Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bibel in Bildern
Person:
Schnorr von Carolsfeld, Julius Luther, Martin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-975733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4122904
ehen Augenblicks. Die Priefier haben zum erstenmal die neuen Feier-kleidet angeth-in, 
unter Trompeten- nnd Paukensehall Augen die Kinder Assaphs um einander Lob und 
Danklieder dem Herrn, daß er so gütig iß und seine Barmherzigkeit ewiglich wähnt über 
Jsrael. Der HVheptief!e1" Josua sieht mit den Glökklein am Leib:-oeke, mit dem heili- 
gen Schild auf der Bruft und dem priesierlichen -Hute aus dem Haupt und mit betend ans- 
gebreiteten Händen ob dem G:-undfieine. Zwei andere-Priester stehen daneben, betend und 
segnend. Zur Rechten sieht ein blinder Alter von einem Knaben nnterfiüst unter den 
emftgeftimmten obersten Vätern, Priestern und Leviten, welche das vorige Haus des -Herrn 
gesehen, und in lautes Weinen ausbrechen, nun dies Hans vor ihren Augen gegründet 
wird. Doch das laute Weinen kann nicht durchdringen vor dem Freudengeschrei des Vol- 
kes, das weithin ertönt. 
127. Bau und Vertl)eidigung der neuen stadtmauern. 
Nchemia 4, 16. 17. 
Unter Serubbabel wurde, nach vieler Behinderung durch die Widersacher, der Tem- 
pel (516 vor Chr.) erbaut. Der (458 vor Chr.) naehkommende Esra stellte die Volks- 
sitte wieder nach dem Gefeye Mosis her. Nehemia endlich erhielt (445 vor Chr.) vom 
König Xerres auch die Erlaubniß- Jerusalem zu bauen und zu befestigen. Gegen die fort- 
währenden Feindseligkeiten der Widersacher verordnete Nehemia, daß die Hälfte der jungen 
Manns(-haft Arbeit that, die andere aber in der Wafsenbereitsehast blieb. Auch die Hand- 
lauger und Laftträger hatten immer in der einen Hand ihren Spieß. Ebenso hatte Jeder, 
der da mauerte, sein Schwert an die Lenden gegürtet. So isi dieser Mauer-bau ein schönes 
Vorbild für die zugleich bauende und streitende Kirche. Unser Bild fiellt auf lebendige 
Weise die Nähe eines feindlichen Ueberfalls dar. Während ein Theil der Arbeiter noch bei 
Fackelschein arbeitet, hat der andere Theil innerhalb des Bretterzaunes Mk) zur Ruhe be- 
geben. Drüben ans der Anhöhe werden Feinde sichtbar. Wie Nehemia und sein Oberster 
das gewahrt, muß plöZlich der Trompeter, der auf seiner linken Seite Spieß und Schwert, 
auf der rechten Hüfte seinen -Hammer, und in der Rechten die Posaune trägt, hoch oben 
auf der Mauer Lärm blasen. Während der eine Arbeiter noch schläft, der andere ruhig 
mit dem Winkeleisen mißt, ein dritter in der Arbeit innehiilt und aufhoreht, ein Vierter 
fragt, ob dort draußen der Feind steht, nimmt der BogenfehiiHe im Emporklimmen schon 
den Pfeil aus dem .Köcher. Auf den Ton der Posaune wird es lebendig in dem von 
Waehtfeuern erhellten Lager, der Knabe ist nackt an den Zaun gesprungen und deutet sei- 
nem Vater, der sieh schnell die Sturmhaube aufseHt, nach der Stelle hin, wo der Feind 
FOR- dieMutter auch reißt, vom Lager aufspringend, ein Schwert aus der Scheide, wäh- 
rend die Toehter erschrocken aus dem Schlafe fährt, daneben aber ein spät erst zur Ruhe 
Gekommeuer noch in voller Rüstung schlafend am Boden liegt. 
128. Des Volkes -Buße. 
Nehemia 9. 
Nachdem die Mauern fertig waren , trat ESra der Priester wieder hervor um dem 
Volke das Gesetz Mosis zu Gemüth zu führen. Namentlich über das Laubhüttenfest las 
er es von einem hölzernen hohen Stuhle auf der breiten Gasse vor dem Wafserthor Tag 
für Tag laut vor. Eine erste Folge davon war, daß die Fremden, welehe sieh unter die 
Kinder Jsrael gemischt hatten, ernstlich und gründlich ausgeschieden und entfernt werden 
konnten. Wir sehen sie im Bilde aus Jerusalem fortziehen mit ihren Kindern und 
-Habseligkeiten, ein Priester unter dem Thore heißt sie in Frieden von dannen gehen. 
-Hierauf versammelte sieh die ganze Gemeinde zu einem gemeinsamen Buß- und Betrag. 
Mit Fasten und in Trauer gehüllt, Erde auf den Häuptern, stehen und knien sie um den 
Stuhl, von welchem herab der Priester viermal des Tages im Gesetzbuch des Herrn lieset. 
Zerknirscht bekennen sie ihre Sünden und ihrerBäter Missi-that, und mit lautem Geschrei 
beten die Leviten zu dem Herrn ihrem Gott um Gnade und Erlösung aus der großen 
Noth, da sie als Knechte eines heidnisrhen Königs in dem Lande, das Gott ihren Vätern 
gegeben, dem fremden Gewaltherrseher zinsbar und leibeigen sind. Damit aber die Buße 
nicht blos in Worten und Thränen bestche, machen sie schließlich einen festen Bund und 
verpflichten sich mit feierlichem Eide, zu wandeln im GefeHe Gottes. Tresflieh sind in un- 
serm Bilde die verschiedenen Grade der Trauer und Buße vom siillen Nachdenken bis zur 
völligen Zerknirschung, vom stummen Sehmerze bis zum lauten Schluchzen und Stöhnen 
gezeichnet, letzteres zumal in dem ganz gebt-oehenen Alten, der dicht unter dem Lehrstuhle 
kniet. 
130. -iUardurtJac wird zu hohen Ehren erhoben. 
Esther 6, 11. 
Gegen die Juden insgesammt und gegen Man-achai insbesondere machte Hawaii, 
der oberste Diener des Xerres aus Haß und Neid einen ti")dtlichen Anschlag. Aber er muß 
wide: Wissen und Witten zur Erhöhung Makvacl)aig rathen, du- ihn sofort durch Esther 
lkI"U"8k- ltkkI Vvlk Aber rette! UND Hishi- IN Ut1lerut Bilde hat der Judenfeind dem Juden 
die königlichen Kleider anziehen und die königliehe Krone aufs Haupt Hm müssen um) 
auf dem königlichen Leibroß hat er ihn dUlCh W Straßen der -Hauptstadt zu führen und 
als den vom König Geehrten auszurufen. Der Soldat dort streift ehrerbietig die Wehr, 
indem er die Gasse für den Zug offenhiilt. Dem -Haman merkt man den Verhaltenen Un- 
willen und Grimm, womit er des Königs Befehl ausrichtet, wohl an. Das umstehende 
und aus den -Häusern kommende Volk aber ist ebenso Theben von der Ehre, die dem de- 
tnüthigenMardachai widerfährt, als es befriedigt ist von der Demüthigung des bösen, stol- 
zen Haman. 
131. -Zions Getasseut)eit bei schweren Jprufungm. 
Hiob1,20.21.  
Das erste Lehrbuch des A. T. hat die tiefe Lehre von dem ZUlT1MMkUhMS VII FIEVElS 
mit der Sünde und von der Verherrlichung Gottes in den Leiden der Menschen in der 
Form eines köftlieIhen Lehrgediehtes dargelegt- das an eine alte Geschichte aus der P0tti- 
archenzeit anknüpft. Der fromme, reiche Hiob soll geprüft werden. Sc)lc1g Auf Schlag 
kommen die Ungliieksboten. Der erste hat seinen Bericht über die arabischen Horden- 
welche Kinder und Eselinnen geraubt und die Hirten getödtet haben, beendet und ,will, 
am Fuße der bekränzten, am innern Eingang zu Hiobs Gemächern befindlichen Stiule 
sitzend, von seiner eiligen Wanderung ein wenig aus:-uhen. Ein zweiter.Bote folgte bald 
und verkündet, wie der Blitz in die Schafheerd2 gOlc)lc1get1 UND fle mit sammt den Kna- 
ben verzehrt hat. Mit gesenktem -Haupt, auf den hohen Stab gestüht, steht er mit schlor- 
ternden Gliedern vor feinem Herrn. Da stürzt der dritte Bote herein und berichtet wie 
die Chaldäer die .tkameele überfallen nnd geraubt haben. In wenig Augenblicken wird 
auch der vierte, den wir unter Sturm und Wetter dem Hause zukeuchen sehen, das 
Vorhaus erreicht haben und seinem Herrn ansagen, daß der Sturmwind das Haus einge- 
riÜ"en hat, in dem sämmtliche Kinder desselben eben beim fröhlichen Mahle faßen. Hieb 
aber, der schon bei der Ankunft des ersten Boten aus der festlich geschm1"1ckten Thüre fei- 
nes Gemaehs herausgetreten ist und in Geduld die entfeHlichen Botschasten angehört hat, 
beugt ergebungsvoli sein Haupt, erhebt im Vollgefiihle der ganzen Schwere der ihn be- 
troHenen Verluste seine Hände und lobt den Namen des Herrn, der das Alles gegeben 
und nun wieder genommen hat. 
s129. Esther wird von Ahaoverosei zur Königin erwählt. 
Esther 2, 17. 
Die in der Verhannung lebenden Juden sollten eine wichtige Errettung aus der 
Hand ihrer Verfolger erfahren durch eine denkwürdige Fügung des Gottes, der sich auch 
der unwürdigen Menschen und Dinge bedient zum -Heil seines armen Volkes. EsIher- 
eine arme jüdisthe Waise, deren Vetter und Vormund Mardaehai das Amt eines Verlaß- 
W7sthkeks TM pEki7skhM -Hofe zu Susan versah- wird dem beriichtigten König Xerres wegen 
ihrer Schönheit in seinen-Haken! gebracht und gefällt ihm so sehr, daß er sie anstatt der un- 
gehorsamen VajIhi zur Gemahlin erhebt. Diese -Haremsgeschichte ist der Gegenstand des 
Gemäldes, in welchem der Künstler den elenden Liiiiling und Despoten nur zu schön und 
Mc USE A!1tliH und -Haltung darstellt. Der König hat die zierliche Krone von dem Kis- 
sen des knienden Dieners genommen und hält sie mit Anmuth empor , um sie der schö- 
nen, reich in Seide gekleideten, freudig bewegt vor ihm knieenden Jungfrau auszufegen 
nnd diese ni111U1t er, die Stufen des Thrones herabsieigMd- bei der Hand, um sie zur 
Königin zu erheben- Ihre Dienerinnen sehen mit Staunen dieser -Hulderzeigung zu. Hin- 
ter ihnen rüsten die Diener das königliche -Hochzeitsmahl in der goldglänzenden Marmor- 
ballt- Auf DE! tMdk1"11 Seite ßeht neben dem Obersten der Leibivashe der Jude Mardachai 
als PAkAfkhÜkIk Mit dem Stabe vor der Thüre und denkt mit Wohlgefallen an die Vor- 
theile diese! Erhöhung seiner Mond-1fiik ach um- sein Von. 
132. Wer leidend-: 2ijiob nnd seine Freunde. 
Hieb 2, It. 
Zu tiefster Prüfung in noch tieferes Leiden geführt und mit dem schwarzen Ans- 
saH geschlagen sitzt sHiob da in der Ecke und schabt sich mit einem Scherben die Haut. 
Die Strohhalme zu seinen Füßen deuten uns an, was er für ein Nachtlager hat. Drau- 
ßeI1vvk dem Fenster, aus dessen Brüftung er sein mattes Haupt legt, sehen wir das vom 
Sturm umgeworfene -Haus feiner Kinder vollends abbrennen. Hiobs Weib steht verzwei- 
felnd an der Thüre und schaut böse herein zu dem Leidenden, dem sie die giftigen Worte 
zugeworfen hat: ,,Hältft du noch fest an deiner Frömmigkeit? Ja rufe Gott noch einmal 
an und siirb, du haft von deiner Frömmigkeit doch nichts weiteres zu hoffen.- Sein Weib, 
das wie eine Thörin redete, hat er noch mit den frommen Worten zureehtgewiefen  ,,Neh- 
men wir das Gute an von Gott, das wir nicht verdienen, und sollten das Böse nicht auch 
annehmen, obschon wir nicht wissen, womit ivir"s Verdient?" Nun aber sind seine drei 
Freunde, Eliphas von Theman, Bildad von Suah und ,8ophar von Naema gekommen, 
um ihm ihr Beile-id zu bezeugen und ihn zu trösten. Nachdem sie lange stille dageseffen- 
il? EkiphT!S- der weifesie und wohlwollendste, ausgestanden und hingetreten zu dem Manne- 
der in der Unerträglichkeit seines Schmerzes den Tag seiner Geburt verflucht, also, Gott 
anklagt, daß er ihn zu solchen Leiden geschaffen. Mit milden Worten anhebend, etlUUe1"t 
Eliphas den frommen Mann an den Trost, womit er so oft Andere ausgetiehM UND den U" 
nun auch in seiner Gottesfurcht für sich finden sollte, da ja noch nie ein IInfchF1kVk9?V 
umgekommen und kein Gerechter vertilgt worden sei. Freilich, fährt er fort,a,,nsie mag 
ein Mensch gerecht fein vor dem, der ihn gemacht hat?" Statt zu MUk"U - wurde er M 
Hiobs Statt lieber seine Sache dem Höchsten heimfIellen, der den U-IbEI"MUih ZU BEIDE! 
fThlägt und des Niedrigen sich erbarmt. Siehe, so bedeutet EliPHUP i"Um F"UUV schließ- 
lich, im Eifer des Beweisens beide Zeigefinger ausstreekend, selig Ist VI?  
straft (um ihn dadurch von der Sünde zu befreien) darum weigere dich de! ZlJChkIS1111g 
des Allmiichtigen nicht. Denn er verleHt und verbindet; IT 3sksc)UIUßk UND fklM -Hand 
heilt. In sechs Triibfalen errettet er dich und in Athen kUhrt dich kein Ueb,kl an-" BHVe1d 
von Suah verfolgt lebhaft die Rede seines F"reUUJ"'V Und wa"FM mir auf im! i"HJ9Z Wort- 
um sofort ergänzt-nd einznsallen: wenn Gott Einem um seiner Gottlosigkeit willen seine 
Gnade entziehe, so sei freilich deITE" Untergang 9ewiß3 Nun aber ",Hwb Wi"kkUkh der 
Fromme sei, so dürfe er nur ernsUkG ZU Gott ilEhkU Find Wie! EVEN Ihm gewiß aushol- 
fen. Das Altes ist freilich unfähig, den unaussprechlich Leidenden zu. trösten, welcher sich 
gewußt iß,  gelebt und feine und seines Hauses Sunden immer alsbald dUkkh 
Abhittk Und Opfer verfühI1k BE! haben: Warum Um! Mc) USE fUl"kI)tbaren Strafen? sind 
He im Lohn seiner Gottfeligkeit? Auf dieses wird auch der jüngste, Zophak Von Na,m., 
trog allen Besinnens nichts BeH"eres antworten können. Er wird vielmehr, heftig auffuh- 
rend und den -Hkvb hSIMIIchEk VEkbMhkU sc)UlVi9 sPMHmd - Ohne ihm doch etwas Böses 
,m4i;kpkifen zu können, Alles verderben. So muß schließlich Gott selbst km vie 
Szene der leidigen Tröster treten und den auf feine Gerechtigkeit stolzen -Hiob innerlich 
demüthkSM Über seine SslbiIsUThk UND LOh!1iUc)k- DER! also über die verborgenen Fehler 
feines Herzens demüthig Gewordenen kann Gott auch wieder Gnade und nach tiefster Er- 
niedrigung größeren Segen schenken, denn zuvor. 
S
        

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