Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Anton Graff
Person:
Vogel, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-981534
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3986491
dortige kunstsinnige Gesellschaft, Goethe an ihrer Spitze, den Meister nicht wenigstens 
einmal zu sich hingezogen hat. Es ist gewiss wunderbar, dass unseres Wissens 
Graff nicht einen Auftrag von dorther erhalten hat. Gewiss  er hat mehrere 
der grossen Männer des Weimarer Kreises gemalt, aber immer am andern Orte  
Herder in Karlsbad, Schiller und Wieland in Dresden. Und wie würden wir 
wünschen, von seiner Meisterhand ein Bildniss Goethes zu besitzen in der schlichten 
Natürlichkeit seiner künstlerischen Auffassung, wie würden wir dankbar sein, wenn 
sich die dortigen geistigen und gesellschaftlichen Grössen am Hofe und in der 
Umgebung Karl Augusts von seiner Hand hätten porträtiren lassen! Ein Porträt 
Goethes von Graff, das der absichtlich täuschenden Unterschrift nach dem Barth- 
"schen Stiche zu Grunde gelegen haben soll, ist als eine Erfindung erwiesen worden. 
Merkwürdig bleibt es, dass Goethe des Künstlers  bis auf eine Erwähnung des 
Bildnisses von Bodmer in Dichtung und Wahrheit  nirgends erwähnt und dass 
Graff in dem Briefwechsel mit Rochlitz nicht genannt wird. Gleichwohl soll der 
Künstler dem Dichter sein eigenes Bildniss, eine Zeichnung, gesandt haben, die 
jetzt das Goethe-Nationalmuseum aufbewahrt. Die Erklärung für die ganze immer- 
hin auffallende Erscheinung kann offenbar nur in einem Zufall zu suchen sein, der 
beide Männer leider persönlich nicht zusammengeführt hat. 
Die äusseren Lebensschicksale Graffs bieten, wie schon bemerkt, so gut wie! 
nichts Aussergewöhnliches dar. Die einzige Unterbrechung der Dresdner Zei 
bilden der Aufenthalt in Leipzig und Berlin oder kleineren Orten, wo er zu thun 
hatte, z. B. in Herrnhut, Magdeburg, Braunschweig und sonst, oder Badereisen, 
z. B. nach Karlsbad und Teplitz, oder Reisen in die alte Heimath  zuletzt im 
Jahre 1812. Dem Schweizerlande ist er natürlich sein Leben lang treu geblieben; 
dort in den Bergen lebten Verwandte und Freunde, und manches köstliche Bild- 
niss zeugt dort von seiner Anwesenheit in den verschiedenen Jahren. Aber auch 
seine zweite Heimathstadt Dresden hat ihm manchen Freund zugeführt. Im Hause 
von Körner, wo er Schiller kennen lernte, hat er viele glückliche und fröhliche 
Stunden verbracht, befreundet war er u. A. mit dem Hofkapellmeister Naumann, 
mit Adrian Zingg und Lippert und das Ansehen, das er in Dresden genoss, ent- 
sprach ganz der Bedeutung seiner Kunst. 
Auch sein Familienleben gestaltete sich äusserst glücklich: Frau Auguste, 
mit der er vierzig Jahre lang verheirathet war (sie starb im April 1812), schenkte 
ihm zwei Söhne und eine Tochter, deren frische Kindergesichtchen der Vater 
manchmal auf die Leinwand gezaubert hat. Auf dem Altmarkte bewohnte er bis 
kurz vor seinem Tode nur ein einziges grosses Zimmer mit zwei Fenstern. wDas 
warß so beschreibt es Louise Seidler, wseiner ganzen Länge nach durch eine 
spanische Wand getheilt; in der einen Hälfte war des Künstlers Atelier auf- 
geschlagen; hier hantirte er, hier empfing er den Besuch der Muse. In der anderen 
Abtheilung hielt sich seine Familie auf; dieser Raum war W0hn-, Ess- und Schlaf- 
zimmer  alles in Einem. Zuweilen verpflanzte sich auch hierher ein Stückchen 
Kunst; Graff rieb nämlich seine Farben selbst und pflegte dies dort zu besorgenß 
Bei den vielen Aufträgen und seiner patriarchalisch-eirffachen Lebensweise, der 
aber bei seiner Herzensgüte jeder Geiz fremd war, konnte es nicht fehlen, dass
        

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