Bauhaus-Universität Weimar

Meister der Farbe. 
genießt, durch die er sie hervorbrachte und in denen sie besteht. Drum glaubt nicht so schnell 
zu verstehen, was das heiße: Das Gefühl ist die Harmonie und vice vers-a. 
Und das ist es, was immer durch die Seele des Künstlers webt, was in ihm nach 
und nach sich zum verstandensten Ausdrucke drängt, ohne durch die Erkenntniskraft durch- 
gegangen zu sein. 
Auch dieser Zauber ist"s, der aus den Sälen der Großen und aus ihren Gärten flieht, 
die Im? Zum DUrck)i"MifeU- nur zum Schauplag der an einander hinwischenden Eitelkeit aus- 
staffiert und beschnitten sind. Nur da, wo Vertraulichkeit, Bedürfnis, Jnnigkeit wohnen, 
W0ht1t alle Dichtungskraft, und weh dem Künstler, der seine Hütte verläßt, um in den 
akademischen Pranggebäuden sich zu verflattern!    
Wenn Rembrandt seine Mutter Gottes mit dem Kinde als niederländische Bäurin vor- 
stellt- sieht freilich jedes Herrchen, daß entsetzlich gegen die Geschichte geschlägelt ist, welche 
vermeldet, Christus seie zu Bethlehem im jüdischen Lande geboren worden. Das haben die 
Jtaliener besser gemacht! sagt er. Und wie?  Hat Raphael was Anders, was mehr ge- 
malt als eine liebende Mutter mit ihrem Ersten, Einzigens und war aus dem Sujet etwas 
Anders zu malen? Und ist Mutterliebe in ihren Abschattungen nicht eine ergiebige Quelle 
für Dichter und Maler, in allen Zeitenf Aber es sind die biblischen Stücke alle durch kalte 
Veredlung und die gesteifte Kirchenschicklichkeit aus ihrer Einfalt und Wahrheit heraus- 
gezogen und dem teilnehmenden Herzen entrissen worden, um gass"ende Augen des Dumpf- 
sinns zu blenden. Sitzt nicht Maria zwischen den Schnörkeln aller Altareinfassungen vor 
den Hirten mit dem Knäblein da, als ließ" sie"s um Geld sehn oder habe sich nach aus- 
geruhten vier Wochen mit aller Kindbettsmuße und Weibseitell3eit auf die Ehre dieses Besuchs 
vorbereitet? Das ist nun schicklich! das ist gehörig! das stößt nicht mit der Geschichte! 
Wie behandelt Rembrandt diesen Vorwurf? Er versetzt uns in einen dunkeln Stall; 
Not hat die Gebärerin getrieben, das Kind an der Brust, mit dem Vieh das Lager "zu 
teilen; sie sind beide bis an Hals mit Stroh und Kleidern zugedeckt; es ist alles düster außer 
einem Lämpchen, das dem Vater leuchtet, der mit einem Büchelchen dasii3t und Marien einige 
Gebete vorzulesen scheint. In dem Augenblick treten die Hirten herein. Der vorderste, der 
mit einer Stalllaterne vorangeht, guckt, indem er die Mütze abnimmt, in das Stroh. War 
an diesem Platze die Frage deutlicher auszudrücken: Ist hier der neugeborne König der 
Juden?   . 
Was der Künstler nicht geliebt hat, nicht liebt, soll er nicht schildern, kann er nicht 
schildern. Ihr findet Rubensens Weiber zu fleischig! Ich sage euch, es waren seine Weiber, 
und hätt" er Himmel und Hölle, Luft, Ei-d" und Meer mit Jdealen bevölkert, so wäre er 
ein schlechter Ehmann gewesen, und es wäre nie kräftiges Fleisch von seinem Fleisch und 
Bein von seinem Bein geworden. 
Es ist thörig, von einem Künstler zu fordern, er soll viel, er soll alle Formen umfassen. 
Hatte doch oft die Natur selbst für ganze Provinzen nur eine Gesichtsgestalt zu vergeben. 
Wer allgemein sein will, wird nichts; die Einschränkung ist dem Künstler so notwendig als 
jedem, der aus sich was Bedeutendes bilden will. Das Haften an ebendenselben Gegen- 
ständen, an dem Schrank voll alten Hausrats und wunderbaren Lumpen hat Rembrandt zu 
dem Einzigen gemacht, der er ist. Denn ich will hier nur von Licht und Schatten reden, 
ob sich gleich auf Zeichnung eben das anwenden läßt. Das Haften an eben der Gestalt 
unter einer Lichtsart muß notwendig den, der Auge hat, endlich in alle Geheimnisfe leiten, 
wodurch sich das Ding ihm darstellt, wie es ist. Nimm jetzo das Haften an einer Form, 
unter allen Lichtern, so wird dir dieses Ding immer lebendiger, wahrer, runder, es wird 
endlich du selbst werden. Aber bedenke, daß jeder Menschenkraft ihre Grenzen gegeben sind. 
Wie viel Gegenstände bist du im stande, so zu fassen, daß sie aus dir wieder neu hervor- 
geschaffen, werden mögen? Das frag" dich, geh" vom Häuslichen aus und verbreite dich, so 
du kannst, über alle Welt.  
(Nach Falte-net und über Falconet.)
        

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