für angemessen halten?-- 
Touture starrte seinen Palettenpuger verdugt an. 
,,Was fällt Ihnen ein-L Sie wollen mir Geld geben-! Eigentlich müßte ich Ihnen 
etwas bezahlen, denn Sie sparen mir meinen Pux-,er!" 
Aber Monsieur Eugene ließ Ach nicht abweisen, und Touture, dem als jungem, vor- 
läusig nur an Hoffnungen und Entwürfen reichem Maler das Portemonnaie selten zu 
schwer in der Tasche war, ließ sich endlich überreden. Nur gegen die Höhe des Honorars 
machte er noch Einwände. 
,,Fünfundsiebzig Franken! Aber mein lieber Eugene, die bekanntesten Meister, ja 
sogar die Membres de i7Jnstitut nehmen von ihren Schülern nur fünfundzwanzig."
        

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