Bauhaus-Universität Weimar

Man muß Enrique Serra, trogdem er in Spanien geboren und aus 
spanischer Familie stammt, als italienischen Maler betrachten. Nicht nur des- 
halb, weil seinc Künßlerlaufbahn sich ganz in Italien abspielte, das er mit Aus- 
nahme einiger wenigen in Paris zugebrachten Monate, wohin er 1878 als Acht- 
zehnjähiger mit einem Stipendium der spanischen Regierung ging, nicht mehr 
verließ, sondern auch weil die Motive seiner Werke fast durchweg italienisch sind. 
 In seiner frühen Jugend stand auch er unter dem übermächtigen Einfluß der 
blendenden, doch oberslächlichen und gemachten Malerei Mariano sortunys, eines 
ohne Zweifel vortrefflichen und verführerifchen Künstlers, der aber als Haupt 
einer Schule durchaus schädlich wurde, weil einer jener gewandtesten Handhaber 
des Pinsels, deren aus absolut individuellen Naturgaben entspringende Manier 
in keiner Weise nachgeahmt werden soll und kann.  Sehr bald jedoch begriff 
Serra die Leerheit der Malerei von Genrebildchen leicht verkäuflicher und ge- 
zierter Anmut, der er sich mit großer Leichtigkeit gewidmet, und zu welcher er 
in der Folge zuweilen gegen seinen Willen zurückkehren mußte aus zwingenden 
ökonomischen Gründen, und wollte sich statt dessen in einer edleren und intellek- 
tuelleren Kunst versuchen, die sich nicht damit begnügte, die Augen der Besucher 
der Kunstausßellungen auf sich zu ziehen.  Er wandte sich nunmehr mit leb- 
haftem Interesse der Landschaft zu, seine Anregungen bald in den anmutigen 
Umgegenden Neapels, bald in den großartigen romanischen Landschaften suchend. 
 Wo es ihm aber gelingen sollte, eine eigenste Note von hervorstechender 
Originalität anzuschlagen, das war, wenn er schlammige, den bewölkten Himmel 
widerspiegelnde Sümpfe, Teiche, aus denen von grünen Samtmoosen über- 
wucherte Steine hervorragen, verwahrloste Gärten mit wildem Gestrüpp und 
leuchtenden verstreuten Trümmern antiker Marmorstatuen, von rosigen Strahlen 
der Morgensonne umspielt oder von den stammen des Sonnenuntergangs ver- 
herrlich:  auf die Leinwand brachte.  Die hier wiedergegebene Dämmerungs- 
szene der pontinischen Sümpfe ist ein kleines, doch genügend typisches Beispiel 
der melancholisch-poetischen Auffassung, die Enrique Serra für solch verlassene 
Punkte besitzt, wie auch seines nicht gewöhnlichen Wertes als warmer Kolorist, 
gefällig und zuweilen gewaltsam, doch immer geschickt im Suchen glühender 
Tönung und der Lichtkontraße.  Wenn in seinen Landschaften die strenge 
Treue am einfach Wahren mehr als einmal zweifelhaft erscheint und wenn, im 
ganzen betrachtet, dieselben sich oft zu sehr szenographisch gesucht präsentieren, 
so kann man ihm doch andererseits solide chromatische Gaben, die ihn zu einem 
Virtuosen der Palette machen, nicht absprechen. Somit sind auch die lebhaften 
Erfolge, die seine Bilder beim italienischen und fremden Publikum fanden, ge- 
rechtfertigt, wie ,,Herbstmorgen", ,,Der heilige Baum--,  ,,Jtalienischer 
srühling"- -,Der Weg der Gräber in Pompeji", ,,Das Forum Romanum bei 
Sonnenaufgang--, ,,Lateinische Erde--, ,,Der Wald von F!-a Diavo"lo" und andere 
seiner Gemälde, die sich fest in den größeren öffentlichen und privaten Pina- 
kotheken Europas und Nord- und Südamerikas befinden. V. pica.
        

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