Bauhaus-Universität Weimar

Chat-les ChaPlin 
(geboren zu Andelys 1825, gestorben 1891) 
UnfchUld 
(Gemälde im Luxembourg-Museum in Paris) 
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Charles Chaplin, geboren 1825 in Andelys, als Sohn eines englischen Vaters und einer 
fMU53fkstI)ev Mutter- gefiel sich lange Zeit darin, den Engländer herauszukehren. Er be- 
Wahtte sogar den traditionellen Habitus eines Engländers, ganz so wie wir ihn aus 
unseren Wigblättern kennen, aber mit viel wirklicher Vornehmheit und Eleganz. Trotzdem 
war niemand in seiner Kunst französischer und erinnerte keiner mehr an die französischen 
Meister des achtzehnten Jahrhunderts und ganz besonders an Boucher, als Chaplin. 
Unser Bild ,,Junges Mädchen mit der Kage" spricht in beredter Weise dafür. Er zeigt 
darin dieselbe lebendige, muntere, geistreiche Art der Zeichnung, dieselbe Geschmeidigkeit, ohne 
Weichlichkeit und Plumpheit in der Modellierung, dieselbe Flottheit der Ausführung und 
dieselbe Frische der Wirkung bei im Grunde bescheidenen Mitteln. Seht nur die Zartheit 
des Fleischtones, die Hände mit den so fein zugespigten Fingern, das blonde in goldene 
Strähnen geordnete Seidenhaar, mit dem roten Kelch einer Klatschrose geschmückt, welche die 
Farbe der Lippen und der rosigen Ohren noch besser zur Geltung bringt; seht nur das nied- 
liche Gesichtchen des schlafendcn, weiß und gelb gefleckten Kä8chens, das in so intelligenter 
Art an das gelbe Feuer des Mädchenhaares mahnt; seht den hübschen Wirrwarr leichten 
Tülls, der das zarte Gelb und Rosa der bloßen Schultern noch matter erscheinen läßt, und 
seht schließlich dieses Stück schwarzer Draperie, das all dieses Helle und Weiße ebenso sehr 
unterstützt, wie der graue Hintergt-und es verbindet! Jst dies alles etwa nicht echt französische 
Kunst und zwar französt"fche Kunst von ehemals? Neben den ,,Seifenblasen" und dem 
,,Souvenir" ist das ,,Junge Mädchen mit der Kaxze" ein typisches Beispiel für diese Manier 
Chaplins.  Ich bin gezwungen zu sagen: ,,diese Manier--. In der Tat hatte Thaplin vor- 
her eine andere, ebenfalls sehr französische, aber äußerst realistische; denn man hätte ihn, so 
wie Eh. Jaeques den ,,Raffael der Schweine" nennen können. Es war damals um das 
Jahr 1848 und die demokratischen Einslüsse machten sich in den größtenteils aus Männern 
des Volkes gebildeten künülerischen Kreisen mit großer Energie bemerkbar. Ein wirk- 
licher demokratischcr, plebejischer und bäurischer Elan ließ  nach den Landschaftsmalern, 
welche die bahnbrechenden waren  die große Gestalt eines Millet, eines Jules B:-eton er- 
stehen, denen bald Courbet nachfolgte. Unter den Jüngern dieser ersten Realisten waren viele 
Freiwillige, welche sich mit Eifer an den Tagen des Kampfes beteiligten, nach und nach aber 
vom Schlachtfeld desertierten, um sich ruhigeren und bürgerlicheren Beschäftigungen hinzugeben. 
Der Hunde- und Kagenmaler Eugen Lambert zum Beispiel hatte auf diese Weise angefangen. 
Chaplin durchzog gerade um das Jahr 1848 die 2luvergne, malte die allerprimitivsten Ge- 
mälde dieser herben Bergbewohner, lebte in Gemeinschaft mit den Haustieren und war unter 
anderen der besondere Genosse jener Tiere, die eine Zeitlang Gefährten des Verlorenen Sohnes 
waren. Obwohl ihm in diesem Genre eine Ermutigung in Gestalt einer Medaille dritter 
Klasse zuteil wurde, fühlte Chaplin, nachdem der Lärm der Ereignisse verklungen war, welche 
ihn auf diesen Weg gedrängt hatten, daß er nicht dazu geschaffen war, auf demselben weiter 
zu schreiten. Er hatte unter anderem Erfolg als Stecher, später versuchte er sich in der 
keramischen Malerei; allein einige gute Porträts wiesen ihm seinen Weg an und bald darauf 
gab er sich ganz dem Studium der Anmut der Frau hin. Er griff wieder zu den alten 
Allegorien Bouchers und Fragonards, brachte die Mode der Pfeilerspiegel und der Dessus 
de p0rtes wieder auf und wurde für den kaiserlichen Hof, wo man so gut als möglich die 
Eleganz und die Laster der Marquise von Pompadour und ihres königlichen Liebhabers nach- 
äffte, der Dekorateur der kleinen Gemächer, der Boudoirs und Alkoven, der bevorzugte Maler 
der Tuilerien und des El;-see, kurzum der Boucher seiner Zeit. L-sonce Benedite 
        

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