Bauhaus-Universität Weimar

HSSSL-sOCSSSH 
Menzel ist nun zur Ruhe gebracht. Das 
Programm der Leichenfeier bilden wir hier im 
Original ab. Es ist zu ergreisend erdacht (NB. 
vom Kaiser per-sönlich), um noch den Zusatz einer 
Beschreibung ertragen zu können. ,,So geschieht 
dem Manne, den der König ehren will" liest 
man im Buche Esther.  Noch ein paar schöne 
Worte von Menzel. Als am Z. Januar 1899 der 
Vorstand des Vereins Berliner Künstler dem Mei- 
ster zur Verleihung des Schwarzen Adlerordens 
gratulierte, blieb Menzel plötzlich in sich versunken 
stehen und sprach wie zu sich selbst: ,,Ist all das, 
was sich so auf meinen Scheitel haust, ist das ge- 
eignet, einem die Ruhe des Alters zu bringen? Ist 
es nicht wie das Schwert des Damokles? Muß 
man sich niä)t immer sagen, es kann einem alles 
wieder genommen werden, und muß man daraus 
nicht immer die Mahnung hören, weiter zu ar- 
beiten und sest zu stehenI" Später erhob er sein 
Glas und rief: ,,Es lebe die Zeit und es leben die 
Männer der jetzigen Zeit--. 
IV 
Der große Statuensund in Kat-nat. Zwei 
ofßzielle Berichte über den großartigen, von Legrain 
in den Tempelruinen von Karnak gemachten Sta- 
tuensund liegen jetzt vor. Im eben erschienenen 
-Arc11aeo1ogical Respekt des Egypt Explotaiion Fund 
(19o3-19o4)-, der im Oktober 19o4 abgeschlossen 
ist, zahlt der glückliche Finder seine Entdeckungen 
im einzelnen aus, von denen Maspero sagte, daß, 
seitdem Mariette das Serapeutn und seine Monu- 
mente an das Tageslicht gebracht hat, keine gleich- 
wichtige Ausgrabung in Ägypten sich ereignet hat. 
Zu gleicher Zeit liegt uns ein von Legrain am 
7. November im Egyptian Institute darüber gehal- 
tener Vortrag in dem Bericht der amerikanischen 
at-chäologischen Monatsschrist -Biblias vom Januar 
19o5 vor. Die Möglichkeit, daß der Grund und 
Boden des Tempels von Karnak an gleicher Stelle 
des siidlichen Ruinenfeldes noch weitere Schätze 
enthält, ist nicht ausgeschlossen, und eine mächtige 
Dampspumpe, an deren Aufstellung man denkt, 
kann möglicherweise in dieser Saison noch eine 
Fortsetzung ähnlicher Funde aus dem jetzt mit 
Wasser gefüllten S(hCCht MI13glichen , wie sie die 
Arbeiten zwischen dem es. September 19o3 und 
Z. Juli 19o4 gebracht hatten. Es wurden gefun- 
den: 457 Statuetten und Statuen in Granit, Ala- 
baster, KalIstein, Basalt, Brescia, Tonschiefer, 
Feldspat, Smaragdit, Elfenbein, verkieseltem Holz; 
IF Stelen in rotem und schwarzem GMtIit, Ala- 
baster, KalKstein; acht Osirisstatuet"ten in Ton- 
schiefer mit Inschr-isten; sieben Sphinx-e (Granit, 
Alabaster, Kalkstein); sechs Alabastervasen; fünf 
Tonschieferfragmente von Vorderarmen; fünf Ky- 
nokephalen in rosa und schwarzem Granit sowie 
Kalkstein und eine ungeheuere Menge von Gegen- 
ständen minderer Wichtigkeit. 
IT! 
Das Schloß in Altenburg ist kürzlich von 
einem Brande heimgesucht worden, der auch 
für die Kunstgeschichte beträchtliche Verluste zu- 
folge hat. Vollstiindig zerstört wurde der soge- 
nannte Kirchensaal, dessen künstlerische Dekoration 
aus lebensgroßen Ahnenporttäts (darunter ein dem 
van Drei zugeschriebenes Porträt des Bernhard 
von Weimar), verschiedenen anderen alten Ge- 
mZilden und einer gemalten Decke bestand. Ge- 
rettet ist glücklicherweise, wenn aucl) beschädigt, 
die schöne Madonna von L. Cranach dem älteren, 
die auf der Er-furter Ausstellung so viel bewundert 
wurde. 
N 
Der höchste bisherige preis für einen 
Abdruck der Radierung Remdrandts ,,Die drei 
Bäume-- ist kürzlich in London erzielt worden, 
nämlich 68oo Mark. Hierbei sei einmal gleich 
über die Preise der berühmtesten Radierungen 
Rembrandts etwas erzählt. Als die größte Kost- 
barkeit wird das sogenannte ,,-Hundert Gulden 
Blatt" angesehen, eine -8)(4o ein große Radie- 
rung, die Christus inmitten Kranken! und Leidender 
darstellt. Die Benennung ,,Hundert Gulden Blatt" 
scheint sich deshalb von alter-sher eingebürgert zu 
haben, weil Rembrandt jeden Abdruck von dieser 
Platte mit tot) Gulden verkauft haben soll, einem 
für damalige Zeit wohl recht hohen preis. Heute 
sind nur noch neun Dr-ucke vom ersten ganz un- 
verdorbenen Zustand der Platte bekannt. Einen 
davon besitzt das Berliner Kupfer-stichkabinett, der 
1887 auf einer Auktion a6ooo Mark kostete. 
Einige Jahre später (:893) kam wiederum ein 
Exemplar auf den Markt und wurde von einem 
der Pariser Rothfchilds für 35 ooo Mark erworben. 
Für das dritte Exemplar wurden schon 1868 Von 
dem berühmten französisd)en Sammler Damit 
2730o  kriegt. Von den sechs anderen Ab- 
drücken I-eß-den nd) zwei im Museum zu Amster- 
dam, zwei im Btitischen Museum und eins in der 
wiener Hofbibliothek. Rembrandts Qriginalplatte,
        

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