Bauhaus-Universität Weimar

Pierre Carrier-Belleufe 
(geboren 29. Januar 185r in PMB) 
Die TanzklaiTe der Pariser OPEV 
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Es ist in unserer Zeit nichts Seltenes, daß die kleine Welt der Ballett- 
mädchen das künstlerische Interesse der Maler auf sich gelenkt hat. Die Grazie 
ihrer Bewegungen, das Huschen der Lichter auf ihren Gazeröckcben, das Un- 
vorhergesehene ihrer Stellungen bei ihren Tanzübungen, die amüsante Be- 
mühung der fangen Geschöpfe, die Blicke des Publikums auf sich zu ziehen 
 all das übt einen eigenen Reiz auf ein Malerauge aus. Nun meint zwar 
mancher, daß man damit solcher Klasse zuviel Wichtigkeit beimcsTe; aber was 
tut es, wo alle Osfenbarungen des Lebens das Recht auf künstlerische Dar- 
stellung haben, und wir schließlich dieser Vorliebe so interessante Werke ver- 
danken, wie die Radierungen eines Paul Renouard in seiner weltbekannten 
Serie von der großen Oper, und die lebensvollen, pittoresken, bligartig 
notierten Zeichnungen eines Degas oder sorain. Im Gegenfag zu diesen 
drei Künstlern, die sich mit dem Thema nur von Zeit zu Zeit beschäftigt 
haben, hat Pierre Carrier-Belleuse nahezu seine ganze Tätigkeit dem Studium 
der Welt des Balletts gewidmet und zwar mit einer Ausdauer, Sorgfalt 
und Kraft, denen man alle Anerkennung zollen muß.  In Paris ist der 
Künstler geboren. Sein Vater, der Bildhauer Albert Ernst Carrier-Belleuse, 
ist der Schöpfer zahlreicher Marmorbüsten bekannter Pers5nlichkeiten; sein 
Bruder Louis Robert und seine Schwester Henriette sind auch Maler. Im 
Iahre 1875 trat er zuerst im Salon auf und seitdem ist er mit seinen feinen, 
delikat kolorierten Pastellen dort ein ständiger Gast. An Ehrenbezeugungen 
hat es ihm nicht gefehlt. Seit einer Reihe von Iahren ist er in das Lager 
der Soci6t-E Narionale (Champ de Mars) übergegangen, deren Sekretär er wurde. 
Manche seiner Bilder sind weit bekannt geworden: Pierrot in seinem weißen Kittel 
und der großen H-alskrause, wie er sich im Spiegel betrachtet; oder Colombine, 
das Kinn nachdenklich auf ihr kleines Hündchen gestützt, vielleicht ein wenig 
Reue über ihren Liebesverrat in den Zügen. Aber der Künstler zeigt uns mit 
seinem hier reproduziertem Bilde, wie auch inedieser Welt des holden Scheins 
nicht alles rosig ist, wie auch hier erst harte Ubung den Meister macht. Das 
Bild bezeichnet augenscheinlich eine neue Stufe der künstlerischen Entwicklung 
seines Schöpfers, denn wenngleich es noch alle Koketterien und Zartheiten 
seiner früheren Werke hat, noch alle die 8arbensymphonien der Röckchen und 
Bänder erklingen läßt, so bemerkt man doch, daß der Maler sich bemüht hat, 
in der Zeichnung scharf realistisch zu sein. Besonders gut ist der Kontrast der 
hervorspringenden Schulterblatter in ihrer eckigen Magerkeit mit der runden 
G-cazie der anderen Körperlinien gelungen. Georges Riac (paris).
        

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