Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte des deutschen Kunstgewerbes
Person:
Falke, Jakob von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-975669
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3956326
52 
Erste Abteilung. 
3. Die Epoche des romanifchen Kunststiles. 
des Großen und der Schrein der heiligen Jungfrau Maria mit den sogenannten vier 
großen Reliquien. Jn Deutz ist der Schrein des heiligen Heribert, in Xanten der 
Schrein St. Viktor-Z, in Kaiserswerth der des heiligen Snitbert, in Siegburg der des 
heiligen Anno, des Stifters dieser Abtei, nebst zweien anderen, in Köln vor allem 
der Schrein der heiligen drei Könige im Dom und die Schreine der heiligen Albinus 
und Maurinus.V) 
Von diesen allen dürfte, nächst dem Heribertschrein in Deus, derjenige Karls des 
Großen in Aachen der älteste sein; er ist auch in gewisser Weise der einfachste, der 
Gestalt nach eine einschiffige Basilika mit Satteldach, dessen Flächen in viereckigen 
Feldern mit Reliefs aus dem Leben und der sagenhaften Legende des großen 
Kaisers geschmückt sind. An der Stirnseite sitzt er selbst, thronend zwischen Papst LeoI11. 
und dem Bischof Turpin, über ihm im Giebelfelde das Brustbild des Heilandes. An 
den Langseiten unter Rundbogen befinden sich die Statuetten von sechzehn deutschen 
Kaisern bis auf Otto 1V. und Friedrich I1., zu deren Zeit das große Werk vielleicht 
erst die letzte Vollendung erhalten hat. Anlage und Beginn rühren bestimmt aus 
einer vielleicht um ein halbes Jahrhundert früheren Zeit her. (Abb. 14. 15.) 
Jm Jahre 1183 nahm der Schrein des heiligen Anno, welchen der Abt Gerhard 
von Siegburg hatte machen lassen, die Gebeine jenes großen Erzbischof-Z und Kanzler-J 
des deutschen Reiches auf, und ungefähr zu jener Zeit muß auch der Schrein der 
heiligen drei Könige in Köln begonnen worden sein, während der Schrein der heiligen 
Jungfrau Maria in Aachen mit den vier großen Reliquien, ein überaus reiches und 
besterhaltenes Werk, im Jahre 1220 noch in Arbeit war. Wäre jener, der Schrein 
der heiligen drei Könige, in seinem ursprünglichen Zustande geblieben, so wäre er 
von allen das großartigste Beispiel. Leider hat feine Geschichte von UngliickssälIen, 
Verstümmelungen und schlechter Restauration zu erzählen; ja ans der Flucht vor den 
Franzosen auseinander genommen, ist er bei der Zusammensetzung sogar um ein 
gutes Stück verkürzt worden. 
Die Gebeine der heiligen drei Könige wurden im Jahre 1162 bei der Einnahme 
Mailands, wo sie sich bis dahin befunden hatten, von Kaiser Friedrich I. dem Kölner 
Erzbischof Rainald von Dassel geschenkt, und kamen so in diese Stadt der Heiligen. 
Den Schrein aber begann erst sein Nachfolger Philipp von Hainsfeld, nachdem sich 
nach und nach durch fromme Beiträge die Mittel gefunden hatten, die Vollendung 
sah er erst, als Otto IV. zu seinen Gunsten eine große Schenkung machte. Der 
Schrein hat eine Länge von nahezu zwei Metern bei einer Höhe von etwa anderthalb 
und einer Breite von etwas mehr als einem Meter. Von außen gesehen, baut er 
sich wie eine dreischiffige Basilika empor; die niederen Seitenschiffe sind mit einem 
Pultdach gedeckt, während das emporsteigeude Mittelschiff ein Satteldach besitzt. Eine 
der Giebelseiten bildet die Front. Sie zeigt in drei Abteilungen unten unter einem 
Rundbogen den thronenden Christus, zu den Seiten unter Kleeblattbogen links die 
heiligen drei Könige (und neben ihnen Kaiser Otto), rechts die Taufe im Jordan. 
JU der zweiten Abteilung darüber, deren Höhe den Seitendächern entspricht, sieht 
V) Die Abbildungen befinden sich bei Bock, Schatz des Kölner Do1nes, und Karls des Großen 
PfAkzkUpekIS- und bei G. aus-"m Werth. Kunftdenkmäler in den Rheinlanden.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.