Bauhaus-Universität Weimar

Franz v. Stock 
(geb. -z. Februar 1863 zu Tettenweis, lebt in München) 
Mittagosd9lummer 
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Eine der ganz einheitlichen und harmonischen Persönlichkeiten in der modernen deutschen Kunst 
ist Franz Stuck. Nicht ohne Grund, daß er so gerne sein eigenes Konterfei selbst gemalt hat  seine 
Erscheinung sieht, wie oft bemerkt wurde, aus, ,,als hätte er sich selbst entworfen-: markige, schnittige Form 
der Züge, wenig Detail. Nichts Germanisches in Linie und Färbung. Vielleicht ist er einer jener späten 
Römerenkel, wie wir deren noch genug finden im bayrischen Süden. Ganzer Ortschaften Bevölkerung 
soll dem Anthropologen das römifche Blut verraten. Und einfach, sicher, in festen Linien, wie sie 
Stucks künstlerischen Stil kennzeichnen, ist auch sein Leben verlaufen, das er sehr früh selbst in die 
Hand nahm und zum künstlerischen Siege leitete. Er hat, darf man sagen, alle Stufen des äußeren 
Erfolges, die bei uns ein Künstler zu durchlaufen pflegt, durchschnittlich um je ein Dezennium früher 
erreicht, als die anderen von der Akademieprofessur bis zum ,,persönlichen Adel". Und um so viel 
früher stand er auch auf eigenen süßen. Er ist der Sohn eines Bauern, eines Müllers zu Tetten- 
weis, einem OrtchFn in Niederbayern, dessen Name wohl im Zusammenhange mit dem seinigen zum 
erstenmal in der Osfentlichkeit genannt wurde. Die ersten Anregungen empfing er, wie so viele, von 
der Mutter, die mehr Interesse für das Schöne zeigte- -US die UMsEVUUSs Es' I)-It den sthlkCbtM- 
gütigen und klugen Kopf der alternden Frau später einmal radiert. Franz Stuck machte die Real- 
schule durch und kam später auf die Kunstschule in München, ein Institut, das manchem Moder-nen 
eine bessere Grundlage gegeben hat, als sie andere auf der Akademie fanden. Der junge Kunstschüler 
lebte bald von seinem eigenen Verdienste. Die dekorativen Künste waren in starkem Aufschwunge 
und unter diesen Eindrücken schuf er für den Verleger Gerlach eine Menge von Entwürfen zu 
,,Allegorien und Emblemen", die nicht nur durch den kernigen, sicheren Strich auffielen, in dem sie 
gezeichnet waren, sondern zum großen Teil, auch durch stilistische Freiheit und Selbständigkeit. Wohl 
stand er noch unter dem Banne der ,,Neurenaissance", aber immer drängte sich eine eigene und zwar 
eine starke Persönlichkeit vor. Noch festeren, in seiner Einfachheit genialen Stil und köstlichen Humor 
zeigt er als Zeichner für die Fliegenden Blätter. Stück war schon weit bekannt, ehe er für die 
Offentlichkeit einen Strich gemalt hatte. Bei einer großen Ausstellung Z888 im Münchener Glas- 
palast debütiert er als Maler mit seinem Wächter des Paradieses, einer Jnnocentia, einem Bild mit 
kämpfenden Faunen. Viele sahen auch da bewundernd schon ein großes und originelles Talent offen- 
bar werden. Viele zweifelten ihn an  es war damals eine Zeit der ,,Originalität um jeden Preis" 
und man war vorsichtig dem Or-iginellen gegenüber! Um das Jahr Z8g0 dann veranüaltete er eine 
große Kollektivausstellung von Bildern aller Art im Münchener Kunstverein. Man kam, sah und  
er siegte. Sein Weg war gebahnt. Mit der unerschütterlichen Ruhe, die ihm eigen ist und einer 
fast beispiellosen Arbeitskraft und Zielbewußtheit ging er ihn weiter. ,,Die Sünde-, ,,Der Krieg-, 
den die Münchener Pinakothek gekauft hat. Die Kreuzigung, die große Sphinx, Sisyphus, Mörder 
und Furien usw. waren Etappen seiner immer mehr reifenden, immer geschlossener werdenden Kunst. 
Eine große Zahl mythologischer, religiöser Bilder, Port:-äts, darunter viel solche seiner Frau und 
Selbstbildnisse, ungezählte dekorative weibliche Charakterköpfe entstanden in rascher Folge. Ebenso 
prächtige Skulpturen, der Athlet, die Amazone, Tänzerin, ein Kentauer, Reliefs usw. und einige 
wenige, aber hervorragend schöne Stiche und Radierungen. Was er anrührte, gelang und gelingt. 
Um die Jahr-hundertwende dann wurde Franz Stracks größtes Werk reif: sein Haus, oder sein Palazzo, 
wenn man will, an der Prinzregentenstraße in München, ein Kunstwerk vom Türdrücl?er bis zum 
Gest"ms, eine Tat des guten Geschmackes, ein Vorbild, in dem sein Schöpfer in der Anlehnung an 
die Antike den Zierkünstlern von heute neue und gangbare Bahnen wies.  Unser ,,Schlafendek 
Faun-", in dem die lastende Wucht hochsommerlicher Mittagsglut mit so elementarer Kraft und mit 
so viel gesundem Humor dargestellt ist, stammt aus jener Debutausstellung im Münchener Kunstverein 
und mag zu des Künstlers malerisch feinsten Arbeiten gehören. Sie bildete damals eine der ersten 
Erwerbung und ist heute eine der Perlen der Galerie Thomas Knorr. F. v. Os1i-it.
        

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